Als Fensterputzer für gewerbliche und öffentliche Bereiche gibt es jede Menge zu tun. Denn öffentliche Gebäude weisen oft riesige Glasflächen auf und im privaten Bereich gibt es ebenfalls viele Hausbesitzer, die Reinigungsdienste immer gerne in Anspruch nehmen. Im Grunde gehört das Tätigkeitsfeld des Fensterreinigers zum Berufsbild des Gebäudereinigers, der sich auf Glasflächen spezialisiert hat.

Aber die Konkurrenz ist groß: Nach Angaben der Bau Berufsgenossenschaft bieten über 50.000 Unternehmen mit mehr als 700.000 Beschäftigten die Dienstleistung des Fensterputzers an. Hinzukommen zahlreiche freiberufliche Putzkräfte, die nirgends erfasst sind. Da das Reinigen der Fenster beschwerlich ist und immer mehr besonders ältere Menschen diese Arbeit nicht mehr schaffen, steht dem großen Angebot auch eine sehr große Nachfrage gegenüber. Die Aussicht auf eine erfolgreiche Selbständigkeit ist also in jedem Falle gegeben, wenn der Gründer sich gut vorbereitet.

Die Konkurrenz- und Marktlage richtig einschätzen

Angehende Fensterputzer sollten zunächst die Zielgruppe und den Aktionsradius festlegen. Wer in der Lage ist größere komplizierte Aufträge zu erledigen, muss die Kunden in einem großen Umfeld suchen. Dafür sind höhere Stundensätze üblich. Im privaten Bereich herrscht der größte Preisdruck, es lohnt nicht, weitere Strecken zu fahren. Die Marktanalyse des Gründers muss sich mit folgenden Themen befassen:

  • Größe der anvisierten Zielgruppe
  • Welcher Standort ist geeignet und warum?
  • Vermutliche Nachfrage im Aktionsradius
  • Anzahl der Konkurrenten (Internetrecherche) im Aktionsgebiet
  • Leistungen der Konkurrenten und deren Preise
  • Alleinstellungsmerkmale des Betriebes?

Wichtig ist auch, die Kosten beziehungsweise Endpreise für die Kunden realistisch zu kalkulieren, denn zu günstige Preise können den Betrieb ruinieren, auch wenn das auf den ersten Blick Kunden anlockt.

Fachliche Voraussetzungen für eine Existenzgründung als Fensterputzer

Das Gewerbe ist Teil der Gebäudereinigung und ein Lehrberuf, dennoch wird ein Meistertitel für die Selbständigkeit nicht benötigt.

Ein selbständiger Fensterreiniger braucht keinen Meisterbrief
Das Gewerbe des Fensterreinigers gehört zu den zulassungsfreien Handwerken, das in der Handwerkerordnung (HwO) Anlage B, Absatz 1 aufgeführt ist. Jeder kann sich ohne jegliche Vorkenntnisse als Fensterputzer selbständig machen.

Zumindest wenn es um das Putzen von Fenstern in Wohnungen geht, bietet ein Gesellenbrief oder ein Meistertitel nur wenig Vorteile. Anders sieht es aus, wenn Glasfassaden oder Wintergärten zu reinigen sind. Bei diesen Großaufträgen achten Auftraggeber auf eine fundierte Ausbildung. Ein Meisterbrief lohnt sich also.

Gründungskosten für einen Fensterreinigungsbetrieb

Ein Businessplan ist unbedingt erforderlich, um die Chancen und die Kosten einer Gründung einzuschätzen. Handwerkskammern, Innungen oder freie Berater helfen bei dessen Erstellung.

Kosten für die Grundausstattung

Welches Startkapital ein Fensterputzer benötigt, hängt vom Angebot und der Zielgruppe ab. Um auch ein finanzielles Polster für die ersten sechs Monate zu haben, sollte dieses mindestens 20.000 Euro betragen.

Fahrzeug

Fensterputzer müssen schnell mit Ihrem Equipment zum Kunden gelangen. Aus diesem Grund müssen sie über ein geeignetes Fahrzeug verfügen. Betriebe, die nur in privaten Haushalten putzen, können sich mit einem Kleinwagen begnügen. Besser ist, einen Kombi zu erwerben, damit auch der Transport einer Leiter kein Problem ist. Wer auch Hebebühnen einsetzt, braucht einen Kastenwagen oder einen Anhänger.

