Wer sich als Maler selbständig machen möchte, muss neben fachlichen Fähigkeiten beim Verschönern und Haltbarmachen von Oberflächen, auch geschäftliche Kenntnisse haben.

Fachliche Voraussetzungen für die Existenzgründung als Maler

Beim Malerhandwerk handelt es sich um ein zulassungspflichtiges Handwerk (Anlage A der HWO). Die Qualifikation zur Gründung eines Malerbetriebes muss durch eine bestandene Meisterprüfung nachgewiesen werden.
Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind keine Pflicht, aber zu empfehlen. Neben den handwerklichen Tätigkeiten, wird auch Büroarbeit auf den Existenzgründer zukommen. Neben dem Schreiben von Rechnungen fallen Jahresabrechnungen und die Bestellung von Arbeitsmaterial an.

Malerbetrieb ohne Meistertitel gründen

Auch ohne Meisterbrief ist es möglich, einen Malerbetrieb zu gründen. Entweder wird ein Betriebsleiter mit Meisterbrief angestellt oder es greift die Altgesellenregelung.

Was muss ein Malerbetrieb leisten können?

Der heutige Maler ist mehr als nur ein Anstreicher. Ein breites Leistungsspektrum ist wichtig, um konkurrenzfähig zu sein. Ein Maler hat sowohl mit großen Unternehmen als auch mit Privatpersonen zu tun, eine gute Kommunikationsfähigkeit sollte deshalb ebenfalls vorhanden sein.

In Deutschland gibt es laut Statista fast 42.000 Malerunternehmen. Neben den klassischen Malerarbeiten wie dem Streichen und Tapezieren, gewinnen die Bereiche Wärmedämmung und Fassadenschutz immer mehr an Bedeutung. Eine Spezialisierung auf bestimmte Bereiche des Malerhandwerks kann hilfreich sein, um Fuß zu fassen. Spezialisierungen können beispielsweise auf den folgenden Gebieten stattfinden:

  • Vorbereitung des Malgrundes und dessen Konservierung
  • Farbliche Gestaltung verschiedener Oberflächen
  • Entwurf eine malerischen Gesamtkonzepts oder Designs
  • Spezialisierungen auf Fassade oder Neubau

Wer spezielle Arbeitstechniken beherrscht, die außergewöhnliche Ergebnisse erzielen, wird sich bei der Kundenakquise auf alle Fälle leichter tun.

Die Marktlage und Konkurrenzsituation richtig einschätzen

Gerade für kleinere Malerbetriebe ist die richtige Standortwahl ein wichtiger Faktor bei der Existenzgründung, denn Kunden sind im direkten lokalen Umfeld zu gewinnen. Deshalb ist hier eine genaue Analyse wichtig.

  • Sinnvoll ist, den Zustand der Häuser in der Umgebung zu begutachten, wie viel Potential für zukünftige Aufträge ist gegeben?
  • Wie groß ist der Einzugsbereich potentieller Kunden.
  • Wie viele Maler- und Lackierbetriebe gibt es in der Umgebung?
  • Gibt es große Bauprojekte in der Region?
  • Welche Dienstleistungen bieten die Konkurrenten an und zu welchen Preisen?
  • Wie viel Personal beschäftigen konkurrierende Malerfirmen?
  • Lohnt sich eine Spezialisierung und wenn ja, auf welchem Gebiet?
  • Was ist das Alleinstellungsmerkmal des Betriebes?

Standort und Form des Betriebes abwägen

Es gilt zu hinterfragen, ob der Hauptarbeitsplatz vor allem auf großen Baustellen stattfinden als Subunternehmer stattfinden soll oder ob bevorzugt für Privatkunden gearbeitet wird. Ein Subunternehmer braucht eine gewisse Mindestgröße für sein Unternehmen, wenn er auch größere Aufträge in einem vorgegebenen Zeitraum erledigen möchte.

Gründungskosten einer Malerfirma

Die Gründungskosten hängen stark von der geplanten Größe des Malerbetriebes und der Rechtsform des Unternehmens ab. Für die Gründung sollte mit mindestens 15.000 Euro gerechnet werden, ohne die Kosten des Meisterbriefes.

Bei der Existenzgründung ist eine ausreichende Liquidität von großem Vorteil. Neben der Beschaffung von Werkzeug und Fahrzeug, muss der Maler meistens in Vorleistung bei Aufträgen treten. Es dauert mindestens vier Monate, bis die eingehenden Zahlungen der Kunden ausreichen, um die laufenden Kosten zu decken.

