Deutschland ist in Bewegung, Möbel müssen abgebaut, verladen und in der neuen Wohnung wieder aufgebaut werden. Manchmal sind es auch Kellerräume oder Entrümpelungen, für die ein Umzugsunternehmen beauftragt wird. Ein Umzugsunternehmen demontiert und sichert Möbel und verpackt übrige Umzugsgegenstände sicher und kümmert sich auch um den sicheren Transport von großen Elektrogeräten.

Die Zahl der Umzüge steigt von Jahr zu Jahr. 2013 fanden 10,92 Millionen Umzüge statt, 2015 waren es bereits 13,73 Millionen. Die Chancen, als selbständiger Umzugsunternehmer Erfolg zu haben, stehen gut.

Die Konkurrenz- und Marktlage richtig einschätzen

Laut der Umzug AG, ein bundesweit tätiges Marktforschungsunternehmen, fanden 2018 im Durchschnitt täglich mehr als 5.700 Privat- und Firmenumzüge statt. Besonders im privaten Bereich dominieren Umzüge innerhalb eines Ortes. Dieser Kundenkreis sucht Betriebe, die einen zusätzlichen Service wie Demontage und Montage von Möbeln anbieten. Auch Nebenleistungen, wie der Anschluss von Waschmaschinen sind gefragt, ebenso wie das Angebot der Einlagerung von Möbeln über einen gewissen Zeitraum hinweg.

Daneben spielt die gründliche Standortanalyse eine wichtige Rolle für den Erfolg des Unternehmens. Wer sich neu im Markt etablieren möchte, sollte sich zunächst diese Fragen beantworten können:

  • Wie viele Betriebe bieten regional Umzüge an und welchen Schwerpunkt haben diese?
  • Wie hoch ist die Nachfrage am Standort? (Hier möglichst auf konkrete Zahlen verlassen)
  • Wie sieht der Leistungsumfang der Konkurrenz aus? Was kann der eigene Betrieb bieten?
  • Welcher Aktionsradius ist geplant?
  • Gibt es eine Angebotslücke in der Region, die vom eigenen Betrieb gefüllt werden kann?

Für den geplanten Aktionsradius spielt es eine Rolle, wie die Angebote der anderen Umzugsunternehmen in der Region aussehen und ab welchem Preis der eigene Betrieb kostendeckend arbeiten kann. In der Regel arbeitet man in dieser Branche mit Festpreisen, deshalb spielt die Preiskalkulation, eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Existenzgründers.

Zu bedenken ist auch, dass Auftraggeber, die ein Umzugsunternehmen beauftragen, oft ein Komplettprogramm möchten, bei dem sie sich um nichts kümmern müssen. Je größer das Leistungsspektrum ist, das angeboten wird, desto erfolgreicher ist das Geschäftsmodell. Wer den kompletten Umzug über die Bühne bringt, wird sicherlich Erfolg haben.

Der Umzugsservice sollte aber auf der anderen Seite auch Umzugswillige bedienen, deren Budget knapper ist und die sich einen reinen Transport ihrer Möbel und Habseligkeiten wünschen. Hier sollte es deutliche Preisunterschiede geben.

Fachliche Voraussetzungen für die Existenzgründung als Umzugsunternehmen

Je nach Leistungsspektrum sind keinerlei fachlichen Anforderungen zu erfüllen. Sofern das Unternehmen lediglich Transporte mit einem Kleintransporter bis 3,5 Tonnen anbietet, bedarf es keiner Erlaubnis. Wenn der Service mit größeren Fahrzeugen erfolgt, ist eine Genehmigung gemäß Güterkraftverkehrsgesetz erforderlich. Bei grenzüberschreitenden Umzügen kann auch eine Eurolizenz nötig sein.

Zusatzleistungen wie Aufbau von Küchen, Anschluss von Geräten und ähnliches sind ebenfalls ohne besondere Erlaubnis möglich. Hier kann es aber ein Vorteil sein, wenn ein Fachmann, beispielsweise ein Installateur, diese Arbeiten vornimmt.

Kosten für die Gründung eines Umzugsunternehmens

Die genauen Gründungskosten lassen sich nur im Rahmen eines für das Gründungsvorhaben erstellten Businessplans ermitteln. Bei diesem helfen freiberufliche Gründungsberater sowie die Industrie- und Handelskammer. Die Fachberater unterstützen auch, bei der Beantragung von Krediten und Fördermitteln. Arbeitslose können auch mit Mitteln von der Bundesagentur für Arbeit rechnen.

