Ein Holzschützer wird immer dann gerufen, wenn Feuchtigkeit oder Holzschädlinge ein Haus oder eine Wohnung gefährden. Der Deutsche Holz- und Bautenschutzverband e.V. geht davon aus, dass über 25.000 Betriebe in Deutschland Holzschutz anbieten. Erfahrungsgemäß sind auch Maler, Lackierer, Verputzer, Zimmerer und Dachdecker in diesem Bereich tätig. Dennoch sind die Aussichten in dieser Branche gut und der Schritt in die Selbständigkeit in diesem Bereich kann lohnenswert sein.

Die Konkurrenz- und Marktlage richtig einschätzen

Die Anzahl der Betriebe sagt wenig über die Marktabdeckung aus, denn viele Anbieter sind unqualifiziert. Die Nachfrage ist groß, da Sanierungen und der Erhalt von Bausubstanz immer wichtiger werden. Gründer in dieser Branche müssen daher bei der Marktanalyse genau hinschauen. Folgende Fragen sollte sich der Gründer vor dem Start in die Selbständigkeit beantworten können:

  • Welche Qualifikation ist vorhanden?
  • Welches Leistungsspektrum kann angeboten werden?
  • Wie viele ähnlich qualifizierte Betriebe gibt es bereits in der Region?
  • Wie hoch ist die Nachfrage nach einem Holzschützer im geplanten Aktionsradius?

Nur wer versiert ist und seine Gegner kennt, kann erfolgreich in dieser Branche arbeiten. Neben der Kenntnis über die Vielzahl von Holzschädlingen, sollten auch die biologischen Eigenschaften von Holzschädlingen sowie die chemischen Reaktionen von Holz- und Bautenschutzmitteln bekannt sein.

Fachliche Voraussetzungen für eine Existenzgründung als Holzschützer

Die beiden Ausbildungsberufe „Fachkraft für Holz- und Bautenschutzarbeiten“ mit zweijähriger Berufsausbildung und „Holz- und Bautenschützer“ mit dreijähriger Berufsausbildung, gibt es seit 2007. Beide Ausbildungen schließen mit dem Gesellenbrief ab. Meisterschulungen sind seit 2013 möglich.

Ein Meisterbrief ist keine Voraussetzung, aber sinnvoll
Holz- und Bautenschutzbetriebe müssen sich laut Pragraf § 18 Abs. 2 der Handwerksordnung in der Anlage B (HwO) in die Handwerksrolle eintragen lassen. Dieser Eintrag ist Formsache, denn eine Qualifikation verlangt die Handwerkskammer für den Eintrag nicht. Die besten Voraussetzungen mit dem Betrieb gut zu starten haben Holzschützer natürlich, wenn sie einen Meistertitel vorweisen können.

Sonstige Nachweise, die notwendig sind
Für den gewerblichen Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel ist ein „Sachkundenachweis Holzschutz am Bau“ nach DIN 68 800, Teil 4 nötig.

Gründungskosten für die Selbständigkeit als Holzschützer

Im Businessplan loten Gründer die Chancen und die Kosten der Betriebsgründung aus. Hilfe bekommen sie bei den Handwerkskammern, Innungen oder freien Finanzberatern.

Kosten für die Grundausstattung

Die benötigte Ausrüstung ist in der Regel erschwinglich und zu Beginn können Holzschützer ohne Personal arbeiten. Aus diesem Grund reichen etwa 25.000 Euro, um auch die ersten Monate ohne Einnahmen zu überstehen.

Fahrzeug

Ohne eigenes Auto kann der Holzschützer die oft weit auseinanderliegenden Bauten nicht erreichen. Er benötigt aber keinen großen Pkw, denn das benötigte Equipment nimmt nicht viel Platz in Anspruch. Wer sich ausschließlich auf Holz- und Bautenschutz beschränkt, kommt mit einem Pkw-Kombi in der Größenordnung eines VW Golf „Variant“, eines Opel „CarAVan“ oder eines Ford „Turnier“ aus.

Leasing Sonderzahlung
Gründer sollten ein Fahrzeug leasen. Dies belastet die Liquidität kaum und verbessert das Rating. Die Sonderzahlung ist zu Beginn des Vertrags fällig und orientiert sich am Wert des Fahrzeugs sowie der Bonität des Leasingnehmers. Mehr dazu in unserem Artikel zur Grundausstattung eines Handwerksbetriebs. [Link zu /grundausstattung#Fahrzeuge]

Wenn der Betrieb den Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermittelt, kann es die Sonderzahlung sofort von den Einnahmen abziehen, um den den Gewinn und die Steuerlast zu mindern.

