Jeder, der sich zutraut Fliesen zu verlegen, kann einen entsprechenden Betrieb gründen. Damit das Unternehmen von Erfolg gekrönt ist, sollte aber ein hohes Maß an fachlichem Können vorhanden sein. Auch Kenntnisse im Sanitärwesen oder als Bodenleger sind von Vorteil.

Fachliche Voraussetzungen für eine Existenzgründung als Fliesenleger

Seit der Reform der Handwerksordnung in den Jahren 2003/2004 ist die Meisterpflicht für Fliesenleger aufgehoben.

Aktuelle Info - September 2019

Achtung Gründer ohne Meisterbrief

Jetzt noch schnell Fliesenleger-Betrieb gründen – vor Wiedereinführung der Meisterpflicht!

Pläne der Bundesregierung sehen vor, ab Anfang 2020 die Meisterpflicht für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger wieder einzuführen.
Wer bis dahin einen Fliesenleger-Betrieb gegründet hat und keinen Meisterbrief besitzt, der muss nach den aktuellen Plänen keine nachträgliche Prüfung oder ähnliches fürchten.

Das Handwerk ist in der Anlage B der HWO verzeichnet. Um einen Betrieb als Fliesenleger zu gründen, reicht eine Anmeldung beim zuständigen Gewerbeamt sowie ein Antrag bei der Handwerkskammer den Betrieb als zulassungsfreies Handwerk einzutragen.

Besonders im Hinblick auf die Tatsache, dass heute viele Fliesenlegerbetriebe von Handwerkern geführt werden, die keinerlei Ausbildung in diesem Beruf haben, ist eine gute Qualifizierung sehr wertvoll. Um Erfolg zu haben, sind kreative Ideen wichtig sowie ein korrektes fachliches Umsetzen der Vorstellungen des Kunden.

Die Konkurrenz- und Marktlage richtig einschätzen

Der Fachverbandes Fliesen und Naturstein im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) weist darauf hin, dass sich die Zahl aufgrund des Wegfalls der Meisterpflicht dramatisch erhöht hat. Während 2004 lediglich 12.401 Betriebe dem Gewerk nachgingen, waren es 2015 bereits 71.142 Betriebe. Die Konkurrenz ist groß und nur wer sich aus der Masse hervorhebt, hat eine Chance.

Angesichts der hohen Betriebsdichte und der Tatsache, dass viele Firmen auch überregional arbeiten, kommt es in erster Linie darauf an, einen preisgünstigen Standort zu finden.
Allerdings muss davor gewarnt werden ausschließlich über einen günstigen Preis zu konkurrieren, denn alle Betriebe haben die Option mit geringen Fixkosten zu kalkulieren.

Wer ein größeres Gesamtkonzept anbieten kann, hat die besten Chancen am Markt. Es lohnt sich mit Heizungsbauern oder Sanitärinstallateuren zusammenzuschließen, um beispielsweise Fußbodenheizung und Bodenbelag oder Komplettbäder anzubieten. Auch eine kunstvolle Wand- oder Bodengestaltung anzubieten, ist lohnenswert.

Da nur wenige Betriebe von hoch qualifizierten Fliesenlegern geführt werden, besteht ein Mangel an Fachkräften, die schwierige Verlegemuster beherrschen. Gute ausgebildete Fliesenleger haben daher die größten Chancen mit einem eigenen Betrieb Erfolg zu haben.

Die Nachfrage nach Fliesenlegern lässt sich generell schwer abschätzen, da die meisten Aufträge aus privater Hand kommen und niemand den Häusern von außen ansieht, ob bald Fliesen verlegt werden.

Gründungskosten eines Fliesenlegerbetriebs

Wer zunächst als Ein-Personen-Unternehmen beginnen will, benötigt ein recht geringes Gründungskapital. Gründer, die zu Anfang auf Großaufträge verzichten, kommen mit 5.000 bis 10.000 Euro aus. Allerdings sollte auch eine Rücklage vorhanden sein, um die ersten Monate ohne nennenswerte Aufträge zu überbrücken.

Kosten für die wichtigsten Werkzeuge

Viele Werkzeuge kosten weniger als zehn Euro. Fliesenlegerschwamm, Zollstock, Bleistifte, Eimer, Quast, Glättkelle, Zahnkellen, Mörtelkübel und ähnliches sind oft ohnehin bereits vorhanden oder in jedem Baumarkt für wenig Geld erhältlich.

Rührquirl, Fliesenschneider, Fliesenzange, Spezialbohrer sowie Sägen und Winkelschleifer sollten etwas höherer Qualität sein.

Insgesamt sind für 2.000 bis 3.000 Euro Werkzeuge erforderlich. Da der Fliesenleger oft Kleber und Fliesen zunächst meist auf eigene Rechnung kaufen muss, ist hierfür je nach Auftragsgröße mit weiteren 1.000 bis 3.000 Euro zu rechnen.

