Bei der Gründung eines Handwerksunternehmens sind die meisten Gründer auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Es gibt viele Förderungsangebote für Handwerker auf deutschlandweiter und auch regionaler Ebene. Die wichtigsten Förderungsangebote gibt es hier im Überblick.

Meister-BAFÖG

Das Meister-BAföG ist eine sogenannte Aufstiegsförderung nach dem Aufstiegsfortbildungsgesetz (AFBG). Ziel dieser Förderung ist es, die Existenzgründungsrate zu erhöhen. Das Meister-BAföG wird aus einem Zuschuss und einem zinsgünstigen Darlehen der KfW finanziert. Anders als beim BAföG für Studenten, gibt es beim Meister-BAföG keine Altersbeschränkung.
Um die Förderung zu erhalten, muss die Fortbildung einen Abschluss über dem Niveau eines Facharbeiter-, Gesellen-, Gehilfen- oder Berufsabschlusses liegen. Die Höhe der Leistungen ist nach den Bedarfssätzen des BAföG geregelt.
Das Meister-BAföG wird grundsätzlich aus zwei Bestandteilen gewährt: Zum einen aus einem Zuschuss, der den geringeren Teil der Förderung ausmacht und zum anderen aus einem Darlehensanteil, der durch die KfW-Bank finanziert wird. Der jeweilige Darlehens- und Zuschussanteil hängt von der Förderungsart und der familiären Situation des Antragstellers ab.
Bei einer Vollzeitmaßnahme beträgt die Förderungsdauer höchstens 24 Monate und bei einer Teilzeitmaßnahme höchstens 48 Monate. In bestimmten Ausnahmesituationen erhöht sich die Förderungsdauer um weitere 12 Monate. Die Frist der Förderungsdauer beginnt mit der Aufnahme der Fortbildung oder frühestens mit dem Monat der Antragstellung.

Weiterbildungsspipendium

Eine Alternative zum Meister-BAföG ist das Stipendium, das auf drei Jahre und eine Förderung von höchstens 6.000 Euro begrenzt ist. Mindestens zehn Prozent der Weiterbildungskosten müssen allerdings selbst bezahlt werden.
Voraussetzung: Zu Förderbeginn darf der Stipendiat noch keine 25 Jahre alt sein. Wehr- und Zivildienst kann die Altersgrenze um drei Jahre verschieben.
Förderfähig sind berufsbegleitende Weiterbildungen. Qualifiziert sind Bewerber, die ihre Berufsabschlussprüfung mit mindestens 87 Punkten, beziehungsweise der Note „gut“ bestanden haben. Ein Rechtsanspruch auf das Stipendium besteht nicht. Ansprechpartner ist die jeweilige die Handwerkskammer.

Gründungszuschuss

Eine Förderung für die Neugründung eines Handwerksunternehmens kann erfolgen, wenn durch die Aufnahme der selbständigen Tätigkeit die Arbeitslosigkeit beendet wird. Die Förderung ist eine Ermessensleistung, die Entscheidung hierfür wird von der Agentur für Arbeit getroffen.
Es handelt sich um eine nicht rückzahlbare Förderung, die in den ersten sechs Monaten der Gründung Unterstützung bietet. Die Förderung ist auch möglich, wenn ein Handwerksunternehmen übernommen wird, beispielsweise im Rahmen einer Nachfolgeregelung.
Wie oben geschrieben wird der Gründungszuschuss nach Ermessen des Arbeitsamtes gewährt. Ein strukturierter und stimmiger Businessplan ist Pflicht. Es muss ein Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen bestehen.

KfW Gründerkredit Startgeld

Der Existenzgründerkredit ist für Selbständige im Handwerk gedacht und kann bis zu 100.000 Euro betragen. Das reicht für eine normale Handwerksgründung aus. Es gilt das sogenannte Hausbankprinzip, die persönliche Bank prüft den Businessplan und leitet in dann an die KfW-Bank weiter.

Meistergründungsprämie

Die Meistergründungsprämie ist ein Zuschuss von 7.500 Euro, der nicht zurückgezahlt werden muss. So wird die Finanzierung der Selbständigkeit bei Handwerksunternehmen mit Meisterbrief erleichtert. Sein Businessplan ist für den Antrag Pflicht.