Fahrzeugeinrichtung / Innenausbau
Einige Boxen, um Holzschutzmittel, Putzzeug und Werkzeug zu transportieren, reichen für die Inneneinrichtung aus. Diese kosten etwa 100 bis 200 Euro. Ganz wichtig ist aber eine gute Sicherung der Utensilien im Fahrzeug, denn herumfliegende Gegenstände können bei einer Vollbremsung gefährlich werden und ziehen außerdem bei einer Kontrolle ein Bußgeld nach sich. Zurrgurte und ein professionelles Befestigungssystem kosten 500 bis 1.000 Euro.

Folierung
Das Fahrzeug bietet sich als fahrbare Plakatwand an. Da es meist in der Nähe des Einsatzortes steht, ist dies eine sehr effektive Werbung. Die Gestaltung mittels Folien übernehmen Fachbetriebe ab 150 Euro.

Das Firmenfahrzeug sollte grundsätzlich mit einem Logo, Name und Anschrift des Betriebs versehen sein.

Werkzeug

Messgeräte, um den Feuchtigkeitsgehalt zu bestimmen, Bohr- und Schneidgeräte zu Probenentnahmen, sowie Pinsel und Sprühgeräte gehören zum Handwerkszeug des Holzschützers. Mehr Werkzeuge sind nicht erforderlich, da Holzschützer nicht berechtigt sind Arbeiten durchzuführen, die Kenntnisse aus vollhandwerklichen Ausbildungsberufen erfordern, wie beispielsweise Maler und Lackierer oder Zimmermann.

200 und 1.000 Euro reichen aus diesem Grund für die Grundausstattung aus.

Wer giftfrei nach dem Heißluftverfahren arbeiten möchte, muss deutlich mehr investieren. Entsprechende Geräte lassen sich aber auch mieten, wenn Aufträge auszuführen sind.

Kleidung

Holzschützer benötigen keine spezielle Kleidung, aber zum Schutz der privaten Textilien und der Haut, sind Einmaloveralls sinnvoll. Es lohnt, etwa 100 Stück für Kosten von etwa 150 Euro anzuschaffen.

Persönliche Schutzausrüstung
Holzschützer arbeiten oft mit gefährlichen Chemikalien. Sie benötigen daher Multi-Schutzanzüge gegen Chemie und Staub, Schutzhandschuhe, Überschuhe, Augen- und Atemschutz. Letztere schützen je nach Machart vor Partikeln oder gefährlichen Dämpfen.

Eine solche Schutzausrüstung kostet zwischen 20 und 200 Euro. Der Betrieb benötigt mehrere Sätze. Hierfür sind etwa 2.000 Euro zu veranschlagen.

Büro und Computer

Da der Betrieb keine Kunden in den Firmenräumen empfängt, kommen sie ohne jegliche Geschäftsräume aus. Telefon und Computer mit Bürosoftware genügen, um Kundenkontakte zu pflegen. Hierfür sind 300 und 500 Euro in die Gründungskalkulation einzubeziehen.

Geschäftsausstattung: Briefpapier, Logo und Visitenkarten

Hochwertiges Geschäftspapier mit passenden Visitenkarten sind das Gesicht der Firma. Aus diesem Grund sollten Gründer einen Grafiker oder Webdesigner mit der Gestaltung beauftragen. Für ein solches Grafikpaket berechnen die Designer mindestens 500 Euro, wenn die Agentur Starterpakete anbietet. Oft sind die Kosten auch höher, aber es lohnt sich, in Geschäftsausstattung zu investieren, die einen kompetenten und seriösen Eindruck macht und das Unternehmen gut repräsentiert.

Laufende Kosten

Da Holzschützer keine Geschäftsräume benötigen, entfallen die Raumkosten. Der Firmenwagen und das Marketing verursachen die höchsten monatlichen Zahlungsabgänge.

Mit den ersten positiven Kontobewegungen ist erst nach sechs Monaten zu rechnen. Aus diesem Grund sind etwa 12.000 Euro in die Gründungskalkulation einzuplanen, um die Durststrecke zu überstehen.

