Innenarchitekten sind für die Planung und Gestaltung von Innenräumen zuständig. Der Architekt muss dabei sowohl die baulichen Voraussetzungen als auch die Wünsche der Kunden im Blick haben und daraus ein stimmiges Einrichtungskonzept entwickeln. Aus Zeichnungen werden reale Räume. Es geht um Wand, Bodenbelag, Farben und Tapeten und ökologische Aspekte bei der Raumgestaltung. Hauptsächlich arbeiten Innenarchitekten in Hotels, Wohnräumen, Firmengebäuden, Galerien und Einkaufszentren.

Die offizielle Statistik der Bundesarchitektenkammer (BAK) weist im Jahr 2018 etwa 2.600 freischaffende und 200 gewerbliche Innenarchitekten aus. Insgesamt arbeiten in Deutschland über 6.000 Menschen in diesem Beruf. In den neuen Bundesländern sind nur 370 Innenarchitekten tätig. Aufgrund des akuten Wohnungsmangels, ist vielerorts mit Investitionen zu rechnen. Innenarchitekten sind gefragt.

Die Konkurrenz- und Marktlage richtig einschätzen

Die Nachfrage und das Angebot ist schwer zu ermitteln, da viel andere Berufsgruppen wie Raumgestalter, Tapezierer und auch Architekten mit anderen Schwerpunkten ähnliche Leistungen erbringen. Das Leistungsspektrum sollte deshalb genauestens auf den Standort abgestimmt sein:

  • Wie sieht die Nachfrage dort aus?
  • Wie viele Bauvorhaben gibt es in der Region?
  • Wie sieht es mit der Nachfrage aus?
  • Wie groß ist die Konkurrenz?
  • Gibt es Alleinstellungsmerkmale?

Es gibt natürlich auch Büros, die überregional arbeiten.

Die ifo-Konjunkturumfrage für Architektur des ersten Quartals 2019 ergab, das die Nachfrage insgesamt nachlässt, sich aber immer noch auf hohem Niveau befindet. Gründer sollten mit der Architektenkammer zusammenarbeiten und schon während des Praktikums beziehungsweise der Festanstellung den Markt von Innen ausloten, um einen guten Weg in die Selbständigkeit zu finden.

Welche Auftraggeber hat ein Innenarchitekt?
Schon von Anfang an sollte sich der Gründer im Klaren darüber sein, wer die potentiellen Auftraggeber sind. Sind es Privatkunden oder Geschäftskunden? Welche Zielgruppe eröffnet am Standort die nachhaltigste Auftragslage und welche Möglichkeiten der Schwerpunktsetzung und Spezialisierung gibt es am Standort? Was macht die Konkurrenz?

Das Leistungsspektrum kann erst dann nachfrageorientiert zusammengestellt werden, wenn die Zielgruppe klar ist und es muss natürlich auch auf das Können des Innenarchitekten abgestimmt sein und er muss sich ein gutes Image aufbauen. Dabei sind zufriedene Kunden immer die beste Referenz.

Fachliche Voraussetzungen für eine Existenzgründung als Innenarchitekt

eben einem guten Sinn für Ästhetik und schöne Raumkonzepte und Spaß am Einrichten von Innenräumen, muss der Innenarchitekt auch fachliche Nachweise für seine Qualifikation bringen, wenn er auf selbständiger Basis arbeiten möchte.

Selbständige Innenarchitekten benötigen ein abgeschlossenes Studium
Wer sich als Innenarchitekt bezeichnen will, muss ein Studium der Innenarchitektur mit Erfolg abschließen. Dies ist die Mindestvoraussetzung, um Mitglied in der Architektenkammer zu werden. Die genauen Zulassungen sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Meist ist neben dem Studium auch ein Praktikum oder eine mehrjährige Berufserfahrung erforderlich, um in die Kammer aufgenommen zu werden. Nur Mitglieder der Kammer haben das Recht sich als Architekt niederzulassen.

Gründungskosten für Innenarchitekten

Obwohl die Gründungskosten für Innenarchitekten, die sich selbstständig machen, recht niedrig sind, sollten Gründer einen Businessplan erstellen. Hilfe bekommen sie bei der Architektenkammer oder bei freien Finanzberatern.

Kosten für die Grundausstattung

Etwa 25.000 Euro reichen aus, um auch die ersten Monate ohne Einnahmen zu überstehen. Diese werden meist erst nach sechs bis acht Monaten in ausreichendem Maße fließen.

Fahrzeug

Innenarchitekten benötigen nur einen kleinen Firmenwagen. Sie transportieren kein großes Equipment zum Kunden, müssen aber schnell zu den verschiedenen Einsatzorten gelangen. Ohne Auto ist dies nicht möglich. Ein Fahrzeug in der Größenordnung eines Renault Clio, VW Polo oder Seat Ibiza reicht aus.

