Die Auftragslage bei den Gerüstbauern ist gut, daher liegt es nahe, sich in dieser Branche selbstständig zu machen. Laut Geschäftsbericht der Sozialkasse des Gerüstbaugewerbes 2017, sank die Zahl der Betriebe von 2.928 (2016) auf 2.898 (2017), die Zahl der Beschäftigten stieg im gleichen Zeitraum an.

Die Konkurrenz- und Marktlage für Gerüstbauer

Bedingt durch die gute Auftragslage im Baugewerbe und die Ausweitung des Tätigkeitsfelds der Gerüstbauer dürfen Existenzgründer mit einem guten Start ins Geschäftsleben rechnen.

Aktuell ist die Nachfrage nach Gerüstbauern sehr groß und ein solide aufgestelltes Unternehmen dürfte unabhängig von der Konkurrenzsituation Erfolg haben. Lediglich wer sich auf Kleinaufträge im Bereich privater Bauten beschränkt, hat mit Konkurrenz von Betrieben zu rechnen, die überwiegend Fassadensanierungen oder Malerarbeiten anbieten. Gründer sollten sich mit diesen Fragen befassen:

  • Wie viele Betriebe in der Region bauen welche Art von Gerüsten?
  • Welche Schwerpunkte decken die ansässigen Unternehmen nicht ausreichend ab?
  • Wie viel Bedarf ist vorhanden (Neubau, energetische Sanierung und Tribünenbau)?

Fachliche Voraussetzungen für die Existenzgründung als Gerüstbauer

Das Gerüstbauhandwerk gehört seit dem 1. April 1998 zu den Vollhandwerken, die in der Handwerksordnung (HWO), Anlage A genannt sind.

Es herrscht für selbständige Gerüstbauer die Meisterpflicht
Einige Ausnahmen ermöglichen die Gründung eines Gerüstbaubetriebs auch, wenn der Inhaber keinen Meisterbrief hat.

Sinnvolle fachliche Ausbildung für Gerüstbauer
Besonders wenn großer Bauten errichtet werden sollen, ist eine Weiterbildung zum geprüften Gerüstbaukolonnenführer oder Techniker sinnvoll. Einige Auftraggeber bestehen auf einer solchen Qualifikation. Gesetzliche Regelungen über die Meisterpflicht hinaus gibt es aber nicht.

Kosten

Damit das Unternehmen eine solide finanzielle Basis hat, ist ein Businessplan unbedingt erforderlich. In diesem Rahmen sind die zu erwartenden Einnahmen, abgeleitet von der Auftragslage, und der Kapitalbedarf konkret zu ermitteln. Die Handwerkskammern, die Bundesagentur für Arbeit und Gründungsberater helfen bei Erstellen, sowie beim Beantragen von Krediten und Fördermitteln.

Kosten für die Grundausstattung

Grob sollte für die Neugründung eines Gerüstbaubetriebs mit einem Startkapital von mindestens 80.000 Euro gerechnet werden. Da die ersten Aufträge nicht sofort zu erwarten sind, ist auch ein finanzielles Polster für die ersten Monate einzuplanen.

Fahrzeug

Gerüstbauer benötigen mindestens einen Lkw für ihre Arbeiten. Ein neuer Lkw dürfte mit 70.000 Euro bis 100.000 Euro einzuplanen sein. Zusätzlich benötigt der Betrieb einen Pkw, der mit etwa 20.000 Euro zu Buche schlägt.

Generell ist Leasing für Neugründer sinnvoll, da es die Liquidität und das Rating verbessert sowie steuerliche Vorteile bringt.

Leasing Sonderzahlung
Statt eine Kaufsumme aufbringen zu müssen, muss der Existenzgründer zunächst nur eine Sonderzahlung leisten. Diese reduziert den Gewinn und senkt die regelmäßig zu zahlenden Leasingraten. Bei Betrieben, die lediglich Einnahmen-Überschussrechnung erstellen müssen, ist diese sofort abziehbar, bilanzierungspflichtige Unternehmen müssen sie auf die Leasingzeit verteilen.

Die genauen Konditionen hängen vom Leasinggeber ab, dieser berücksichtigt die Art des Fahrzeugs und die Bonität des Leasingnehmers.

