Der Alltag wird immer IT-lastiger, Surfen, Spielen, Einkaufen und Buchen ist heutzutage online möglich. Dabei machen softwarebasierte Prozesse den Alltag leichter, nicht nur wenn man an die Möglichkeiten von SmartHome denkt.

Der Bedarf an professionellen Dienstleistungen ist groß. Wer sich als Programmierer selbständig machen möchte, kann mit dem nötigen Expertenwissen lukrative Aufträge an Land ziehen. Gründer haben daher gute Chancen sich in dieser Sparte der IT-Branche, selbstständig zu machen, da die Nachfrage nach guten Programmierern stetig steigt.

Die Konkurrenz- und Marktlage richtig einschätzen

Um die eigenen Marktchancen auszuloten, müssen Gründer sich mit dem Angebot der Konkurrenz befassen. Die meisten Programmierer bieten funktionsfähige Webanwendungen vom Frontend bis Backend an. Nur wenige Entwickler beherrschen das Programmieren von Anwendungen für mobile Endgeräte. Zu bedenken ist aber auch, dass eine größere Nachfrage nach Allroundern besteht.

Genaue Markt- und Konkurrenzanalysen sind daher wichtig. Auch kommt es darauf an, welche Programmiersprachen der Gründer beherrscht. Das Studium von Stellenangeboten ist sehr nützlich. Programmierer, die in diesen gesucht werden, fehlen auch auf dem freien Markt.

Fachliche Voraussetzungen für eine Existenzgründung als Programmierer

Aus rechtlicher Sicht kann sich jeder als Programmierer selbstständig machen. Der übliche Weg ist, eine Leistungsbeschreibung zu erstellen und sich beim örtlichen Finanzamt zu melden. Dieses entscheidet, ob nach Paragraf § 18 des Einkommensteuergesetzes eine selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit vorliegt.

Softwareentwickler mit Studienabschluss oder solche, die künstlerische Leistungen anbietet, stufen die Finanzämter eher als Freiberufler ein, als Gründer mit anderem Background. Wenn die Behörde den Status als Freiberufler nicht anerkennt, ist eine Gewerbeanmeldung nötig. Auch das Gewerbeamt verlangt keinen Qualifikationsnachweis.

Umfassende Kenntnisse und eine fundierte Ausbildung sind wichtig
Eine fundierte Ausbildung und umfassende Kenntnisse sind natürlich wichtig, um als Programmierer erfolgreich zu sein. Eine dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker oder ein Studium der Informatik ist von Vorteil. Zu bedenken ist auch, dass eine fachlich fundierte Ausbildung höhere Honorare erlaubt.

Eine stetige Weiterbildung des Programmierers ist Pflicht. Sie müssen die Trends der Zeit erkennen können, denn gerade die Internettechnologie ist sehr schnelllebig, sodass sich Programmierer nicht ewig auf dem immer selben Leistungsspektrum ausruhen können. Innovative Leistungen bringen Kunden und heben den Programmierer von der Konkurrenz ab.

Mindestens zwei bis drei Programmiersprachen sollten beherrscht werden
Generell sollten Programmierer zwei bis drei Programmiersprachen wie HTML, CSS, Javascript, C++, PHP oder Ajax beherrschen. Auch Kenntnisse im Bereich Datenbanken, agilem Softwareprojektmanagement (SCRUM) und sehr gute Englischkenntnisse sind wichtig. Es interessiert aber oft wenig, woher diese Kenntnisse stammen.

Je mehr Programmiersprachen der Programmierer beherrscht, desto flexibler kann er auf Kundenwünsche reagieren. Ist der Programmierer erfahren, hat er auch keine Probleme damit, sich schnell einzuarbeiten. Er ist in der Lage mit einem Blick auf das Projekt die für die Kundenziele bestmögliche Lösung zu wählen.

Gründungskosten für die Selbständigkeit als Programmierer

Wie jeder Gründer sollte auch ein Programmierer einen Businessplan erstellen. Dieser fasst die fachliche Qualifikation, kaufmännische Kenntnisse und die Marktlage zusammen.

Letztendlich gibt der Businessplan Auskunft über die Chancen des Betriebs und den erforderlichen Kapitalbedarf. Er ist außerdem Grundlage, um Kredite und Fördermittel zu bekommen.

