Handwerker, die sich als Tischler selbstständig machen wollen, sollten eine besondere Liebe und Begabung für die Holzbearbeitung mitbringen. Auch ist ein hohes Maß an Kreativität wichtig. Rechtliche Voraussetzungen sowie eine reelle Kostenkalkulation des Gründungsvorhabens sollten ebenfalls vorhanden sein.

Fachliche Voraussetzungen für die Existenzgründung als Tischler

Beim traditionellen Handwerk des Tischlers, regional auch Schreiner, handelt es sich um ein zulassungspflichtiges Handwerk gemäß HWO (Anlage A). Es gilt die Meisterpflicht in Deutschland. Es ist nicht unbedingt erforderlich selbst einen Meisterbrief zu haben. Der Gründer kann einen Meister in leitender Funktion anstellen, dies ist aber bei der Kalkulation der Kosten zu berücksichtigen. Außerdem besteht die Option der Altgesellenregelung nach Paragraf § 7a HWO nutzen.

Grundsätzlich ist ein Eintrag in die Handwerksrolle erforderlich, über den die zuständige Handwerkskammer entscheidet. Ausnahme: Wer lediglich Möbel entwerfen und in kleiner Stückzahl herstellen will, braucht meist keinen Meisterbrief. Er gilt in der Regel als Hersteller und muss nicht Mitglied der Handwerkskammer sein.

Da der Markt mit zum Teil billigsten Fertigerzeugnissen überflutet ist, kann kein Tischler vom Bau herkömmlicher Möbel, Türen und Fenster leben. Er muss sich mit seiner Leistung deutlich aus der Masse hervorheben und individuelle Anfertigungen bieten. Dies kann nur wer über hohe fachliche Kompetenz verfügt und diese kreativ umsetzt.

Die Konkurrenz- und Marktlage richtig einschätzen

Wer von der Arbeit in seinem eigenen Tischlereibetrieb leben möchte, muss von Anfang an eine geeignete Nische finden. Es ist sinnlos, mit Möbelhäusern konkurrieren zu wollen. Wer glaubt ein Produkt oder eine Dienstleistung anbieten zu können, bei dem er keine Konkurrenz von günstigeren Fertigprodukten fürchten muss, sollte recherchieren, ob nicht ein anderer Betrieb etwas Ähnliches bereits anbietet, denn in Deutschland teilen sich über 38.000 Tischlereibetriebe den engen Markt.

Das wichtigste ist, ein Alleinstellungsmerkmal zu finden. Die Maßanfertigung von hochwertigen Möbeln, die Restauration von antikem Mobiliar oder das Anpassen von Küchen sind Nischen, die erfolgversprechend sind. Auch die Innengestaltung von Jachten und Wohnmobilen könnte zukunftsträchtig sein, immer vorausgesetzt, dass der Schreiner in der Lage ist eine entsprechend hochwertige Arbeit zu erstellen.

Eine Spezialisierung auf bestimmte Kundenkreise ist ebenfalls eine Option. Der Betrieb stellt beispielsweise exklusiven Mobiliar für Privatpersonen her oder arbeitet mit einer Werft zusammen um Boote auszustatten. Für Tischler, die sich auf das Restaurieren verstehen, bietet sich die Zielgruppe der Museen und Kunstliebhaber an.

Bei der Wahl des Standorts ist zu berücksichtigen, dass eine Tischlerei einen relativ hohen Raumbedarf hat. Das Niederlassen in einer ländlichen Region, in der günstige Räume zu Verfügung stehen, ist eine Option für Betriebe, die Einzelstücke fertigen. Für diese ist auch wenig von Bedeutung, ob andere Tischlereien in der Nähe sind, da die Produkte meist in die gesamte EU geliefert werden.

Wer sich auf Montage beim Kunden spezialisiert oder Restaurationen sollte besser den Betrieb in räumliche Nähe zum Kunden gründen. Natürlich ist darauf zu achten, dass nur wenige Betriebe ähnliches anbieten in der Nähe sind.

Gründungskosten eines Tischlereibetriebs

Im Vergleich zu anderen Handwerksbetrieben ist der Kapitalbedarf für einen Tischlerei hoch. Dies ist der Notwendigkeit einen hochwertigen Maschinenpark und eine ausreichend große Werkstatt mit Lager zu nutzen, geschuldet. Je nach Ausstattung ist mit 20.000 bis 50.000 Euro für die reine Werkstattausrüstung zu rechnen.