Für einen neuen Lkw liegt die Sonderzahlung bei 5.000 bis 20.000 Euro, für einen Pkw ist mit 1.000 bis 5.000 Euro zu kalkulieren.

Fahrzeugeinrichtung / Innenausbau
Gerüstbauer benötigen für das Fahrzeug meist keinen Sonderaufbau und keine besondere Inneneinrichtung. Lediglich Material für die Ladungssicherung ist erforderlich. Dies kostet zwischen 200 und 500 Euro.

Folierung
Eine Beschriftung über Folien oder Magnettafeln ist wichtig, damit potenzielle Auftraggeber sofort erkennen, welches Unternehmen an einer Baustelle tätig ist. Sie unterstreicht auch die Seriosität der Firma. Hierfür sind 150 bis 500 Euro einzuplanen

Werkzeug

Die Werkzeugliste eines Gerüstbauers ist übersichtlich.

  • Holster oder Gürteltasche
  • Lattenhammer
  • Ratsche
  • Spezialnuss
  • Wasserwaage
  • Säge

Pro Mitarbeiter sind etwa 200 Euro für die Werkzeug zu veranschlagen. Der Betrieb braucht zusätzlich Mess- und Prüfgeräte, wie:

  • Kreuzlinien-Laser (etwa 100 Euro)
  • Laserentfernungsmesser (etwa 500 Euro)
  • Verankerungsprüfgerät (etwa 400 Euro)

Dieser Posten ist mit 1.000 bis 1.500 Euro zu kalkulieren.

Gerüste

Den größten Posten bei der Gründung macht die Grundausstattung mit Gerüsten aus. Für Fassadengerüste sind 20 bis 150 Euro pro Quadratmeter zu veranschlagen. Die Preise hängen von der Höhe und vom System ab. Baugerüste kosten etwa ein Drittel mehr.

Um einen guten Service zu bieten, muss ein Gerüstbauer über 10.000 Euro einplanen, um sich mit ausreichend Material zu versorgen.

Kleidung

Übliche Arbeitskleidung wie Latzhose, Jacke oder Overall reicht im Gerüstbau aus. Zusätzlich sind Schutzhandschuhe wichtig, ebenso wie wetterfeste Jacken und Hosen, da der Gerüstbauer ausschließlich im Freien arbeitet.

Da Gerüstbauer meist auf Baustellen tätig sind brauchen Sie meist auch Sicherheitsschuhe nach DGUV-Regel 112-191l, der Klasse S1P (öl- und benzinresistente Sohle, Durchtrittsicherheit) oder höher sowie einen Schutzhelm.

Hier sind etwa 500 Euro pro Mann an Kosten einzukalkulieren.

Auf Sicherheit achten
Je nach Arbeitsfeld sind Absturzsicherungen nötig. Gurte und Seile gehören daher meist zur üblichen Ausrüstung.

Hinweis: Berufskleidung, die sich nicht für den privaten Gebrauch eignet lässt sich als Betriebsausgabe absetzen.

Büro / Computer

Der Gerüstbauer arbeitet selten im Büro und benötigt daher meist keinen Büroraum. Computer, Drucker und Telefon reichen für die Kommunikation mit dem Kunden und das Erstellen von Rechnungen. 300 bis 500 Euro kostet die erste Ausstattung.

Geschäftsausstattung: Briefpapier, Logo und Visitenkarten

Ein seriöses Auftreten und das Wiedererkennen sind im Gerüstbau von großer Bedeutung. Daher sollte sich der Betrieb gleich zu Beginn eine professionelle Geschäftsausstattung zulegen. Dazu gehören Logos, eigenes Briefpapier, Visitenkarten. Das Logo gehört auch auf die Fahrzeuge, die Homepage des Betriebes und die Kleidung.

Gründerpakete, die einige Grafikagenturen und Webdesigner anbieten beinhalten eine Beratung und eine Gestaltung des Logos. Kosten von mindestens 500 Euro können hierfür anfallen.

Lager

Gerüste nehmen viel Platz in Anspruch, benötigen aber keinen Lagerraum. In der Regel reicht ein umfriedeter Platz und ein Schuppen für das Lagern der Kleinteile. Hier ist mit vergleichsweise geringen Kosten für den Lagerplatz zu rechnen.

