Die Steuererklärung

Der Existenzgründer ist nicht nur dafür verantwortlich seine eigenen Steuern dem Finanzamt zu melden, er muss auch die Steuern seiner Angestellten an die Behörde zahlen. Ohne die Hilfe eines Steuerberaters ist dies nicht zu bewältigen.

unterschiedliche Steuerarten

Handwerksbetriebe können zur Abgabe von Lohnsteuer, Gewerbeertragssteuer, Einkommenssteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer verpflichtet sein. Welche Steuern im Einzelfall relevant sind, hängt vom Einzelfall ab.

Lohnsteuer
Fällt nur an, wenn im Betrieb abhängig Beschäftigte tätig sind, die nicht auf Basis eines Minijobs tätig sind (für geringfügig Beschäftigte sind maximale Entgelte und Abseitszeiten vorgeschrieben. Sie sind der Mini-Jobzentrale zu melden).

Der Betrieb muss die Lohnsteuer bei jeder Lohnzahlung einbehalten, eine Lohnsteuer-Anmeldung an das Finanzamt senden und den Betrag an dieses abführen.

Gewerbesteuer
Wird auf den Gewerbeertrag erhoben. Dieser errechnet sich aus dem Gewinn und wird um Zinsen für Schulden, Rentenzahlungen, Gewinnanteile stiller Gesellschafter, 20 Prozent der Mieten, Pachten und Leasingraten für bewegliche Anlagegüter, 50 Prozent der Mieten, Pachten und Leasingraten für unbewegliche Anlagegüter und 25 Prozent der Entgelte für Rechteüberlassungen, Konzessionen und Lizenzen erhöht.

Im Gegenzug sind 1,2 Prozent des Einheitswerts des zum Betriebsvermögen gehörenden Grundbesitzes, Gewinnanteile aus einer ausländischen oder inländischen Mitunternehmerschaft, Dividenden einer inländischen Kapitalgesellschaft, der Gewerbeertrag einer ausländischen Betriebsstätte, Zuwendungen zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke, Dividenden einer ausländischen Kapitalgesellschaft abzuziehen.

Einkommensteuer
Zählt nicht zur Betriebssteuer. Sie besteuert die Einnahmen, die Inhaber aus dem Betrieb beziehen. Jeder Selbstständige ist verpflichtet eine entsprechende Steuererklärung abzugeben.

Körperschaftssteuer
Fällt nur bei Kapitalgesellschaften (Link zu Firmengründung) an. Sie basiert auf den Einkünften der Gesellschaft.

Umsatzsteuer
Wird auf die Umsätze, nicht auf den Gewinn erhoben. Je nach Umsatz können Betriebe sich von dieser Steuer befreien lassen (Kleinunternehmerregelung).

Mit oder ohne Umsatzsteuer?

Nach Paragraf § 19 UStG kann ein Betrieb beim Finanzamt den Antrag stellen, keine Umsatzsteuer abführen zu müssen. Dies geschieht im Rahmen der Anmeldung beim Finanzamt. Eine Befreiung ist möglich, wenn im Gründungsjahr voraussichtlich ein Umsatz (inklusive Mehrwertsteuer) von 17.500 Euro nicht überschritten wird. Sobald der Umsatz diesen Betrag übersteigt, ist ab dem Folgejahr Umsatzsteuer zu entrichten.

Wichtig: Das Finanzamt rechnet den im Gründungsjahr zu erwartenden Umsatz auf das ganze Jahr um. Wer den Betrieb beispielsweise zum ersten November anmeldet und einen Umsatz von 5.000 Euro angibt, meldet einen Jahresumsatz von 30.000 Euro.

Die sogenannte Kleinunternehmerregelung vereinfacht die Buchhaltung und erspart die Umsatzsteuererklärung und Umsatzsteuervorauszahlungen. Aber der Betrieb kann die Vorsteuer nicht abziehen. Diese ist im Gründungsjahr bedingt durch die hohen Investitionen bei der Existenzgründung oft sehr hoch.

Wer sich für die Option entscheidet Umsatzsteuer zu zahlen, muss diese gesondert erheben. Die auf den Eingangsrechnungen vermerkte Mehrwertsteuer ist für den Betrieb Vorsteuer, die er von der erhobenen Mehrwertsteuer anziehen darf. Je nach Höhe der zu erwartenden Umsatzsteuer sind monatlich oder Quartalsweise sogenannte Umsatzsteuervoranmeldungen abzugeben und die darin errechnete Umsatzsteuer abzuführen.

Vorsteuer

Wer verpflichtet ist Umsatzsteuer zu zahlen, hat das Recht die in Eingangsrechnungen erhobene Mehrwertsteuer als Vorsteuer abzuziehen. Dabei sind bestimmte Regeln zu beachten.