Kosten für Lager, Büro- / Werkstattraum und Fahrzeug

Fliesenleger haben generell den Vorteil, dass sie weder ein Büro noch eine Werkstatt benötigen. Ein Schreibtisch in der Wohnung und eine Garage reichen aus. Wer bereits ein größeres Auto besitzt, kann diesen in der ersten Zeit nutzen. Ein Pkw-Kombi, um Werkzeuge und Material zum Kunden zu transportieren genügt. Unter Umständen ist der Kauf eines gebrauchten Fahrzeuges für zirka 5.000 bis 15.000 Euro notwendig. Wer einen Neuwagen bevorzugt, sollte diesen Leasen.

Laufende Kosten

Bei den laufenden Kosten ist zwischen den Fixkosten zu unterscheiden, die auch dann anfallen, wenn der Betrieb keine Aufträge hat und den variablen Kosten. Im Schnitt ist mit 300 bis 500 Euro zuzüglich der eigenen Lebenshaltung zu kalkulieren.

Laufende Fixkosten im Detail

Die Handwerkskammer und die IHK verlangen meist lediglich 10 bis 20 Euro im Monat. Teurer sind die Beiträge für die notwendigen Betriebsversicherungen. Die Betriebshaftlichtversicherung und die Kfz-Versicherung sind mit 50 bis 100 Euro zu veranschlagen.

Jeder Selbstständige ist verpflichtet eine Kranken- und Pflegeversicherung abzuschließen. Da Fliesenleger nicht zu den zulassungspflichtigen Gewerben gehören, besteht keine Pflicht, sich über die gesetzliche Rentenversicherung abzusichern. Allerdings sollte kein Selbstständiger länger als drei Jahre auf eine angemessene Vorsorge für das Alter verzichten. Insgesamt ist mit 250 bis 300 Euro für die soziale Absicherung zu rechnen.

Variable Kosten berücksichtigen

Sobald ein Auftrag zu erledigen ist, sind Fahrten mit dem Fahrzeug erforderlich. Allein für das Tanken können schnell 100 bis 200 Euro im Monat anfallen, besonders wenn die Baustelle nicht in der Nähe des Betriebs liegt.

Wer einen größeren Auftrag annimmt, muss unter Umständen eine Aushilfe beschäftigen. Deren Lohn muss der Fliesenleger fast immer vorfinanzieren, denn er bekommt das Geld vom Kunden erst nach Abschluss der Arbeiten.

Die eigene Lebenshaltung nicht vergessen

Viele Existenzgründungen scheitern, weil der Gründer diesen Posten vergessen hat. Er muss die Kosten für Miete, Lebensmittel und Kleidung jeden Monat zur Verfügung haben.

Beachtenswertes

Die Vielzahl von Fliesenlegerbetrieben, die sich einen engen Markt teilen, hat zu einer besonderen Konkurrenzsituation geführt.

Typisch für das Gewerk ist, dass es nur etwa 27.000 angestellte Fliesenleger gibt, aber über 70.000 Firmen. Nur ein Drittel der Betriebe ist umsatzsteuerpflichtig, von diesen verzeichnen etwa 70 Prozent einen Umsatz von unter 250.000 Euro. Die Mehrzahl der Betriebe sind Kleinbetriebe, viele arbeiten ohne Festangestellte. Leider kalkulieren diese Betriebe die Preise selten nach kaufmännischen Gesichtspunkten, sondern versuchen durch Dumpingpreise Aufträge an Land zu ziehen.

Langfristig hat nur Erfolg, wer solide kalkuliert. Das heißt auf einen Preiskampf zu verzichten und oft höhere Preise zu verlangen als die Konkurrenz.

Aus diesem Grund ist es wichtig, Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten, die dem Kunden vermitteln, dass es sich lohnt einen teureren Betrieb zu beauftragen. Hinweise auf eine bestehende Haftpflichtversicherung oder die Mitgliedschaft in einer Innung helfen den Kunden von der Qualität der eigenen Arbeit zu überzeugen.

Ferner ist ratsam, Muster anzufertigen und davon Bilder auf die Homepage zu stellen. Viele Fliesenleger verzichten auf Werbung und haben keine Webseite.

Innungen und Fachverbände für Fliesenleger

Der Fachverband Fliesen und Naturstein im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) vertritt die Interessen alles Fliesenleger. Er kümmert sich um die Aus- und Weiterbildung, sowie um die Zertifizierung von Betrieben. Das Qualifizierungsprogramm „Zert-Fliese“ steht nicht nur Meisterbetrieben offen. Bisher haben sich aber nur wenige hundert Betriebe zertifizieren lassen.