Es lohnt sich bei der Kalkulation des Malerbetriebs auch über folgende Punkte nachzudenken:

  • Welche Preise können angeboten werden, welche Umlage ist zu kalkulieren und wo muss man darauf achten, dass es kein Verlustgeschäft wird?
  • Welche Kosten fallen für die Mitarbeiter an?
  • Was kostet eine Mitarbeiterstunde und wie kann das mit dem Kunden verrechnet werden?
  • Welche Mindestkosten müssen getragen werden, wenn es gerade keine Aufträge gibt?

Kostenpunkte bei der Gründung eines Malerbetriebs sind außerdem die Kosten für Ämter, die Ausstattungskosten für Büro-, Lager und Ausrüstung wie Arbeitskleidung, Leitern, Walzen, Rolle, Folie und Sprühgeräte. Eventuell kommen noch Beratungskosten hinzu.

Kosten für die wichtigsten Malerwerkzeuge

Die Werkzeugliste eines Malers ist recht überschaubar für den Anfang. Es handelt sich um Werkzeugkosten von etwa 550 Euro, die bei der Gründung investiert werden sollten. Ein Malerkoffer mit Grundausstattung ist für den Anfang ist das ausreichend. Dieser kostet knapp 500 Euro. Hinzukommen die Kosten für Abdeckfolie und Malerkrepp.
Zu den unverzichtbaren Werkzeugen eines Malers zählen:

  • Verschiedene Pinsel für unterschiedliche Oberflächen
  • Farbroller und Farbwalzen in unterschiedlichen Größen
  • Drahtbürste zum Reinigen bestimmter Oberflächen und Schmutz
  • Arbeitskleidung und Abdeckfolien
  • Malerbürste und Quaste zum Tapezieren
  • Eimer und Abstreifgitter
  • Pinselschutz, um verklebte und eingetrocknete Pinsel zu reinigen

Kosten für Lager, Büro- / Werkstattraum und Fahrzeug

Der größte Kostenfaktor bei der Gründung ist sicherlich das Fahrzeug, das zwingend notwendig ist, da ausschließlich außer Haus gearbeitet wird. Bei kleineren Existenzgründern reicht am Anfang oftmals ein Anhänger aus, um das Werkzeug und Material zu transportieren. Ein gebrauchter Anhänger ist ab etwa 1.000 Euro zu bekommen, für ein Handwerkerfahrzeug sind Kosten von mindestens 18.000 Euro zu kalkulieren. Es lohnt sich für den Anfang, auch gebrauchte Fahrzeuge in Betracht zu ziehen.
Da ein Maler eigentlich immer beim Kunden arbeitet, kann er für den Anfang auf eine Werkstatt verzichten, ein Büroraum zur Annahme von Kundenaufträgen und Schreiben von Rechnungen sollte aber vorhanden sein, ebenso wie ein kleines Lager wo die wichtigsten Materialen wie Abdeckmaterial und nicht benötigtes Werkzeug gelagert werden können.

Laufende Kosten

Die laufenden Kosten eines Malerbetriebes sind bei der Gründungskalkulation ebenfalls zu beachten, denn oft können diese in den Anfangsmonaten noch nicht durch die Umsätze gedeckt werden. Auf der sicheren ist, wer mit etwa 1.500 Euro pro Monat für den Anfang rechnet. Es kommt hier aber immer auf sehr verschiedene Faktoren an, weshalb sich die laufenden Kosten nur an der individuellen Gründungssituation festmachen lassen.

Laufende Kosten im Detail

Laufende Kosten eines Malers sind die Miete des Büros beziehungsweise des Werkstattraumes, Kosten für Versicherungen wie Gewerbe, Betriebshaftpflicht und Sozialversicherungen, steuerliche Abgaben, Benzinkosten, Lohnkosten, wenn es Angestellte im Betrieb gibt und der Beitrag für die Handwerkskammer, deren Grundbeitrag pro Jahr zwischen 100 und 300 Euro liegt. Für die wichtigsten Versicherungen fallen etwa 30 Euro pro Monat an.

Beachtenswertes

Es ist erforderlich, dass ein Gewerbe angemeldet wird. Das Gewerbeamt informiert dann automatisch das zuständige Finanzamt, die Berufsgenossenschaft und das statistische Landesamt über die Betriebsgründung.
Die Mitgliedschaft in einer Innung ist keine Pflicht, aber ratsam für den Malerbetrieb, sie ist die erste Anlaufstelle, wenn es Fragen oder Probleme gibt.
Über die Rechtsform des Unternehmens (Link zu Unternehmen gründen) sollte man sich vor der Gründung rechtzeitig Gedanken machen.