Kosten für die Grundausstattung

Gründer eines Umzugsunternehmens sollten über ein Startkapital von mindestens 40.000 Euro verfügen. Dies sorgt auch für ein finanzielles Polster in den ersten Monaten.

Fahrzeug

Umzugsunternehmen benötigen einen möglichst geräumigen Kastenwagen. Für einen älteren Gebrauchtwagen ist mit etwa 25.000 Euro zu rechnen, ein Neuwagen schlägt mit etwa 50.000 Euro zu Buche.

Als Kastenwagen unter 3,5 Tonnen sind beispielsweise der VW Crafter oder der VW Transporter, Renault Trafic oder Renault Master oder Kleinkastenwagen anderer Marken eine gute Wahl.

Egal ob neu oder gebraucht, ein Neugründer sollte das Fahrzeug immer leasen.

Sofern das Unternehmen der Einnahmen-Überschussrechnung unterliegt, kann es die Leasingsonderzahlung sofort in voller Höhe als Betriebsausgabe absetzen. Diese Zahlung ist einmalig zu Beginn des Leasingverhältnisses fällig und reduziert die monatlichen Raten.
Für ein Fahrzeug dieser Größenordnung ist mit einem Betrag von 1.000 bis 5.000 Euro zu rechnen.

Fahrzeugeinrichtung / Innenausbau
Eine Innenausstattung ist nicht erforderlich, da je nach Auftrag größere und kleinere Gegenstände transportiert werden, die mehr oder weniger Ladefläche des Transporters benötigen.
Das Unternehmen sollte Decken und Spanngurte an Bord haben. Hierfür ist mit Anschaffungskosten von etwa 500 Euro zu rechnen.

Folierung
Es lohnt nicht, an der Fahrzeugbeschriftung zu sparen. Das Logo, die Anschrift und die Telefonnummer sollten immer deutlich auf dem Umzugswagen zu sehen sein. Das ist die beste Werbung für das neu gegründete Unternehmen.

Eine Fahrzeugfolierung mit diesen Daten bieten einige Anbieter schon ab 150 Euro an.

Werkzeug

Ein Umzugsunternehmen sollte immer einen Werkzeugsatz dabeihaben, mit dem sich Schrauben alle Art lösen lassen und gegebenenfalls auch Bohrhammer und Bohrmaschine. Außerdem sind eine Sackkarre sowie ein Möbelroller immer eine gute Anschaffung, denn oft sind sperrige Güter zu transportieren oder die Treppen auf und ab zu bringen. Mit Kosten ab 500 Euro ist für die Grundausstattung ist zu rechnen.

Kleidung

Umzugsunternehmer brauchen keine spezielle Berufskleidung. Sinnvoll ist eine Kombination oder einen Overall zu tragen, der bequem, atmungsaktiv und flexibel ist. Für mehr Sicherheit sind Sicherheitsschuhe eine gute Wahl. Das Arbeitsoutfit für einen Umzugsunternehmer ist mit Kosten von 200 bis 500 Euro verbunden,

Ein Firmenlogo dient der Werbung und sollte auf der Kleidung nicht fehlen. Fachbetriebe bieten fertig bedruckte Kleidung dieser Art für etwa 150 Euro an.

Büro/Computer

Telefon, Computer und eine gute Software reichen aus, um alle anfallen Büroarbeiten und die Kommunikation mit den Kunden per Mail und per Telefon zu erledigen. Ein Schreibtisch in den privaten Räumen genügt, ein Büro ist nicht erforderlich. Insgesamt sind 300 bis 500 Euro für die Grundausstattung wie PC, Software und Schreibtisch einzukalkulieren.

Geschäftsausstattung: Briefpapier, Logo und Visitenkarten

Für ein kompetentes und seriöses Auftreten beim Kunden sind Geschäftspapier und Visitenkarten mit eigenem Logo unverzichtbar. Die Gestaltung sollte eine Grafikagentur oder Webdesigner vornehmen. Wichtig ist, dass alles aus einer Hand kommt. Hierfür sollten Gründer 500 bis 1.000 Euro einkalkulieren.

Laufende Kosten

Die laufenden Kosten eines Umzugsunternehmens sind bei der Gründungskalkulation zu berücksichtigen. In den ersten Monaten ist nicht zu erwarten, dass die Einnahmen ausreichen, diese zu decken. Etwa 3.000 Euro sollten monatlich für sechs Monate zur Verfügung stehen, um die Durststrecke zu überstehen.