Unterstützungsangebote der Bundesländer

Neben übergreifenden staatlichen Fördermitteln gibt es für Existenzgründer im Handwerk und auch für bereits etablierte Handwerksbetriebe, viele regionale Unterstützungsangebote in den einzelnen Bundesländern.
Die meisten Kredite und Förderungen werden in den ersten fünf Jahren nach Gründung oder Übernahme eines Handwerksbetriebs gewährt. Die Förderungen können sowohl in Form von Zuschüssen, Darlehen oder auch Bürgschaften vergeben werden. In der jeweiligen Richtlinie des Förderprogramms ist geregelt, wer und was gefördert werden kann und wie hoch die Förderung minimal und maximal ausfallen kann.
Die aufgeführte Liste beinhaltet die wichtigsten Förderprogramme, es besteht aber keine Garantie auf Vollständigkeit. Die regionalen Handwerkskammern unterstützen bei der Suche nach den passenden Förderprogrammen und Kreditangeboten zur Existenzgründung.

Baden-Württemberg

Startfinanzierung 80 der L-Bank:
Es handelt sich um ein zinsverbilligtes Darlehen, das zugleich als 80-prozentige Bürgschaft fungiert. Förderhöhe sind maximal 200.000 Euro und der Antrag muss innerhalb von fünf Jahren nach Betriebsgründung gestellt werden. Förderfähig sind Investitionen, das Betriebsgebäude, Baumaßnahmen oder die Erstausstattung.

Bayern

Auch in Bayern gibt’s einige Fördermöglichkeiten für Handwerker, die sich selbständig machen möchten.
Startkredit
Das Land Bayern und das Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie (StMWi) bieten in Zusammenarbeit mit der LfA Förderbank Bayern einen Startkredit mit einer Förderhöhe von mindestens 10.000 Euro an. Zielgruppe sind Gründer kleiner und mittlerer gewerblicher Unternehmen. Mit dem Darlehen können bis zu 100 Prozent der förderfähigen Investitionen finanziert werden- Der Startkredit bietet sehr günstige Zinskonditionen und bietet kurze und lange Laufzeiten, auch mit Tilgungsfreijahren. Der Antrag kann über die LfA-Hausbank gestellt werden.
Beteiligungskapital für Gründer
Auch wird von den gleichen Unternehmen ein Beteiligungskapital für Gründer angeboten mit einer Förderung von 20.000 bis 25.000 Euro-

Berlin

Meistergründungsprämie
Die Meistergründungsprämie bekommen Handwerksmeister, die sich innerhalb von drei Jahren nach ihrem Abschluss in Berlin selbständig machen. Die Förderhöhe beträgt einmalig 7.000 Euro. Sie kann bei der Handwerkskammer in Berlin beantragt werden.

Brandenburg

Mikrokredit
Wer als Handwerker in Brandenburg einen Betrieb neu gründen oder übernehmen möchte, kann vom sogenannten Mikrokredit profitieren, den das Bundesland und die Investitionsbank des Landes (ILB) zu vergünstigten Konditionen anbietet. Auch nebenberufliche Handwerksgründungen werden unterstützt, wenn sie darauf ausgelegt sind, langfristig hauptberuflich ausgeführt zu werden. Der Höchstbetrag des Mikrokredites liegt bei 100.000 Euro. Er kann bis drei Jahre nach Betriebsgründung beantragt werden, aber nur wenn das ERP-Gründerkredit-Start-Geld nachweislich von der jeweiligen Hausbank abgelehnt wurde.

Hessen

Gründungs- und Wachstumsfinanzierung Hessen
In Hessen bekommen Gründer im Handwerk in den ersten fünf Jahren der Selbständigkeit eine Förderung der WI-Bankmit dem Namen Gründungs- und Wachstumsfinanzierung Hessen. Der Höchstbetrag des Förderkredits liegt bei 2.000.000 Euro.

Mecklenburg-Vorpommern

Meisterprämie
Das Land fördert Handwerksmeister mit einem Zuschuss zum Lebensunterhalt. Ziel ist eine Erhöhung der Anzahl von Existenzgründungen, um die Wirtschaftskraft des Landes zu stärken. Der Antrag ist vor der Gründung zu stellen.