Kosten für die wichtigsten Werkzeuge und Maschinen

Säge, Hobel und Werkbank reichen heute nicht mehr aus, um einen Tischlerbetrieb zu betreiben. Der Maschinenpark sollte aus einer Kreissäge, einer Bandsäge, einer Fräse und eine Hobelmaschine bestehen. Hierfür sind mindestens 15.000 Euro zu veranschlagen. Zusätzlich ist eine Lackieranlage nötig, die mit etwa 3.000 Euro zu Buche schlägt.

Im Idealfall schafft sich der Gründer ein CNC-Bearbeitungszentrum für 20.000 bis 50.000 Euro an, um exakte und hochwertige Arbeit bieten zu können.

Kosten für Lager, Büro- / Werkstattraum und Fahrzeuge

Da zu Beginn das Kaptal knapp ist, sollten Räume und Fahrzeuge gemietet beziehungsweise geleast werden. Ein Kleintransporter und ein Pkw reichen zunächst aus. Alles in allem ist damit zu rechnen, dass pro Monat etwa 3.000 Euro Fixkosten anfallen. Hinzu kommen noch die Kosten für die eigene Lebenshaltung.

Laufende Kosten

Die monatlichen Kosten hängen natürlich davon ab, ob Fahrzeuge, Räume und Werkzeuge gemietet oder gekauft werden. Ein wesentlicher Faktor ist, ob Mitarbeiter zu bezahlen sind.

Laufende Kosten im Detail

Sofern kein Personal nötig ist, sollten Neugründer mit 1.000 bis 1.500 Euro für die Raummiete rechnen, da der Tischler eine große Werkstatt mit Lager benötigt. Auch die Energiekosten für den Betrieb der Maschinen sind hoch.

Für Kundenkontakt und das Ausmessen reicht ein Pkw. Um beim Kunden etwas zu montieren oder Waren auszuliefern, sollte der Tischler einen Kleintransporter zur Verfügung haben. Für beide Fahrzeuge ist mit monatlich 1.000 Euro zu rechnen. In diesem Betrag sind die Kfz-Versicherung, das Leasing sowie die zu erwartenden Kraftstoffkosten enthalten.

Kammerbeiträge und Betriebsversicherungen sind mit zirka 500 Euro zu veranschlagen. Der Betrieb benötigt eine Betriebshaftpflicht und eine Inventarversicherung (Inhaltsversicherung). Auf letztere sollten Tischler nie verzichten, da die Betriebsausstattung sehr teuer ist.

Ferner sind Versicherungsbeiträge für die eigene soziale Absicherung im Krankheitsfall und im Alter zu zahlen. Hierfür sind mindestens 300 Euro zu veranschlagen.

Wichtig: Meist arbeitet der Betrieb im ersten Jahr nicht kostendeckend. Eine Reserve um sechs Monate ohne Umsatz zu überbrücken, erhöht die Sicherheit, dass die Existenzgründung glückt. Hierfür sollte ein Kapital in Höhe von 30.000 Euro zur Verfügung stehensowie Geld, um den eigenen Lebensunterhalt zu decken.

Beachtendwertes bei der Gründung einer Tischlerei

Die Handwerkskammern stehen Existenzgründern zur Seite, daher sollten sie schon früh Kontakt zu der Kammer aufnehmen. Mit dem Eintrag in die Handwerksrolle, ist der erste Schritt auf dem Weg zum eigenen Tischlerbetrieb erfolgt. Nun ist noch zwingend eine Gewerbeanmeldung nötig.

Das Gewerbeamt benachrichtigt das Finanzamt die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Handwerkskammer, das statistisches Landesamt, die Gewerbeaufsicht und die Rentenversicherung. Diese Behörden und Institutionen melden sich beim Gewerbetreibenden um weitere Angaben einzufordern.

Mit der Anmeldung des Gewerbes ist der Betrieb Mitglied in den Kammern. Eine Mitgliedschaft in einer Innung ist nicht Pflicht, aber sinnvoll. Der Inhaber des Betriebs muss die Krankenversicherung über die Gründung informieren. Außerdem sollte er freiwillig Mitglied der Berufsgenossenschaft Holz und Metall werden.

Innungen und Fachverbände des Tischlerhandwerks

Der Bundesverband Holz und Kunststoff ist der Bundesinnungsverband für Tischler/Schreiner, Drechsler und Baufertigteilmonteure. Er vertritt die Interessen der Branche und bietet Vergünstigungen bei Einkäufen. Ferner sind über den Verband Präqualifkationen, die oft nötig sind, um öffentliche Aufträge zu bekommen, vergünstigt.