Laufende Kosten

Bei der Gründungskalkulation eines Gerüstbaubetriebs sind die laufenden Kosten zu berücksichtigen. Im ersten halben Jahr ist nicht damit zu rechnen, dass die Einnahmen diese decken. Da zumindest eine Teilzeitkraft nötig ist, betragen die monatlichen Kosten mindestens 5.000 Euro im Monat.

Mitgliedschaften

Selbständiger Gerüstbauer unterliegen der Mitgliedsverpflichtung einer Handwerkskammer (HWK), der Sozialkasse des Gerüstbaugewerbes (SOKA)und der Berufsgenossenschaft.

Handwerkskammer
Die Beiträge hängen vom Gewinn des drittvorangegangenen Jahres ab. Zunächst ist in der Regel ein Mindestbeitrag von etwa 130 Euro fällig.

Hinweis: Die Kammern erheben reduziere Beiträge bei Existenzgründer, also Einzelunternehmern, die erstmalig ein Gewerbe anmelden.

Sozialkasse des Gerüstbaugewerbes
Die Kasse stellt Mittel für Urlaubsgeldansprüche, Lohnausgleich, Überbrückungsgeld, Berufsbildung, Insolvenzsicherung von Arbeitszeitkonten und Zusatzversorgungen zur Verfügung. Hier muss der Betrieb 25 Prozent der Bruttolohnsumme aller gewerblichen Arbeitnehmer abführen. Für technische/kaufmännischen Angestellten sind 11,00 Euro für jeden vollen Monat des Beschäftigungsverhältnisses zu entrichten.

Berufsgenossenschaft
Die BG BAU – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft ist zuständig für alle Gerüstbauer. Sie deckt das Risiko von Berufsunfällen und Berufskrankheiten ab. Außerdem hilft sie bei Fragen zu Sicherheit des Betriebs. Die Beiträge orientieren sich an den Gefahren und den Löhnen. Derzeit beträgt sie 15,12 Euro für den Hochbau.

Innungen
Der Beitritt in die Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk K.d.ö.R. Ist freiwillig. In ihm sind etwa 200 Betriebe organisiert. Die Innung bietet neben der Beratung ihrer Mitglieder auch vergünstigte Einkäufe bei Partnerbetrieben.

Personal

Ohne eine Hilfskraft lässt sich kein Gerüstbaubetrieb betreiben. Mit Lohnnebenkosten sind mindestens 2.000 Euro zu veranschlagen, für eine Vollzeitkraft ergeben sich weitaus höhere Kosten.

Fahrzeug

Die meisten Kosten für die Fahrzeuge fallen auch an, wenn diese stehen und noch keine Aufträge zu erledigen sind.

Leasing
Ein Leasingfahrzeug gehört nicht zum Bestand des Betriebes, sondern bleibt Eigentum des Leasinggebers. Der Betrieb zahlt für die Überlassung Leasingraten. Diese reduzieren den Gewinn, da sie Betriebsausgaben darstellen.

Für einen neuwertigen Lkw sind meist zwischen 1.000 und 5.000 Euro im Monat zu zahlen. Ein älterer Wagen oder ein Pkw ist bereits für Leasingraten zwischen 200 und 500 Euro erhältlich.

Kraftstoff / Benzin
Abhängig vom Einzugsgebiet müssen Gerüstbauer mit einer Fahrleistung von 1.500 bis 3.000 Kilometern im Monat zu rechnen. Dies bedeutet etwa 300 bis 600 Euro an Treibstoffkosten.

Kfz-Steuer
Die Kfz-Steuer ist ab dem Tag der Zulassung für ein ganzes Jahr fällig. Für diesen Posten sind zwischen 200 und 1000 Euro einzuplanen. Die Höhe des Steuersatzes richtet sich nach der Schadstoffklasse und dem Gesamtgewicht.

Versicherung
Generell ist eine Vollkaskoversicherung mit einer geringen Selbstbeteiligung zu empfehlen, damit der Betrieb sich im Schadendfall rasch ein Ersatzfahrzeug beschaffen kann. Leasinggeber bestehen in der Regel auf dem Abschluss einer solchen Versicherung.
Die Gesellschaften kalkulieren die Tarife nach Typklasse, der Schadensfreiheitsklasse des Versicherungsnehmers und den jährlich gefahrenen Kilometern. Auch die Zahl der Fahrer und der Abstellort fließen in den Beitrag ein. Jährlich kostet die Versicherung der Fahrzeuge zwischen 800 und 1.200 Euro.