Prüfen, was als Vorsteuer gilt

Die Rechnung muss eine Lieferung oder Dienstleistung betreffen, die den Betriebszweck gilt. Dies muss eindeutig aus der Rechnung hervorgehen.

Beispiel: Ein Elektriker setzt zwei Steckdosen in einem Haus, in dem sich sowohl die Wohnung als auch der Betrieb des Inhabers befindet. Aus der Rechnung muss hervorgehen, in welchen Räumen die Dosen sind.

Generell ist zu prüfen, ob die Rechnung demP aragrafen § 14 Abs. 4 UStG entspricht.

Verrechnung der Vorsteuer

Für den jeweiligen Abrechnungszeitraum sind die Mehrwertsteuer der Ausgangsrechnungen und die Mehrwertwertsteuer der Eingangsrechnungen (Vorsteuer) getrennt zu erfassen und zu addieren. Die abzuführende Umsatzsteuer errechnet sich aus der Differenz der beiden Summen.

Wenn die Vorsteuer die eingenommene Mehrwertsteuer übertrifft, bekommt der Betrieb eine Erstattung vom Finanzamt. Im umgekehrten Fall muss er die errechnete Umsatzsteuer an diese abführen.

Wenn auf einer Rechnung die Mehrwertsteuer nicht als Betrag, sondern als Prozentzahl ausgewiesen ist, errechnet sich die nach der folgenden Formel:

Bruttobetrag : (1 + Prozentsatz/100) x (Prozentsatz/100)

Beispiel: 107 € : 1,07) x 0,07

Vereinbarte und vereinnahmte Entgelte

Bei der Soll-Besteuerung richtet sich die Höhe der Mehrwertsteuer nach den auf den Rechnungen ausgewiesenen Beträgen, unabhängig davon, ob der Kunde die Rechnung bezahlt hat.

Die Ist-Besteuerung ist für Existenzgründer günstiger, denn bei dieser ist der tatsächliche Zahlungseingang ausschlaggebend.

Buchhaltung

Existenzgründer sollten zusammen mit einem Steuerberater über die Buchhaltung entscheiden. Viele Berater übernehmen gegen Entgelt auch die komplette Buchführung oder nennen ein geeignetes Buchführungsprogramm.

Wichtige Entscheidungen, die zu treffen sind

Sofern der Handwerksbetrieb nicht im Handelsregister eingetragen ist, der Umsatz unter 500.000 Euro liegt und der Gewinn 50.000 Euro nicht übersteigt, genügt eine Einnahmen-Überschussrechnung. Dies trifft auf die meisten Existenzgründer zu, die ein Einzelunternehmen oder eine GbR (Link zu Unternehmensform) gründen. Bei anderen Rechtsformen beziehungsweise, wenn die genannten Grenzen überschritten werden, besteht eine Pflicht zur Bilanzierung mit doppelter Buchführung.

Wer sich für die Einnahmen-Überschussrechnung entscheidet erfasst nur die Zahlungseingänge und die Zahlungsausgänge und ordnet sie den entsprechenden Rechnungen als Beleg zu. Der Gewinn errechnet sich aus Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben.

Wenn Pflicht zur Mehrwertsteuerzahlung besteht, sind die Zahlungseingänge netto und die Steuern getrennt zu erfassen. In dem Fall lautet die Formel für die Gewinnermittlung:

Nettoeinnahmen plus Mehrwertsteuer minus Bruttoausgaben gleich Gewinn.

Falls eine doppelte Buchführung erfolgt, ist zu Beginn der Tätigkeit eine Inventur durchzuführen und eine Eröffnungsbilanz zu erstellen. Am Ende jedes Geschäftsjahrs erfolgt eine erneute Inventur, um die Schlussbilanz zu erstellen. Während des Jahres sind alle Wareneingänge und Warenausgänge sowie alle Zahlungsvorgänge zu erfassen. Es besteht ferner die Pflicht, eine Kasse und ein Kassenbuch zu führen.

Wenn im Jahr der Gründung der Umsatz 250.000 Euro kann der Betrieb die Ist-Besteuerung beantragen.

Belege und digitale Rechnungen

Alle Eingangs- und Ausgangsrechnungen sind getrennt chronologisch abzuheften und mit einer Nummer zu versehen, die den jeweiligen Buchungen zuzuordnen sind.

Der Inhalt digitaler Rechnungen muss die gleichen Bedingungen erfüllen wie alle Rechnungen. Sie sind nicht auszudrucken, sondern elektronisch im Eingangsformat auf einem nicht veränderbaren Datenträger zu speichern.

Alle Belege sind zehn Jahre aufzubewahren und müssen lesbar sein.


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