Von den 38.000 Tischlereien in Deutschland sind etwa 18.000 Mitglied in einer Innung. Im Bundesverband sind 14 Landesverbände organisiert, die sich zum Teil noch einmal in Regionale Innungen unterteilen. Folgende Landesverbände für Tischler gibt es:

  • Schreiner Baden
  • Wirtschaftsverband holz- und kunststoffverarbeitendes Handwerk e. V, Landesfachverband Schreinerhandwerk Baden-Württemberg
  • Fachverband Schreinerhandwerk Bayern, Landesinnungsverband des bayerischen Schreinerhandwerks
  • Tischler-Innung Berlin
  • Fachverband Tischler Brandenburg
  • Fachverband Leben Raum Gestaltung Hessen/Rheinland-Pfalz
  • Landesinnungsverband für das Tischlerhandwerk im Fachverband Leben Raum Gestaltung Hessen/Rheinland-Pfalz
  • Verband des Tischlerhandwerks Niedersachsen/Bremen, Landesinnungsverband
  • Fachverband Tischler Nord, Landesinnungsverband des Tischlerhandwerks Hamburg/Schleswig-Holstein
  • Fachverband des Tischlerhandwerks Nordrhein-Westfalen
  • Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar e. V., Landesinnung für das Schreinerhandwerk Saar
  • Tischler Mecklenburg-Vorpommern, Landgesinnungsverbands des Tischlerhandwerks
  • Fachverband Tischler Sachsen, Landesinnungsverband des Tischlerhandwerks im Freistaat Sachsen
  • Tischler Sachsen-Anhalt, Landesinnungsverband des Tischlerhandwerks
  • Tischlerverband Thüringen e. V.

Allgemeines zur Gründung und Finanzierung eines Tischlereibetriebs

Als Erstes sollten Tischler, die sich selbständig machen wollen, überlegen, welche Nischen Sie mit dem Betrieb bedienen wollen und ob sich daraus ein ausreichendes Einkommen erzielen lässt. Als Nächstes sind die rechtlichen Voraussetzungen zu klären, also ob ein der Eintrag in die Handwerksrolle möglich ist.

Businessplan erstellen

Nun ist es an der Zeit einen Businessplan aufzustellen, also nachvollziehbar darzulegen über welchen Kundenkreis Umsätze, in welcher Höhe zu erzielen sind. Dazu gehört auch das Startkapital und die laufenden Kosten zu kalkulieren.In dieser Phase schaut der Handwerker bereits nach geeigneten Räumlichkeiten und schließt eventuell auch schon einen Vorvertrag ab. Zu berücksichtigen sind:

  • Überblicke über die fachlichen und kaufmännischen Kenntnisse und Fähigkeiten einen Betrieb zu führen.
  • Genaue Definition der Geschäftsidee und der Ziele, beispielsweise Maßanfertigung von Schränken.
  • Die Wahl des Standorts und dessen Vorzüge, beispielsweise günstiger Raum und großes Kundenpotential vorhanden.
  • Vermarktung und Vertrieb organisieren (wie erfährt der Kunde vom Produkt, wie kommt das Produkt zum Kunden).
  • Wie hebt sich das eigene Angebot von dem anderer Tischlereien ab?
  • Bedarf an Maschinen, Werkzeugen und Material erfassen. Eventuell müssen zunächst Musterstücke gefertigt werden.
  • Erstellen eines Finanzplans, mit Kapitalbedarf, Eigenkapital und Finanzierung.
  • Die Handwerkskammer hilft bei der Erstellung des Businessplans und vermittelt Fachleute, die diesen erstellen.

    Kredit bei der Bank beantragen

    Um bei der Bank einen Kredit für die Existenzgründung zu bekommen sind in der Regel Eigenkapital und der Busenessplan erforderlich. Hilfreich ist, wenn dieser von einem Wirtschaftsprüfer stammt. Die Band informiert auch über verschiedene Förderprogramme.

    Start in die Selbständigkeit

    Sobald die Finanzierung können Verträge über den Kauf oder die Miete von Räumen, Fahrzeugen sowie Werkzeugen abgeschlossen werden. Nun erfolgt auch der Eintrag des Betriebs in die Handwerksrolle und die Gewerbeanmeldung. Damit ist der Tischlereibetrieb gegründet.

    Die ersten Aufträge

    Jetzt heißt es, die Theorie in die Praxis umzusetzen und Aufträge an Land zu ziehen. Dabei ist es wichtig das Augenmaß nicht zu verlieren. Sowohl die Werbung als auch Reaktionen auf Ausschreibungen müssen sich an dem orientieren, was der Betrieb leisten kann.

    Wer sich auf den Bau von Möbeln oder Restaurationen spezialisiert, sollte einige Stücke bauen oder renaturieren und die Arbeit von einem guten Fotografen dokumentieren lassen. Die Bilder sind Basis für Prospekte und die Homepage.


    Titelbild Copyright: MyHammer