Kosten für die Grundausstattung

Programmierer kommen mit einem Startkapital von 10.000 bis 20.000 Euro meist aus. Die Summe reicht, um auch die Kosten für etwa sechs Monate ohne Einnahmen zu überbrücken.

Fahrzeug

Das Finanzamt erkennt die Notwendigkeit eines Firmenwagens meist nicht an. Im Einzelfall müssen Gründer genau darlegen, warum sie ein Fahrzeug zur Ausübung der Tätigkeit benötigen.

Programmierer arbeiten fast ausschließlich in den eigenen Räumen und müssen nur selten zu einem Kunden. Für diese Fahrten reichen öffentliche Verkehrsmittel oder der Privatwagen.

Büro und Arbeitsausstattung

Eine ruhige Ecke in der eigenen Wohnung reicht für den Anfang als Arbeitsplatz aus. Neben einem Schreibtisch benötigt der Programmierer Telefon, Computer und Software. Für alles zusammen sind etwa 3.000 bis 4.000 Euro zu veranschlagen.

Geschäftsausstattung: Briefpapier, Logo und Visitenkarten

Für ein seriöses auftreten sind ein gut gestaltetes Geschäftspapier und Visitenkarten mit Logo wichtig. Programmierer sollte mindestens 500 Euro für einen Grafiker oder Webdesigner ausgeben, um eine Grundausstattung aus einer Hand zu bekommen, die das Auftreten des Unternehmens nach außen stärkt.

Laufende Kosten

Da weder ein Auto noch Geschäftsräume zu unterhalten sind, fallen recht geringe monatliche Kosten an. Lediglich für das Marketing ist einiges an finanziellen Mitteln aufzubringen.

Mitgliedschaften

Je nach Angebot gelten für Programmierer unterschiedliche Regelungen. Es kommt darauf an, ob es sich um eine künstlerische Tätigkeit handelt oder ob eine Gewerbeanmeldung nötig ist.

Freiberufliche Tätigkeit (keine Gewerbeanmeldung)
Freiberufler müssen keiner Kammer beitreten. Neben der Meldung beim Finanzamt müssen sie sich nur bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) anmelden. Als Kleinunternehmer kann ein Mindestbeitrag in Höhe von 50 Euro im Jahr anfallen.

Freiberufliche künstlerische Tätigkeit (keine Gewerbeanmeldung)
Auch bei dieser Konstellation muss sich der Programmierer bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) anmelden.

Ferner ist er nach § 1 Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) verpflichtet den Betrieb sich bei der Künstlersozialversicherung zu melden. Diese prüft, ob eine künstlerische Tätigkeit, die dem Erwerb dient, vorliegt.

Die Kasse zieht von den Künstlern und den Kunden Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung ein. Diese betragen 18,6 Prozent des Einkommens für die Rentenversicherung, 14,6 Prozent für die Krankenkasse und 3,05 beziehungsweise 3,3 Prozent für die Pflegeversicherung. Der Programmierer muss nur etwa die Hälfte zahlen, den Rest übernehmen die Auftraggeber (Stand: 2019).

Gewerbeanmeldung
Wenn das Finanzamt die Tätigkeit nicht als freiberuflich einstuft, muss der Programmierer ein Gewerbe anmelden und Mitglied der IHK werden. Diese erhebt bis zu einem Gewinn von unter 25.000 Euro meist 30 bis 50 Euro im Jahr. Hinzukommt der Mindestbeitrag für die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG).

Fachverband
Programmierer können sich beispielsweise im Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi e.V.) oder Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. organisieren. Je nach Ausrichtung kann auch eine Mitgliedschaft im „VDMA Software und Digitalisierung“ interessant sein, der sich mit digitalen Lösungen im Maschinenbau befasst.

Fahrzeug

Natürlich fallen auch für Firmen Fahrzeugkosten an, die kein Firmenfahrzeug besitzen. Gemäß dem BRKG (Bundesreisekostengesetz) dürfen sie je Fahrtkilometer 30 Cent für Fahrten mit einem Kraftwagen absetzen.