Mitgliedschaften

Umzugsunternehmen sind Zwangsmitglieder der örtlich zuständigen IHK. Sofern der Betrieb Mitarbeiter beschäftigt, muss das Unternehmen Mitglied in der Berufsgenossenschaft werden.

IHK
Die Höhe der Beiträge dürfen die regionalen Kammern selbst bestimmen. Sie orientieren sich in der Regel an der Rechtsform und am Gewerbeertrag. Einzelunternehmer, die weniger als 25.000 Euro Gewinn erzielen, zahlen meist zwischen 25 und 50 Euro im Jahr.

Berufsgenossenschaft
Die Genossenschaft bietet Sicherheitsberatung und übernimmt Kosten, die durch Berufsunfälle oder Berufskrankheiten entstehen. Für Umzugsunternehmen ist die BG Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation zuständig. Üblicherweise legen die Berufsgenossenschaften die tatsächlich angefallenen Kosten nach einem komplizierten Schlüssel um. Dieser beinhaltet das Risiko der Tätigkeit und den Anteil der Aufwendungen entsprechend der Branche. Der Schlüssel wird auf die Bruttolohnsumme angewendet.

Innungen
Der Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ) e.V. untergliedert sich in18 regionalen Verbände. Etwa 900 Unternehmen sind dort Mitglied. Die Beiträge errechnen sich aus der Anzahl der Fahrzeuge im Betrieb und einem Grundbeitrag.

Personal

Umziehen heißt, Möbel von Wohnungen zum Fahrzeug und umgekehrt zu transportieren. Ohne Helfer ist dies nicht möglich. Zumindest eine Aushilfe (Mini-Jobber) ist vom ersten Tag an notwendig.

Fahrzeug

Das Firmenfahrzeug verursacht einen großen Teil der monatlich anfallenden Kosten.

Leasing
Die Leasinggesellschaft ist Eigentümer des Fahrzeugs und wird in monatlichen Leasingraten bezahlt. Dabei handelt es sich um eine Betriebsausgabe, die den Gewinn des Betriebes und damit die Steuerlast reduziert.

Die Höhe der Raten hängt vom Modell und von der Höhe der Sonderzahlung ab. Auch die Bonität des Leasingnehmers hat Einfluss darauf. Meist fallen Kosten zwischen 200 und 500 Euro im Monat an.

Kraftstoff
Umzugsunternehmen verdienen am Transport und weniger an Dienstleistungen, die sie vor Ort beim Kunden erbringen. Die Fahrzeuge haben müssen daher viel Fahrleistung bringen. Dies bedeutet naturgemäß auch einen hohen Kraftstoffverbrauch. Grob können 500 bis 1.000 Euro für diesen Posten anfallen.

Kfz-Steuer
Ab dem Tag der Anmeldung ist die Kfz-Steuer für ein Jahr fällig. Wie viel das Finanzamt bekommt, hängt unter anderem vom Tag der Erstzulassung, der Antriebsart und vom CO2-Ausstoß ab. Meist fallen 300 bis 500 Euro für die Kfz-Steuer pro Jahr an.

Versicherung
Der Leasinggeber verlangt den Abschluss einer Vollkaskoversicherung, um den Leasinggegenstand zu versichern. Aus diesem Grund sind relativ hohe Kosten zu erwarten.

Die Versicherungsgesellschaften dürfen weitgehend frei kalkulieren. Vergleiche lohnen sich. In der Regel bewegen sich die Jahresprämien in einem Bereich von 700 bis 1.000 Euro.

Verschleiß / Wartung
Je neuer das Fahrzeug, umso geringer sind die Kosten für Reparaturen. Meist fallen nur Kosten für die vorgeschriebenen Inspektionen, Haupt- und Abgasuntersuchungen sowie den Austausch von Verschleißteilen an.

Bedingt durch die hohe Fahrleistung müssen Gründer eines Umzugsunternehmens 300 bis 400 Euro an Reparaturkosten im Jahr pro Fahrzeug einkalkulieren.

Tipp: Ein Full Service Leasing ist oft möglich. Dieses beinhaltet auf Wunsch auch alle anfallenden Reparaturkosten.

Versicherungen

Außer der Pflicht zur Krankenversicherung, die keine Betriebsausgabe darstellt, gibt es oft keine weiteren Pflichtversicherungen.