Niedersachsen

Niedersachsen-Gründerkredit
Mit diesem Kredit bekommen Handwerker Förderungen für Investitionen, Betriebsmittel und Festigungsmaßnahmen innerhalb der ersten fünf Jahre der Gründung. Der Kredit kann maximal 500.000 Euro betragen und wird zinsvergünstigt angeboten. Das Land Niedersachsen subventioniert die Zinsen.
MikroSTARTer Niedersachsen
Hierbei handelt es sich um einen Mikrokredit den Handwerker für ihre Gründung in Voll- oder Teilzeit beantragen können oder auch bei Betriebsübernahme. Wichtig: Es muss sich um ein Kleinstunternehmen handeln mit weniger als zehn Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von höchstens 200.000 Euro. Ein Finanzplan mit aufgezeigter Finanzierungslücke muss hierfür vorliegen. Die Finanzierung kann zwischen 5.000 und 25.000 Euro betragen.

Nordrhein-Westfalen

Meistergründungsprämie NRW
Wer sich in Nordrhein-Westfalen als Handwerker selbständig machen möchte, kann sich von der Meistergründungsprämie fördern lassen. Voraussetzung: Es muss sich um eine Erstgründung handeln. Die Förderhöhe beträgt 7.500 Euro und der Antrag muss bei der zuständigen Handwerkskammer gestellt werden.
StarterScheck Handwerk NRW
Mit dieser Gründungsförderung können Handwerksgründer oder Handwerker die einen Betrieb übernehmen möchten, eine Ausfallbürgschaft von bis zu 200.000 Euro bei der NRW-Bank beantragen. Bedingung: Der Antrag muss in den ersten drei Jahren der Selbständigkeit gestellt werden.
Gründerstipendium NRW
Das Gründerstipendium unterstützt innovative Geschäftsideen am Anfang einer Existenzgründung mit einem monatlichen Stipendium in Höhe von 1.000 Euro pro Monat für maximal ein Jahr, um den Start zu erleichern. Begleitet wird dies durch ein individuelles Coaching, unterstützt vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Rheinland-Pfalz

ERP-Gründerkredit RLP
Der RLP-Kredit entspricht grob dem überregionalen ERP-Gründungskredit der KfW-Bank. In der regionalen Variante bietet das Land für Handwerker und andere Existenzgründer vergünstigte Kreditkonditionen. Der Kredit ist zur Förderung von Investitionen und Betriebsmitteln bestimmt. Die Förderhöhe beträgt maximal 2.000.000 Euro beziehungsweise 500.000 Euro.

Saarland

Startkapitalprogramm des Saarlandes
Dieses Förderprogramm ermöglicht die Aufnahme von Krediten bei der Saarländischen Investitionskreditbank AG (SIKB) zu vergünstigten Zinssätzen. In den ersten zwei oder drei Jahren übernimmt das Bundesland die Zinsen. Die maximale Förderhöhe beträgt 25.000 Euro (80 Prozent der Gesamtfinanzierung) und kann für Sachinvestitionen, Betriebsmittel oder den Kauf eines Handwerksbetriebes genutzt werden.
Gründungs- und Wachstumsfinanzierung Saarland
Vergünstigte Zinssätze gibt es auch bei der Gründungs- und Wachstumsfinanzierung, die ebenfalls von der Saarländischen Investitionskreditbank AG (SIKB) unterstützt wird. Die Finanzierungshöhe kann bis zu 2.000.000 Euro betragen und darf innerhalb der ersten fünf Jahre nach Gründung des Handwerksbetriebs beantragt werden.

Sachsen

GRW-Investitionszuschuss
Dieser Gründerzuschuss ist eine staatliche Förderung des eigenen Betriebs. Es handelt sich um ein Investitions- sowie Betriebsmitteldarlehen mit Zinsverbilligung für Jungunternehmer im Handwerk.

Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt IMPULS
Dabei handelt es sich um ein Mittelstands- und Gründerdarlehen von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt, das Handwerker in verschiedenen Phasen ihrer Selbständigkeit unterstützen soll. Mögliche Investitionen sind beispielsweise die Auftragsvorfinanzierung, Investitionen ins Betriebsgebäude oder in Maschinen. Mindesthöhe 10.000 Euro und maximal 500.00 Euro.
ego.START
Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt gewährt in Kooperation mit dem Bundesland, Gründern im Handwerk einen Zuschuss zur Sicherung des Lebensunterhaltes und unterstützt individuelle Maßnahmen zur Weiterqualifikation.

Thüringen

Thüringen-Invest
Die Thüringer-Aufbaubank bietet einen Zuschuss, der bei 20 Prozent der zuschussfähigen Kosten liegt, maximal jedoch bei 50.000 Euro. Dieser kann mit einem zinsverbilligten Darlehen kombiniert werden, das bis zu einer Höhe von 200.000 Euro vergeben wird.


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