Verschleiß / Wartung
Die Wartungskosten eines Lkws sind recht hoch, denn er muss jährlich zu einer Hauptuntersuchung und je nach Gesamtgewicht alle sechs Monate zu einer Sicherheitsprüfung. Allein für diese Prüfungen sind 200 bis 500 Euro im Jahr zu veranschlagen.
Regelmäßige Arbeiten wie Ölwechsel, Austausch von Verschleißteilen wie Reifen und Bremsen und unerwartete Reparaturen, sollten Existenzgründer mit 3.000 Euro jährlich einplanen.

Versicherungen

Die genannte Pflichtversicherung Berufsgenossenschaft und SOKA decken nicht alle Risiken ab. Zusätzlich besteht für Handwerker die Pflicht zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Hierfür sind 400 bis 800 Euro monatlich zu veranschlagen.

Freiwillig sollte jeder Betrieb eine Haftpflicht-, eine Inhalts- sowie eine Betriebsunterbrechungsversicherung abschließen. Diese kosten etwa 100 bis 300 Euro im Monat.

Miete / Nebenkosten / Strom / Wasser / Telefon

Die Miete eines Lagerplatzes, Strom, Wasser und Telefon fallen monatlich an. Grob geschätzt handelt es sich um einen Betrag von 500 bis 1.000 Euro.

Marketing

Natürlich muss auch ein Gerüstbauer Werbung machen. Er sollte in eine Webseite, Flyer und Plakate am Gerüst investieren.

Webseite
Eine gute Webseite erstellen Webdesigner zu für Kosten zwischen 200 und 1.000 Euro. Selbstverständlich gelten die niedrigsten Kosten nur für eine einfache Web-Visitenkarte. Um das Ranking zu verbessern sind regelmäßige SEO-Maßnahmen notwendig, die monatlich etwa 30 bis 80 Euro kosten.

Werbung online / offline
In den ersten Jahren ist Durchhaltevermögen gefragt und eine beständige Akquise über Flyer und persönliche Gespräche, denn vieles läuft bei Gerüstbauern über Mund-zu-Mund-Propaganda. Wer ordentlich arbeitet, wird weiterempfohlen. Das Werbematerial wie Flyer kosten etwa 50 bis 100 Euro für ein Starterpaket.

Auch Handwerkerplattformen im Netz, wie beispielsweise MyHammer sind eine gute Anlaufstelle, um den Betrieb Neukunden vorzustellen und sie auf diese Weise zu gewinnen.

Checkliste: Als Gerüstbauer selbständig machen

  1. Sind die fachlichen Voraussetzungen erfüllt? -> Meisterpflicht
  2. Höhe des nötigen Gründungskapitals ermitteln und beschaffen. Businessplan erstellen, um Gründungszuschuss zu bekommen.
  3. Gewerbe anmelden
  4. Bei der Handwerkskammer, SOKA und Berufsgenossenschaft melden
  5. Wenn gewünscht, Mitglied in der Innung werden.
  6. Geschäftsausstattung in Auftrag geben
  7. Gerüste, Werkzeug und Arbeitskleidung beschaffen
  8. Werbung für den Betrieb machen
  9. Aufträge annehmen und Termine bei den Kunden planen

Materialbeschaffung

Im Internet bieten viele Firmen hochwertige gebrauchte Gerüste an. Auch die Innung und der Handwerkskammer kann helfen.

Spezialisierungen im Bereich Gerüstbau

Gerüstbauer können sich auf bestimmte Bauten spezialisieren, beispielsweise den Bau von Tribünen oder Spezialgerüsten, die freitragend an Türmen befestigt sind.

Zertifizierungen
Verschiedene Institutionen bieten Sicherheitszertifizierungen an, beispielsweise um Gerüste zu überprüfen. Solche Zertifikate haben nicht alle Betriebe. Sie stellen einen Wettbewerbsvorteil dar, daher lohnt sich die Zertifizierung.

Bekannt ist auch das AMS-Bau Zertifikat, welches das Einhalten der Forderungen der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft im Bereich Arbeitsschutz und Sicherheit bestätigt.
Eine Präqualifizierung PQ-VOB ist nötig, um an öffentlichen Bauaufträgen mitwirken zu dürfen.


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