Leasing Sonderzahlung
Gründer sollten ein Fahrzeug grundsätzlich leasen, da dies die Liquidität kaum belastet und das Rating verbessert. Zum Vertragsbeginn verlangen Leasinggeber meist eine Sonderzahlung. Sie orientiert sich am Wert des Fahrzeugs und der Bonität des Leasingnehmers. Mehr dazu in unserem Artikel zur Grundausstattung eines Handwerksbetriebs.

Innenarchitekten, die den Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, können die Sonderzahlung sofort von den Einnahmen abziehen, um den Gewinn und somit die Steuerlast zu senken.Für ein Fahrzeug in der erwähnten Größenordnung beträgt der Sonderzahlung in der Regel 500 bis 3.000 Euro.

Folierung
Eine dezente und seriös wirkende Beschriftung des Firmenwagens ist sinnvoll, denn sie unterstützt die Werbung. Spezialfirmen bringen diese mittels ablösbarer Folien ab etwa 150 Euro an.

Eine solche Folierung ist die beste Beschriftung von Leasingfahrzeugen, denn bei der Rückgabe des Wagens darf davon nichts mehr zu sehen sein.

Werkzeug

Innenarchitekten benötigen kaum Werkzeug. Ein gutes Infrarotmessegerät und ein Tablett, um die Daten zu speichern, sollten sie bei Kundengesprächen dabei haben. Hierfür sind 1.000 bis 2.000 Euro anzusetzen.

Kleidung

Ein Innenarchitekt hat keine besondere Arbeitskleidung. Ein seriöses Auftreten setzt einen gelungenen Kleidungsstil voraus. Sofern er auch Rohbauten besucht, sollte er einen Helm besitzen. Unter Umständen sind auch Sicherheitsschuhe mit durchtrittsicherer Sohle sinnvoll. Die Ausrüstung kostet zwischen 100 und 200 Euro.

Büro/Computer

Als Innenarchitekt benötigt der Gründer ein entsprechendes Büro, das nicht nur Platz für Planungsaufgaben und Beratungsgespräche bietet, sondern zugleich auch ein Aushängeschild für das Können des Innenarchitekten ist. Hier kann der Innenarchitekt seine persönliche Handschrift sichtbar werden lassen. Optimalerweise werden hier auch gleich die Alleinstellungsmerkmale des Architekten sichtbar.

Außerdem benötigt der Betrieb einen sehr leistungsfähigen Computer und eine hochwertige CAD-Software. Insgesamt sind 3.000 bis 5.000 Euro für die Geschäftsräume anzusetzen.

Geschäftsausstattung: Briefpapier, Logo und Visitenkarten

Innenarchitekten leben von einem guten Image. Kunden müssen dem Stil und der Kompetenz des Innenarchitekten vertrauen. Diese Eigenschaften unterstreichen ein passendes Logo und geschmackvolles Geschäftspapier sowie passende Visitenkarten. Die Entwürfe sollten unbedingt von einem Grafiker und Webdesigner stammen. Ein solches Grafikpaket verursacht mindestens 500 bis 1.000 Euro an Kosten.

Homepage

Auch am Webauftritt dürfen Innenarchitekten nicht sparen. Auf keinen Fall sollte dieser aus einem Homepage-Baukasten stammen. Profis erstellen kleine feine und suchmaschinenoptimierte Webseiten ab etwa 1.000 Euro. Auf dieser muss klar zu erkennen sein, dass es sich um qualifizierte Leistungen eines Architekten handelt. Denn unter Bezeichnungen wie Raumausstatter oder Home Staging bieten viele Betriebe ähnliche Leistungen an, ohne eine entsprechende Qualifikation zu haben.

Laufende Kosten

Firmenwagen und Marketing verursachen die größten monatliche Zahlungsabgänge. Da Innenarchitekten ohne Personal auskommen können, reicht ein Betrag von 1.500 bis 2.000 Euro, um die Monate ohne Einnahmen zu überstehen.

Mitgliedschaften

Innenarchitekten sind in der Regel Freiberufler. Sie müssen kein Gewerbe anmelden und sind nicht zur Mitgliedschaft in der IHK oder Handwerkskammer berechtigt. Wie bereits erwähnt müssen sie Mitglied in der Architektenkammer sein. Ferner ist eine Teilnahme am Versorgungswerk der Architekten Pflicht.

