Die Handwerksordnung im Überblick

Die Handwerksordnung (HWO) trennt zwischen zulassungspflichtigem und zulassungsfreiem Handwerk sowie dem handwerksähnlichen Gewerbe und legt die gesetzlichen Regelungen im Handwerk fest. Die zulassungspflichtigen Gewerke sind in der Anlage A aufgelistet, die zulassungsfreien Gewerke in der Anlage B und die handwerksähnlichen Gewerbe in der Anlage B1.

Änderungen in der Handwerksordnung

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Handwerk gewandelt. Viele Dienstleistungen werden aus einer Hand durchgeführt, weshalb sich die Handwerksordnung im Jahre 1994 und 2004 grundlegend geändert hat. Das Ziel der Änderungen war und ist es, die Leistungen aus einer Hand zu verbessern. Die Änderungen von 2004 betreffen die Meisterpflicht in Bezug auf die Selbständigkeit im Handwerk und Regelungen für Kleinunternehmer.

Seit der Neuordnung sind insgesamt 41 von ursprünglich 94 Berufen von der Meisterpflicht betroffen, die anderen inzwischen 53 Handwerke sind zulassungsfrei. Ihre Ausübung setzt keinen Befähigungsnachweis, also auch keine Gesellenprüfung voraus. Auch die Inhaberpflicht wurde abgeschafft, heißt, man kann sich in einem zulassungspflichtigen Handwerk auch ohne Meistertitel selbständig machen, wenn ein Meister im Betrieb als Leiter beschäftigt wird.

Eine weitere Änderung aus dem Jahre 2004 betrifft außerdem Kleinunternehmer: Betroffen sind Tätigkeiten, für deren Ausübung keine vollwertige Handwerksausbildung notwendig ist, die in ihrem Wesen aber dem Handwerk angehören. Die Kleinunternehmer werden bei der Handwerkskammer registriert.

Meisterpflicht

In insgesamt 41 Berufen des Handwerks (Anlage A – HWO) besteht heute Meisterpflicht. Und zwar in den Handwerken, in denen bei mangelhaft ausgeprägtem Fachwissen, große Gefahren für Endverbraucher vorhanden sind. Ein weiteres Kriterium für zulassungspflichtige Handwerke ist die hohe Ausbildungsleistung in diesen Berufen, diese soll mit der Meisterpflicht gewürdigt werden.

Selbständig auch ohne Meister – die Altgesellenregelung

Nicht immer besteht die Meisterpflicht in den zulassungspflichtigen Gewerken. Im Rahmen der großen Novelle wurde eine Altgesellenregelung festgelegt: Altgesellen dürfen auch ohne Befähigungsnachweis als Inhaber eines Betriebes in die Selbständigkeit gehen. Voraussetzung ist, dass sie in dem von ihnen erlernten Handwerk mindestens sechs Jahre tätig waren, vier davon in einer leitenden Position.

Ausgenommen von dieser Regelung sind Schornsteinfeger, Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Orthopädiemechaniker, Orthopädieschuhmacher sowie Zahntechniker (§7b HWO). Für Ingenieure, Hochschulabsolventen sowie staatlich geprüfte Techniker ist der Zugang zum Handwerk ebenfalls ohne Meisterprüfung möglich.

Handwerkskammern

Handwerkskammern haben die Aufgabe, die Interessen des Handwerks wahrzunehmen. Sie sind eine selbstverwaltete Körperschaft des öffentlichen Rechts. Eine Handwerkskammer darf die grundlegenden Belange des Handwerkerstandes selbst regulieren. Sie ist sozusagen das Gegenstück zur Industrie- und Handelskammer (IHK). Sowohl für zulassungspflichtige als auch zulassungsfreie Handwerke gilt eine Pflichtmitgliedschaft inklusive entsprechender Pflichtbeiträge.

Aufgabe der Handwerkskammern

Die Aufgabe der Handwerkskammern ist es, die Handwerksbetriebe mit Rechtsberatung (auch Unternehmensberatung) zu unterstützen und Meisterprüfungsordnungen für die einzelnen Gewerke aufzustellen sowie den Meisterprüfungsausschuss zu stellen. Sie formulieren außerdem die Gesellenprüfungsordnungen und erlassen Prüfungsvorschriften und organisieren zu diesem Zweck auch Prüfungsausschüsse.

Handwerkskammern treiben außerdem das Genossenschaftswesen voran und führen die Handwerksrolle. Ihre Aufgabe ist es, die technische und betriebswirtschaftliche Fortbildung der Meister und Gesellen mit den Innungsverbänden zu fördern und entsprechende Einrichtungen zu unterstützen oder zu schaffen. Handwerkskammern regeln außerdem die Berufsausbildung im Handwerk.

Handwerkskammern sind auch Schlichter, sie organisieren und stellen Schlichtungsstellen auf und schützen und fördern die Interessen des Handwerks. Außerdem unterstützen sie Behörden durch Vorschläge und Gutachten und beobachten die Preise und Leistungen von Handwerkern. Daneben haben Handwerkskammern viele weitere Aufgaben, die das Handwerk und dessen Regelungen betreffen.