Mitgliedschaften

Das Gewerk Holz- und Bautenschutz zählt zu den handwerksähnlichen Gewerben. Der Betrieb ist verpflichtet, Mitglied der zuständigen Handwerkskammer zu werden, hat aber nicht das Recht der Handwerkerversicherung beizutreten. Außerdem ist die Aufnahme des Gewerbes der Berufsgenossenschaft Bau zu melden. Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall ist in der Regel nicht zuständig. Eine Pflicht zur Mitgliedschaft in der SOKA-BAU besteht nicht, wenn der Betrieb ausschließlich als Holzschützer arbeitet.

Handwerkskammer
Die Höhe der Beiträgeist unterschiedlich, denn die örtlichen Kammern kalkulieren diese nach eigenem Ermessen. In der Regel richten sich die Beiträge nach dem Gewinn des drittvorangegangenen Jahrs. Betriebe, die weniger als 20.000 Euro erwirtschaften, zahlen einen Grundbeitrag von jährlich 120 bis 350 Euro. Ansonsten beträgt der Beitrag 0,8 bis 1,2 Prozent des Gewinns.

Hinweis: Existenzgründer, die ein Einzelunternehmen führen, müssen in den ersten 3 Jahren meist keine Beiträge entrichten.

Berufsgenossenschaft
Die Unfallversicherung übernimmt Renten und Reha-Maßnahmen, die aufgrund von Berufsunfällen oder Berufskrankheiten fällig sind. Betriebe, die keine Mitarbeiter beschäftigen, zahlen keine Beiträge, denn deren Höhe wird als Prozentsatz der Bruttolohnsumme festgelegt.

Innungen
DerDeutsche Holz- und Bautenschutzverband e.V. ist der wichtigste Fachverband für Holzschützer. Die Mitgliedschaft ist gleichzeitig ein Nachweis der Qualifikation, da der Verein strenge Aufnahmekriterien hat. Etwa 300 bis 600 Euro sind hierfür jährlich zu veranschlagen.

Fahrzeug

Leasingraten, Steuer und Versicherung, sind als fixe Kosten zu berücksichtigen. Ferner fallen variable Kosten für Kraftstoff und die Werkstattbesuche an.

Leasing
Die Leasingraten bewegen sich in einem Rahmen von 200 bis 500 Euro. Die genaue Höhe hängt vom Wert des Fahrzeugs, der Höhe der Sonderzahlung sowie der Bonität des Betriebes ab.

Kfz-Steuer
Nach der Zulassung sendet die Zulassungsstelle eine entsprechende Meldung an das Finanzamt. Dieses ermittelt die Höhe der Kraftfahrzeugsteuer nach Kriterien, wie dem Tag der Erstzulassung, der Antriebsart und dem CO2-Ausstoß ab. Anschließend erhebt es die Jahressteuer, die sofort für ein ganze Jahr zu entrichten ist. Üblicherweise sind 200 bis 350 Euro zu zahlen.

Versicherung
Die Leasinggesellschaft verlangt den Abschluss einer Vollkaskoversicherung als Sicherheit. Dies bedeutet Prämien von 700 bis 1.000 Euro. Obwohl alle Versicherungen sich bei der Kalkulation der Beiträge nach Typklasse, Schadensfreiheitsklasse des Versicherungsnehmers, der Fahrleistung und der Region richten, sind große Preis- und Leistungsunterschiede üblich. Vergleiche lohnen sich aus diesem Grunde.

Verschleiß / Wartung
Bei Neuwagen sind keine Reparaturkosten zu erwarten, denn diese fallen in der Regel unter die Herstellergarantie oder beruhen auf einem Schadenereignis, das die Vollkasko übernimmt. Aus diesem Grund sind lediglich die Kosten für die vorgeschriebenen Haupt- und Abgasuntersuchungen, Inspektionen, Wartungen und den Austausch von Verschleißteilen zu berücksichtigen. Somit reichen 100 bis 3200 Euro jährlich für diese Position aus.

Kraftstoff
Welche Summen für das Tanken zu veranschlagen sind, hängt von der Fahrleistung und vom Verbrauch pro 100 Kilometer ab. Gründer sollten mindestens 100 bis 200 Euro für Kraftstoff einplanen.