Architektenkammer
Die Kammern sind auf Landesebene organisiert, daher gelten in den Bundesländern unterschiedliche Regeln. Generell ist das Führen der Berufsbezeichnung nur Mitgliedern der Kammer erlaubt. Ferner haben nur Mitglieder das Bauvorlagerecht. Darüber hinaus bieten die Architektenkammern Beratungsleistungen, Fortbildungen und eine günstige Altersvorsorge. Freie und baugewerblich tätige Kammermitglieder, die ihren Beruf ausüben oder ausüben wollen zahlen zwischen 400 und 500 Euro Jahresbeitrag.

Berufsgenossenschaft
Für freie Berufe ist die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) zuständig. Die Beiträge sind an die Bruttolohnsumme gekoppelt. Kleinunternehmer müssen mit einem Mindestbeitrag in Höhe von 50 Euro im Jahr rechnen.

Versorgungswerk der Architekten (VwdA)
Das VwdA ist die Rentenversicherung für Architekten. Sie übernimmt Alters-, Hinterbliebenen-, Waisen- und Berufsunfähigkeitsrenten. Außerdem zahlt das Versorgungswerk für jedes Kind 35 Euro im Monat. Die Zahlung erfolgt zusätzlich und unabhängig vom staatlichen Kindergeld.

Der Beitragssatz beträgt 18 Prozent des Berufseinkommens.

In den ersten fünf Jahren einer selbständigen Tätigkeit können Innenarchitekten die halbe Beitragszahlung also 9 Prozent beantragen. Der Mindestbeitrag beträgt 301,50 Euro (Stand 2019).

Fahrzeug

Die Fahrzeugkosten hängen nicht nur von der Fahrleistung ab. Leasingraten, Steuer und Versicherung fallen auch an, wenn der Wagen in der Garage steht.

Leasing
Abhängig von derHöhe der Sonderzahlung, dem Wert des Fahrzeugs und der Bonität, sind etwa 50 und 150 Euro im Monat einzukalkulieren. Besonders beliebte Kleinwagen bieten die Hersteller zu sehr günstigen Konditionen an.

Kfz-Steuer
Das Finanzamt erhebt die Kraftfahrzeugsteuer immer jährlich im Voraus ab dem Tag der Anmeldung. Die Höhe bestimmt die Behörde nach dem Tag der Erstzulassung, der Antriebsart und dem CO2-Ausstoß. Die Jahressteuer beträgt meist 150 bis 250 Euro.

Versicherung
Da der Gründer bedingt durch die Finanzierung des Fahrzeugs eine Vollkaskoversicherung benötigt, muss er mit Jahresprämien zwischen 500 und 1.000 Euro rechnen. Obwohl alle Versicherungen die Tarife nach Regional-, Typ- und Schadenfreiheitsklasse kalkulieren, sind große Preis- und Leistungsunterschiede üblich. Preisvergleiche lohnen sich daher.

Verschleiß / Wartung
Bei vollkaskoversicherten Neuwagen fallen in der Regel keine Reparaturkosten an. Diese übernimmt die Versicherung oder die Herstellergarantie. Werkstattkosten entstehen lediglich für Inspektionen und Wartungen, den Austausch von Verschleißteilen sowie für die vorgeschriebenen Haupt- und Abgasuntersuchungen. 100 bis 200 Euro im Jahr reichen aus.

Kraftstoff
Kleinwagen verbrauchen wenig Kraftstoff. Auch sind meist keine großen Fahrstrecken zurückzulegen. Aus diesen Gründen fallen nur 50 bis 200 Euro für das Tanken an. Innenarchitekten, die in einem großen Gebiet arbeiten, müssen allerdings mit höheren Kosten kalkulieren.

Versicherungen

Architekten sind aufgrund ihrer Berufsordnung und des Architektengesetzes verpflichtet eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Diese schützt den Architekten, wenn es aufgrund von Planungsfehlern zu Schäden kommt sowie Bauherrn, wenn der Architekt für die Folgen nicht durch sein eigenes Vermögen aufkommen kann.

Meist ist eine Mindestversicherungssumme von 1.500.000 € für Personenschäden und 250.000 € für Sach- und Vermögensschäden je Versicherungsfall vorgeschrieben.

Die Prämie richtet sich nach dem Jahreshonorarumsatz beziehungsweise bei Projekten nach der Objektbausumme. Bei einem Jahresumsatz bis 50.000 Euro ist mit einem Jahresbeitrag von 1.500 Euro zu rechnen. Bei einer Absicherung nach Objekten, fallen etwa 500 Euro je 150.000 Euro Bausumme an.

Miete / Nebenkosten / Strom / Wasser / Telefon

Selbst ein kleines Büro kostet in guter Lage etwa 1.000 Euro Miete. Zusammen mit den Nebenkosten und den Ausgaben für das Telefon sind für diese Position etwa 1.500 Euro einzuplanen.