Versicherungen

Generell benötigen Programmierer eine Haftpflichtversicherung, die auch Schäden an der Software und Hardware der Kunden abdeckt. Niemand kann sicher sein, dass ein Programm keinen Schaden anrichtet.

Die monatlichen Kosten für den Versicherungsschutz betragen etwa 30 bis 60 Euro.

Miete / Nebenkosten / Strom / Wasser / Telefon

Programmierer müssen monatlich mit etwa 300 bis 400 Euro für Strom und Telefon rechnen. Der lange Betrieb eines leistungsstarken PCs verursacht einen hohen Verbrauch an Strom.

Marketing

Obwohl Programmierer sehr viel über und im Internet arbeiten, dürfen sie andere Marketingmaßnahmen nicht übersehen. Eine gute und ausgewogene Strategie führt zum Erfolg.

Webseite
Eigentlich versteht es sich von selbst, dass ein erfahrener Programmierer seine Homepage selbst gestaltet und damit gleichzeitig Werbung für sich selbst macht. Potentielle Kunden sollten an der Webseite erkennen können, warum sie gerade die Dienste dieses Programmierers in Anspruch nehmen sollten.

Auf der Webseite lassen sich erfolgreich umgesetzte Projekte imagewirksam darlegen und das möglichst breitgefächerte Leistungsspektrum des Programmierers sollte auf der Webseite ebenfalls leicht auffindbar sein.

Die Suchmaschinenoptimierung der Seite ist Pflicht, um die Sichtbarkeit gezielt zu erhöhen.

Werbung online
Netzwerke wie Xing oder Linkedin müssen Programmierer konsequent nutzen, um Kontakte aufzubauen. Die Anmeldung ist in den Basiseinstellungen kostenlos.

Daneben ist auch eine Anmeldung auf Handwerkerportalen wie MyHammer sinnvoll, um auf allen professionellen Wegen potentielle Kunden zu erreichen. Dank der guten Reichweite, die MyHammer in den Suchmaschinen bietet, wird der Programmierer von Neukunden gefunden und kann sich außerdem auf Ausschreibungen bewerben sowie direkt von Kunden angeschrieben werden. Eine monatliche Gebühr von etwa 20 Euro ist hierfür fällig sowie eine kleine Provision pro angenommenen Auftrag.

Werbung offline
Auch eine direkte Ansprache von Firmen kann sinnvoll sein. Hier ist es wichtig, ein konkretes Problem zu kennen und eine Lösung parat zu haben. Das öffnet Türen. Für Visitenkarten sind etwa 50 Euro im Monat einzuplanen.

Checkliste: Als Programmierer selbständig machen

  1. Welche Qualifikationen liegen vor?
  2. Welche Alleinstellungsmerkmale resultieren daraus?
  3. Businessplan erstellen, um erforderliches Gründungskapital zu ermitteln
  4. Eventuell Gründungszuschuss und Darlehen beantragen
  5. Beim Finanzamt melden, um Steuernummer zu erhalten
  6. Prüfen lassen, ob Gewerbeanmeldung nötig ist und sich eventuell anmelden
  7. Bei der Berufsgenossenschaft melden
  8. Bei künstlerischer Tätigkeit Antrag bei der Künstlersozialkasse stellen
  9. Wenn gewünscht, Mitglied in einem Fachverband werden
  10. Netzwerke im Internet aufbauen
  11. Betriebshaftpflicht abschließen
  12. Computer und Software kaufen
  13. Werbung für den Betrieb machen
  14. Aufträge annehmen und Termine bei den Kunden planen

Spezialisierungen

Das Entwickeln von Software ist ein zu großes Gebiet. Niemand kann alles. Aus diesem Grund ist eine frühzeitige Spezialisierung wichtig. Wer Software für betriebswirtschaftliche Auswertungen entwickelt muss andere Programmiersprachen beherrschen als Programmierer, die Steuerprogramme für Maschinen schreiben.

Zertifizierungen
Die erwähnten Fachverbände bieten Schulungen an und zertifizieren in der Regel sowohl Programme als auch Unternehmen. Da die Entwicklungen rasant fortschreiten sind aktuelle Zertifikate wichtig. Diese haben eine größere Bedeutung als Studienabschlüsse oder andere weit zurückliegende Zeugnisse.


Bildnachweis Titelbild: © geralt / Pixabay