Eintragung in die Handwerksrolle

Die Handwerksordnung trennt, wie oben erwähnt, zwischen zulassungspflichtigem und zulassungsfreiem Handwerk. Bei Betriebseröffnung eines zulassungspflichtigen Handwerks ist die Eintragung in die Handwerksrolle Pflicht.

Unter Handwerksrolle wird ein Verzeichnis verstanden, in das alle Betriebsinhaber eines zulassungspflichtigen Handwerks im zugehörigen Kammerbezirk eingetragen sind. Die Handwerksrolle wird von der Handwerkskammer geführt. Wer in der Handwerkskammer aufgeführt ist, erhält die Handwerkskarte.

Voraussetzungen für die Eintragung in die Handwerksrolle

Voraussetzung für die Eintragung in die Handwerksrolle ist der Nachweis einer Qualifikation wie der Meisterbrief.

Grundsätzlich wird in die Handwerksrolle nur eingetragen, wer im betreibenden Handwerk eine Meisterprüfung bestanden hat. Auch andere Prüfungen werden anerkannt, beispielsweise werden auch Industriemeister nach §46 Abs. 2 in die Handwerksrolle eingetragen, wenn die Prüfung gleichwertig mit der jeweiligen Handwerksmeisterprüfung ist (§7 Abs. 2 HWO).

In besonderen Fällen kann die Eintragung in die Handwerksrolle auch über eine Ausnahmebewilligung erfolgen (§8 HWO), die von der Handwerkskammer erteilt wird. Voraussetzung ist der Nachweis entsprechender Kenntnisse und Fertigkeiten sowie das Vorliegen eines Ausnahmefalls. Dies ist der Fall, wenn die Ablegung der Meisterprüfung eine unzumutbare Belastung bedeuten würde. Wie beispielsweise gesundheitliche Probleme oder eine körperliche Behinderung oder anderes.

Ohne Eintragung in die Handwerksrolle drohen Bußgelder

Wer ohne in die Handwerksrolle eingetragen zu sein, ein zulassungspflichtiges Handwerk als stehendes Gewerbe selbständig betreibt, handelt ordnungswidrig. Das zieht eine Geldbuße von bis zu 10.000 Euro nach sich. Das Reisegewerbe braucht keine Eintragung in die Handwerksrolle.

Ohne Eintragung in die Handwerksrolle dürfen wesentliche Tätigkeiten eines zulassungspflichtigen Handwerks im unerheblichen handwerklichen Nebenbetrieb ausgeführt werden, wie oben erwähnt. Ohne Eintragung in die Handwerksrolle und Meisterbrief, kann ein Reisegewerbe betrieben werden, hier besteht kein Meisterzwang (§56 Gewerbeordnung).

Liste: Zulassungspflichtige Handwerke (A)

Schon seit Beginn der Handwerksordnung enthielt die Anlage A die Berufe des Vollhandwerks. Hier gilt der Meister als Befähigungsnachweis und ist Voraussetzung zur Selbständigkeit. Seit 2004 betrifft dies noch 41 Gewerke:

  1. Maurer und Betonbauer
  2. Ofen- und Luftheizungsbauer
  3. Zimmerer
  4. Dachdecker
  5. Straßenbauer
  6. Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer
  7. Brunnenbauer
  8. Steinmetzen und Steinbildhauer
  9. Stukkateure
  10. Maler und Lackierer
  11. Gerüstbauer
  12. Schornsteinfeger
  13. Metallbauer
  14. Chirurgiemechaniker
  15. Karosserie- und Fahrzeugbauer
  16. Feinwerkmechaniker
  17. Zweiradmechaniker
  18. Kälteanlagenbauer
  19. Informationstechniker
  20. Kraftfahrzeugtechniker
  21. Landmaschinenmechaniker
  22. Büchsenmacher
  23. Klempner
  24. Installateur und Heizungsbauer
  25. Elektrotechniker
  26. Elektromaschinenbauer
  27. Tischler
  28. Boots- und Schiffbauer
  29. Seiler
  30. Bäcker
  31. Konditoren
  32. Fleischer
  33. Augenoptiker
  34. Hörakustiker
  35. Orthopädietechniker
  36. Orthopädieschuhmacher
  37. Zahntechniker
  38. Friseure
  39. Glaser
  40. Glasbläser und Glasapparatebauer
  41. Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik

Liste: Zulassungsfreie Handwerke (B1)

Gegenüber den Berufen des zulassungspflichtigen Handwerks aus Anlage A, stehen die zulassungsfreien Handwerke B1. Diese werden in Anlage B, der neuen Handwerksordnung erfasst. Auch in diesen Berufen lässt sich ein Meisterbrief erwerben, aber auf freiwilliger Basis. Der Meister attestiert, sich für Qualität und Leistung als Dienstleister im Handwerk einzusetzen. Der Betrieb eines zulassungsfreien Handwerks muss der Handwerkskammer angezeigt werden. Folgende Handwerke zählen zu den zulassungsfreien Gewerken:

  1. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  2. Betonstein- und Terrazzohersteller
  3. Estrichleger
  4. Behälter- und Apparatebauer
  5. Uhrmacher
  6. Graveure
  7. Metallbildner
  8. Galvaniseure
  9. Metall- und Glockengießer
  10. Schneidwerkzeugmechaniker
  11. Gold- und Silberschmiede
  12. Parkettleger
  13. Rollladen- und Sonnenschutztechniker
  14. Modellbauer
  15. Drechsler (Elfenbeinschnitzer) und Holzspielzeugmacher
  16. Holzbildhauer
  17. Böttcher
  18. Korb- und Flechtwerkgestalter
  19. Maßschneider
  20. Textilgestalter (Sticker, Weber, Klöppler, Posamentierer, Stricker)
  21. Modisten
  22. (weggefallen)
  23. Segelmacher
  24. Kürschner
  25. Schuhmacher
  26. Sattler und Feintäschner
  27. Raumausstatter
  28. Müller
  29. Brauer und Mälzer
  30. Weinküfer
  31. Textilreiniger
  32. Wachszieher
  33. Gebäudereiniger
  34. Glasveredler
  35. Feinoptiker
  36. Glas- und Porzellanmaler
  37. Edelsteinschleifer und -graveure
  38. Fotografen
  39. Buchbinder
  40. Drucker
  41. Siebdrucker
  42. Flexografen
  43. Keramiker
  44. Orgel- und Harmoniumbauer
  45. Klavier- und Cembalobauer
  46. Handzuginstrumentenmacher
  47. Geigenbauer
  48. Bogenmacher
  49. Metallblasinstrumentenmacher
  50. Holzblasinstrumentenmacher
  51. Zupfinstrumentenmacher
  52. Vergolder
  53. Schilder- und Lichtreklamehersteller

Handwerksähnliche Gewerbe (B2)

Auch der Betrieb eines handwerksähnlichen Gewerbes muss der zuständigen Handwerkskammer angezeigt werden. Diese Gewerbe wurden schon durch die Handwerksrechtsnovelle von 1965 dem Handwerk unterstellt. Folgende Gewerbe sind hiervon betroffen:

  1. Eisenflechter
  2. Bautentrocknungsgewerbe
  3. Bodenleger
  4. Asphaltierer (ohne Straßenbau)
  5. Fuger (im Hochbau)
  6. Holz- und Bautenschutzgewerbe (Mauerschutz und Holzimprägnierung in Gebäuden)
  7. Rammgewerbe (Einrammen von Pfählen im Wasserbau)
  8. Betonbohrer und -schneider
  9. Theater- und Ausstattungsmaler
  10. Herstellung von Drahtgestellen für Dekorationszwecke in Sonderanfertigung
  11. Metallschleifer und Metallpolierer
  12. Metallsägen-Schärfer
  13. Tankschutzbetriebe (Korrosionsschutz von Öltanks für Feuerungsanlagen ohne chemische Verfahren)
  14. Fahrzeugverwerter
  15. Rohr- und Kanalreiniger
  16. Kabelverleger im Hochbau (ohne Anschlussarbeiten)
  17. Holzschuhmacher
  18. Holzblockmacher
  19. Daubenhauer
  20. Holz-Leitermacher (Sonderanfertigung)
  21. Muldenhauer
  22. Holzreifenmacher
  23. Holzschindelmacher
  24. Einbau von genormten Baufertigteilen (z. B. Fenster, Türen, Zargen, Regale)
  25. Bürsten- und Pinselmacher
  26. Bügelanstalten für Herren-Oberbekleidung
  27. Dekorationsnäher (ohne Schaufensterdekoration)
  28. Fleckteppichhersteller
  29. (weggefallen)
  30. Theaterkostümnäher
  31. Plisseebrenner
  32. (weggefallen)
  33. Stoffmaler
  34. (weggefallen)
  35. Textil-Handdrucker
  36. Kunststopfer
  37. Änderungsschneider
  38. Handschuhmacher
  39. Ausführung einfacher Schuhreparaturen
  40. Gerber
  41. Innerei-Fleischer (Kuttler)
  42. Speiseeishersteller (mit Vertrieb von Speiseeis mit üblichem Zubehör)
  43. Fleischzerleger, Ausbeiner
  44. Appreteure, Dekateure
  45. Schnellreiniger
  46. Teppichreiniger
  47. Getränkeleitungsreiniger
  48. Kosmetiker
  49. Maskenbildner
  50. Bestattungsgewerbe
  51. Lampenschirmhersteller (Sonderanfertigung)
  52. Klavierstimmer
  53. Theaterplastiker
  54. Requisiteure
  55. Schirmmacher
  56. Steindrucker
  57. Schlagzeugmacher

Dienstleistungen

Wer andere Dienstleistungen anbietet, braucht einen entsprechenden Betrieb nicht bei der Handwerkskammer anzuzeigen.


Titelbild Copyright: Arek Socha – Pixabay