Marketing

Ein Werbeverbot für Architekten gibt es bereits seit Anfang des Jahrhunderts nicht mehr. Aber fremdfinanzierte Werbemaßnahmen oder Werbung von Architekten für bestimmte Bauprodukte sind untersagt. Auch müssen die Aussagen überprüfbar sein. Wichtig ist, dass der Architekt unabhängig ist und keine falschen Erwartungshaltungen entstehen.

Beginnen Sie mit kleineren Projekten, um Erfahrungen zu sammeln. Erstellen Sie sich ein Profil auf freiberuflichen Online-Websites und nutzen Sie Facebook, um sich anderen potenziellen Kunden präsentieren zu können (mit Bildern Ihrer fertigen Arbeiten).

Webseite
Es ist wichtig, dass die Webseite immer auf dem neuesten Stand ist und möglichst viele bebilderte Referenzen von bereits abgeschlossenen Projekten zeigt. Auch das eigene Büro kann passend in Szene gesetzt werden. Wichtig ist auch, dass die Seite im Netz gut auffindbar und auf allen Endgeräten abrufbar ist, damit potentielle Kunden die Seite unkompliziert und schnell finden können. Für die monatliche Pflege durch einen Profi, sind etwa 100 bis 150 Euro im Monat aufzubringen.

Werbung online

Die Anmeldung auf Handwerkerportalen wie MyHammer und auf Portalen für Freiberufler, ist sinnvoll. Denn meist profitiert der Gründer von der guten Auffindbarkeit der Portale in den Suchmaschinen. Hier kann der Gründer sich mit seinen Referenzen präsentieren und sein Leistungsspektrum angeben. Potentielle Kunden können sich auf diese Weise informieren und auch einen Auftrag vergeben.

Auch lohnt sich ein Profil auf Facebook und anderen Social-Media-Portalen für Gründer. Hier können die Referenzen ebenfalls in Bildern gezeigt werden. Das macht potentielle Kunden auf das Architektenbüro aufmerksam. Für Online-Marketing-Maßnahmen sollten monatlich etwa 50 bis 100 Euro an Kosten einkalkuliert werden.

Werbung offline

Um den Betrieb bekannt zu machen, sollten sich Innenarchitekten gezielt an Baugesellschaften und Hausverwaltungen wenden. Der Fokus sollte auf Unternehmen liegen, die Kernsanierungen und Innenausbau anbieten. Auch Kontakte zu ansässigen Handwerkern können sich lohnen. Viele Kunden treten zunächst an diese heran, wenn Sie einen Umbau planen. Je nach Art und Größe muss ein Innenarchitekt mitwirken.

Etwa 300 bis 400 Euro an monatlichen Kosten sind für Annoncen in Lokalzeitungen sowie Flyer und Visitenkarten einzukalkulieren.

Checkliste: Als Innenarchitekt selbständig machen

  1. Prüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, um sich als selbstständiger Innenarchitekt niederzulassen à Studium
  2. Mitglied der Architektenkammer werden.
  3. Businessplan erstellen, um nötiges Gründungskapital zu ermitteln, sowie Gründungszuschuss und Darlehen zu bekommen.
  4. Sich beim Versorgungswerk der Architekten (VwdA) und der Berufsgenossenschaft anmelden
  5. Haftpflichtversicherung abschließen
  6. Räume anmieten
  7. Geschäftsausstattung, Auto, Computer und Software beschaffen.
  8. Werbung machen
  9. Aufträge annehmen und Termine bei den Kunden planen

Beschaffung

Innenarchitekten müssen auf ein gutes Erscheinungsbild ihres Büros achten. Um Kosten zu sparen, können Sie beispielsweise eine Bürogemeinschaft mit Designer und Fotografen bilden. Dies bietet die Option, mehrere Räume zu gestalten und den künftigen Kunden präsentieren zu können.

Spezialisierungen

Selbständige Innenarchitekten können sich beispielsweise auf das Inneneinrichten von Hotels, Großraumbüros und Verkaufsräume spezialisieren. Sie haben auch die Option sich statt auf Objekte auf Stilrichtungen zu beschränken. Auch das Entwerfen von speziellen Möbeln ist eine mögliche Spezialisierung.

Zertifizierungen
Die Zulassung durch die Architektenkammer ist das wichtigste Zertifikat. Dieses haben allerdings alle Innenarchitekten.

Eine Zusatzstudium als Denkmalpfleger ist nützlich, wenn Schlösser und Burgen einzurichten sind.

Verschiedene Institute bieten Zertifikate an, die Kenntnisse über behinderten gerechten Ausbau belegen. Er TÜV bildet Innenarchitekten beispielsweise zum DIN-Geprüften Fachplaner für barrierefreies Bauen aus.


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