Im Dachverband sind 19 Landesverbände organisiert. Die meisten davon untergliedern sich in regionale Verbände:

  • Landesinnungsverband Fliesen Baden-Württemberg
  • Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V., Fachgruppe Fliesen- und Plattenverlegegewerbe
  • Landesfachgruppe Fliesen und Naturstein im Landesverband Bayerischer Bauinnungen
  • Fachgemeinschaft Bau Berlin-Brandenburg e.V.
  • Landesinnungsverband Fliesen-, Platten- und Mosaikleger Land Brandenburg
  • Verband Baugewerblicher Unternehmer im Lande Bremen e.V.
  • Norddeutscher Baugewerbeverband Hamburg e.V.
  • Verband Baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V., Hauptgeschäftsstelle für das Land Hessen
  • Baugewerbe-Verband Niedersachsen
  • Baugewerbe-Verband Nordrhein, Fachgruppe Fliesen
  • Baugewerbeverband Westfalen
  • Fachverband Fliesen und Naturstein im Baugewerbeverband Rheinland-Pfalz e.V.
  • Baugewerbeverband Rheinland-Pfalz e.V.
  • Arbeitgeberverband der Bauwirtschaft des Saarlandes, Landesfachgruppe Fliesen
  • Landesverband Sächsischer Bauinnungen, Sächsischer Baugewerbeverband e.V., Landesfachgruppe Fliesenleger
  • Baugewerbe-Verband Sachsen-Anhalt
  • Baugewerbeverband Schleswig-Holstein, Landesfachgruppe Fliesen und Naturstein
  • Verband baugewerblicher Unternehmer Thüringen e.V.
  • Landesinnung des Fliesenlegerhandwerks Thüringen

Finanzierung einer Existenzgründung als Fliesenleger

Eine relativ geringe Investitionssumme sowie die unkomplizierte Gründung verführen dazu unüberlegt einen Fliesenlegerbetrieb zu gründen. Ein Businessplan ist grundsätzlich anzuraten, selbst wenn kein Kredit von der Bank benötigt wird.

Businessplan erstellen

Das Kernproblem der Branche ist, dass auch Handwerker mit einem geringen Fachwissen es schaffen Fliesen zu verlegen. Dabei stoßen sie zwar rasch an Grenzen, aber das zeigt sich oft erst nach längerer Zeit. Auch schlecht verlegte Bodenfliesen beispielsweise halten einige Jahre, der Kunde merkt die Fehler meist erst sehr spät. Das Wichtigste ist daher klar zu formulieren, wieso der eigene Betrieb in der Masse von über 70.000 Fliesenlegern erfolgreich sein kann:

  • Gibt es einen speziellen Kundenkreis, den vorhandene Betriebe nicht abdecken?
  • Was qualifiziert den eigenen Betrieb diese Kunden zu erreichen und zu bedienen?
  • Welche Merkmale unterscheiden den eigenen Betrieb von den anderen?
  • Wie soll den Kunden die Besonderheit des Betriebs bewusst gemacht werden?
  • Ferner ist eine realistische Einschätzung der Auftragslage nötig und eine exakte Kalkulation der zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben.

Kredit bei der Bank beantragen

Da ein nebenberuflicher Einstieg möglich ist und ein geringes Startkapital ausreicht, brauchen viele Gründer eines Fliesenlegerbetriebs keinen Kredit. Es ist ratsam sich trotzdem an die Hausbank zu wenden, um ein Existenzgründungsdarlehen zu erfragen. Dies ist ein guter Test für den Businessplan. Wenn er die Bank nicht überzeugt, sollte der Gründer ihn überarbeiten. Außerdem sind Fördermittel (Link) meist an eine Kreditzusage gekoppelt.

Ein weiterer Grund spricht für ein Bankdarlehen: Der Gründer schont sein Eigenkapital und spart es für die erste Durststrecke auf.

Rechtliche Schritte zum eigenen Betrieb

Da keine Genehmigung der Handwerkskammer erforderlich ist, kann ein Fliesenleger den Betrieb beim Gewerbeamt anmelden und zeitgleich bei der Handwerkskammer den Eintrag als nicht erlaubnispflichtiges Handwerk beantragen. Außerdem muss er das Gewerbe bei der Krankenkasse melden und sollte auch die Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft beantragen.

Das Finanzamt und andere Behörden melden sich automatisch nach der Gewerbeanmeldung.

Gezielt werben und sich bei Handwerkerportalen listen

Der Anfang ist sehr schwer, denn wie mehrfach erwähnt, herrscht ein starker Wettbewerb auf dem Markt der Fliesenleger. Statt sich in einen Preiskampf zu stürzen, sollte der Gründer schnellstens dafür sorgen, dass sein Betrieb ein „Gesicht“ bekommt. Eine gute Homepage mit Referenzen der ersten Kunden zeigen, was der Betrieb leisten kann.

Handwerkerportale wie MyHammer sind eine Plattform, um den eigenen Betrieb einem großen Kundenkreis vorzustellen. Gründer sollten sie nicht dazu nutzen über niedrige Preise an Aufträge zu gelangen.


Titelbild Copyright: Jacqueline Macou – Pixabay