Innungen und Fachverbände des Malerhandwerks

Der Bundesverband Farbe Gestaltung und Bautenschutz ist der Bundesverband des Maler- und Lackiererhandwerks. Er vertritt die Interessen von etwa 42.000 Unternehmen im Bereich Maler- und Lackiererhandwerk. Dem Bundesverband gehören 17 Landesverbände mit 389 Innungen an.
Bei den Zentralfachverbänden wie dem Bundesverband Farbe Gestaltung und Bautenschutz, handelt es sich um die Dachorganisationen der Innungen. Sie vertreten die spezifischen Interessen des Maler- und Lackiererhandwerks und betreuen ihre Mitglieder in fachlicher Hinsicht, informieren über Produkte und Dienstleistungen. Auch führen sie die Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften.
Wer einen Betrieb führt, sollte Mitglied im Fachverband seines Bundeslandes sein. Im Einzelnen handelt es sich um die folgenden Fachverbände:

  • Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks Baden-Württemberg
  • Landesinnungsverband des Bayerischen Maler-und Lackiererhandwerks
  • Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks Berlin-Brandenburg
  • Innung des Maler- und Lackiererhandwerks Bremen
  • Landesinnungsverband Hamburg
  • Verband Farbe Gestaltung Bautenschutz Hessen
  • Fachverband Farbe Gestaltung Bautenschutz Mecklenburg-Vorpommern
  • Malerverband Niedersachsen LIV für das Maler-, Lackierer- und Fahrzeuglackiererhandwerk
  • Maler- und Lackiererinnungsverband Nordrhein
  • Maler & Lackiererinnung Rhein-Main
  • Fachverband Farbe Gestaltung Bautenschutz Rheinland-Pfalz
  • Fachverband Farbe Gestaltung Bautenschutz Sachsen
  • Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks Sachsen-Anhalt
  • Fachverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz Schleswig-Holstein – LIV des Maler- und Lackiererhandwerks
  • Landesinnungsverband Südbaden des Maler- und Lackiererhandwerks e.V.
  • Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks Thüringen
  • Maler- und Lackiererinnungsverband Westfalen

Allgemeines zur Gründung und Finanzierung eines Malerbetriebs

Um die Anfangskosten der Gründung zu decken, gibt es einige Möglichkeiten. Wer sich unsicher bei der Erstellung eines Businessplans, der Kreditbeantragung und der Marketingmaßnahmen ist, kann einen Gründungsberater zu Rate ziehen. Auch die Bundesagentur für Arbeit und die Handwerkskammern sind potentielle Ansprechpartner, wenn es um die Beratung zur Existenzgründung im Handwerk geht.

Businessplan erstellen

Für jede Gründung wird ein gut geschriebener Businessplan benötigt. Dabei handelt es sich um ein Geschäftskonzept, das etwas 10 bis 20 Seiten umfassen sollte und die Idee, den Markt für diese Idee und eine finanzielle Kalkulation für den Handwerksbetrieb beschreibt. Auch die anfallenden Kosten dürfen im Businessplan nicht fehlen:

  • Materialeinsatz
  • Lohn- und Nebenkosten, denn viele Malerarbeiten sind kaum alleine zu bewältigen (beispielsweise der Gerüstaufbau)
  • Kosten für Versicherungen

Wer sich unsicher bei der Formulierung und dem Aufbau ist, wendet sich an einen Gründerberater.

Kredit bei der Bank beantragen

Ist der Businessplan erstellt, prüft die Bank den Businessplan. Ist alles in Ordnung, gibt es den Gründerkredit oder eine andere Förderung mit dem sich Werkzeuge, Geräte und Firmenwagen finanzieren lassen.

Bei der Handwerkskammer melden und Gewerbe anmelden

Die geplante Gründung eines Malerbetriebes muss bei der Handwerkskammer angemeldet werden. Der neue Betrieb wird in die Handwerksrolle eingetragen. Je nach Ausrichtung des Betriebes sind weitere Zulassungen oder Anmeldungen notwendig. Mit der Aushändigung der Handwerkskarte ist die Gewerbeanmeldung möglich.

Werbung für den Betrieb machen

Neben den üblichen Werbemaßnahmen wie Flyer & Co. kann ein Handwerkerprofil auf MyHammer oder anderen Handwerkerplattformen hilfreich sein, um schnell an Kunden zu kommen.


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