Versicherungen

Um sich vor den Folgen von Schäden, die der Betrieb bei Dritten verursacht, zu schützen, benötigt der Gründer eine Betriebshaftpflichtversicherung. Eine Inhalts- und Ertragsausfallversicherung ist meist überflüssig, da es nur Inventar von einem geringen Wert gibt. Die betriebliche Absicherung kostet 30 bis 50 Euro pro Monat.

Miete / Nebenkosten / Strom / Wasser / Telefon

Sofern der Betrieb keine Geschäftsräume unterhält, reichen monatlich 200 bis 300 Euro für Wasser, Strom und Telefon.

Marketing

Erfolg in dem Gewerbe hat nur, wer es versteht die eigenen Leistungen gezielt bekannt zu machen. Eine gut durchdachte Strategie und ein Marketing-Mix aus On- und Offlinewerbung hilft dabei.

Webseite
Eine professionelle und suchmaschinenoptimierte Webseite, die durch einen Profi erstellt wurde, sollte vorhanden sein. Hier kann das Leistungsspektrum angegeben werden und es sollte ein Kontaktformular für potentielle Neukunden vorhanden sein. Wenn die Seite auf den ersten Suchpositionen erscheinen soll, benötigt sie regelmäßige Pflege durch einen SEO-Spezialisten. Monatlich fallen für diesen Posten etwa 30 bis 100 Euro an.

Werbung online
Eine gute Möglichkeit, um schnell neue Kunden zu gewinnen, ist die Anmeldung auf Handwerkerportalen wie MyHammer. Hier kann der Holzschützer seinen Betrieb vorstellen und sein Leistungsspektrum angeben sowie sich auf ausgeschriebene Aufträge bewerben und von Auftraggebern angeschrieben werden. Dank der guten Reichweite, die MyHammer im Netz besitzt, sind die Chancen groß, gerade auch in der Anfangsphase von potentiellen Kunden gefunden zu werden.

Werbung offline
Das Wichtigste ist, die Bekanntheit des Betriebs regional zu steigern. Anzeigen in lokalen Anzeigenblättern sind eine ideale Offlinewerbung Das wahllose Verteilen von Flyern und Visitenkarten lohnt dagegen nicht. Ein guter Weg die eigenen Dienste bekannt zu machen sind Kontakte zu Architekten, Bauunternehmen und Handwerkern zu knüpfen, die mit Holz arbeiten. Mindestens 300 bis 400 Euro monatlich kostet diese Art der Werbung.

Checkliste: Als Holzschützer selbständig machen

  1. Konkretes Leistungsspektrum erstellen
  2. Wenn nötig, Sachkundenachweis erbringen
  3. Businessplan erstellen, um Gründungskapital zu ermitteln und Gründungszuschuss sowie Darlehen zu bekommen
  4. Bei der Handwerkskammer und der Berufsgenossenschaft melden
  5. Mitgliedschaft im Deutschen Holz- und Bautenschutzverband e.V. beantragen
  6. Computer und Software kaufen
  7. Werkzeug und Schutzkleidung beschaffen
  8. Werbung für den Betrieb machen
  9. Aufträge annehmen und Termine bei den Kunden planen

Beschaffung

Der Fachverband hilft bei der Beschaffung von Ausrüstungen, wie einer Heißluftmaschine.

Spezialisierungen

Holzschutz umfasst ein weites Feld, von der Schimmelbeseitigung bis zum Abtöten von Insekten. Da die Nachfrage nach giftfreien Methoden steigt, lohnt sich eine Spezialisierung in dieser Richtung. Auch die Denkmalpflege ist ein lohnendes Fachgebiet.

Zertifizierungen
Da jeder einen Betrieb als Holzschützer gründen kann, sind Zertifikate extrem wichtig. Nur diese zeigen dem Kunden, dass es sich um einen Fachbetrieb handelt.

Das wichtigste Qualifizierungsmerkmal ist die Mitgliedschaft im Deutschen Holz- und Bautenschutzverband e.V. Der Verein vergibt außerdem die Zertifikate:

  • Qualitätssiegel Holzschutz
  • Sachkundenachweis Holzschutz am Bau
  • DHBV-Zertifikat Holzanatomie
  • DHBV-Zertifikat Insektenbestimmung
  • DHBV-Zertifikat Pilzbestimmung

Das Institut für handwerkliche Bauwerkserhaltung und Baudenkmalpflege bietet Schulungen an, die mit einem Zertifikat „Qualifizierter Holzschützer“ abschließen.


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