Wer seine Dienste mit einem Fahrzeug anbietet, das über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht aufweist, muss sich entsprechend der Vorschriften des Transportgewerbe absichern. Generell ist eine Betriebshaftpflicht immer anzuraten. Diese verursacht zwischen 90 und 200 Euro an Kosten im Monat.

Miete / Nebenkosten / Strom / Wasser / Telefon

Sofern das Umzugsunternehmen keine Lagerhaltung von Transportgut anbietet, fallen etwa 50 bis 100 Euro für Strom, Wasser und Telefon, neben den Kosten für die Miete an.

Marketing

Um sich im Markt zu behaupten, müssen Umzugsunternehmen regelmäßig Werbung machen. Selbstverständlich ist zu Beginn ein größerer Aufwand nötig als während des laufenden Betriebs.

Webseite
Potenzielle Kunden suchen nicht selten über Suchmaschinen nach einem Umzugsservice in ihrer Region. Eine eigene Homepage mit Suchmaschinenoptimierung ist unbedingt erforderlich. Diese ist die erste erreichbare Anlaufstelle im Netz. Hier sollte der Umzugsunternehmer über sein Leistungsspektrum informieren und auch die Möglichkeit bieten, dass Kunden ein individuelles Angebot anfordern können. Für die Pflege und Optimierung im regionalen Umkreis, sind kosten von 30 bis 100 Euro im Monat zu erwarten.

Werbung online
Neben der eigenen Homepage ist die Präsenz in Handwerkerportalen wie MyHammer unverzichtbar. Hier kann sich der Betrieb ausführlich präsentieren und das Leistungsspektrum angeben. Dank der guten Reichweite in den Suchmaschinen, wird der Betrieb im Umkreis von suchenden Kunden gut gefunden. Für die Mitgliedschaft in Handwerkerportalen sind 50 bis 100 Euro im Monat zu veranschlagen.

Werbung offline
Es lohnt, eine kleine Anzahl von Flyern zu drucken und Kontakte zu Möbelhäusern und Maklern zu knüpfen. Dort gibt es Kunden, für die der Transport von Möbeln wichtig ist.

Ansonsten sollten Umzugsunternehmen regelmäßig ihre Dienste auf Kleinanzeigenportalen anbieten und Annoncen in regionalen Tageszeitungen schalten Diese Position ist mit 100 bis 200 Euro im Monat einzukalkulieren.

Checkliste: Als Umzugsunternehmen selbständig machen

  • Sind die fachlichen Voraussetzungen erfüllt? (Genehmigung für Güterkraftverkehrsgesetz bei Transportfahrzeugen mit über 3,5 Tonnen)
  • Welche Dienste kann das Unternehmen anbieten?
  • Ist das Gründungskapital für den Start vorhanden? Businessplan erstellen, um Gründungszuschuss zu bekommen.
  • Gewerbeanmeldung erledigen – Gesamtgewicht der Fahrzeuge ist vorzulegen
  • Bei der IHK und der Berufsgenossenschaft melden
  • Eventuell Innungsmitgliedschaft beantragen
  • Transportfahrzeug anschaffen
  • Werbung für den Betrieb machen
  • Aufträge annehmen und Termine bei den Kunden planen
  • Beschaffung

    Günstige Fahrzeuge wie Leasingrücknahmen, Jahreswagen oder Vorführmodelle bieten viele Hersteller an. Auch Portale, die mit Gebrauchtwagen handeln, sind eine Option. Leasing ist fast immer möglich beispielsweise durch Sale – Lease – Back

    Spezialisierungen

    Einen kompletten Umzugsservice mit Verpackungsservice können sich nur wenige Kunden leisten. Gefragt sind daher Dienstleister, die in erster Linie den Transport anbieten. Im Idealfall sollten diese auch Küchen oder Möbel aufbauen können.

    Zertifizierungen
    Mit einer Zertifizierung ist es deutlich einfacher an größere Aufträge zu gelangen. Besonders Kunden, die mit wertvollem Hausrat umziehen und Firmen, achten darauf.

    Betriebe, die im Bundesverband der Möbelspedition und Logistik (AMÖ) oder einem der Landesverbände Mitglied sind, geben dem Kunden Sicherheit. Das Gütesiegel der Organisation ist das „rollende Känguru“. Derzeit haben rund 680 Umzugsfirmen das Recht dieses Siegel zu tragen.

    Eine Zertifizierung nach DIN ISO 9001 durch eine unabhängige Stelle wie dem TÜV ist ebenfalls möglich.


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