Generell gilt bei einer Gründung: Leasen ist vorteilhafter als Kaufen, denn das Leasing schont als Finanzierungsinstrument die Liquidität. Mehr dazu in unserem Artikel zur Grundausstattung eines Handwerksbetriebs.

Leasing Sonderanzahlung
Der Leasinggeber verlangt bei Abschluss des Leasingvertrages eine Einmalzahlung. Deren Höhe hängt vom Wert des Leasinggegenstandes und der Bonität des Gründers ab. Sie ist in Grenzen meist frei wählbar und reduziert die Leasingraten.

Die Sonderzahlung können Unternehmen, die den Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, sofort in voller Höhe als Betriebsausgabe absetzen, um die Steuerlast zu mindern.

Sonderzahlungen im Rahmen von 1.000 bis 5.000 Euro sind hier üblich.

Fahrzeugeinrichtung / Innenausbau
Einige gesicherte Modulboxen, um Eimer, Putzzeug und Reinigungsmittel zu transportieren, reichen als Inneneinrichtung aus. Diese kosten zwischen 100 und 300 Euro.

Für einen Dachgepäckträger sind etwa 600 Euro zu veranschlagen. Eine Anhängerkupplung schlägt inklusive Montage mit 600 bis 1.200 Euro zu Buche. Für den Anhänger sind mindestens 1.000 Euro einzukalkulieren.

Abhängig vom Leistungsspektrum kostet die Ausstattung des Fahrzeugs für den Fensterreiniger zwischen 100 und 2.500 Euro.

Folierung
Der Einsatz eines Fensterputzers bleibt nicht unbemerkt. Damit die Nachbarn des Auftraggebers sehen, wer im Einsatz ist, sollte das Firmenfahrzeug mit Logo, Name und Anschrift des Betriebs versehen sein. Das Fahrzeug dient also als fahrbare Plakatwand.

Eine Sonderlackierung ist bei einem Leasingfahrzeug nicht sinnvoll. Die Beschriftung bringt besser eine Spezialfirmen mittels Folien an. Dies kostet ab etwa 150 Euro aufwärts.

Werkzeug

Zur Grundausrüstung eines Fensterputzers gehören Eimer, verschiedene Tücher, Abzieher und Putzmittel. Je nach Angebot braucht der Fensterputzer auch einen Leiter, eine Hebebühne und eventuell auch eine Kletterausrüstung.

Diese Ausstattung kostet zwischen 200 und 5.000 Euro, je nachdem welche Utensilien benötigt werden.

Arbeitskleidung für Fensterputzer

Eine traditionelle Berufsbekleidung für Fensterputzer gibt es nicht. Sinnvoll ist, eine einheitliche Kleidung bestehend aus Bundhose oder Latzhose mit Taschen für Material und Shirt mit Firmenaufdruck zu tragen. Das Outfit wirkt seriös und sorgt dafür, dass Kunden das Unternehmen im Gedächtnis behalten. Eine warme Jacke, um die Fenster im Außenbereich zu reinigen, ist ebenfalls wichtig. Die Kleidung sollte komfortabel sein und genügend Bewegungsfreiheit bieten. Denn oft arbeitet man oberhalb des Kopfes oder auch am Boden.

Für 500 bis 1.000 Euro bietet der Fachhandel passende Kleidung mit dem Aufdruck des Logos des Betriebes an.

Büro / Computer

Da Fensterputzer Ihre Kunden nicht in den Firmenräumen empfangen, ist weder eine Werkstatt noch ein Büroraum erforderlich. Telefon und Computer mit Bürosoftware für die Rechnungserstellung und Kommunikation mit den Kunden reichen als Grundausstattung aus. Für diesen Posten sind 300 und 500 Euro einzukalkulieren.

Geschäftsausstattung: Briefpapier, Logo und Visitenkarten

Auch das kleinste Unternehmen sollte über hochwertiges Geschäftspapier mit passenden Visitenkarten verfügen. Ein eindeutiges Logo rundet den Auftritt beim Kunden ab. Grafiker und Webdesigner entwickeln alles aus einer Hand. Agenturen bieten oft vergünstigte Starterpakete für Gründer an. Mit mindestens 500 Euro ist für die Geschäftsausstattung zu rechnen. Auf lange Sicht ist dies eine gute Investition.

Homepage

Der hohe Konkurrenzdruck in der Branche zwingt zu einem guten und suchmaschinenoptimiertem Webauftritt, um sich von der Masse der Anbieter abzuheben.
Daher sollten Fensterputzer auf Homepage-Baukästen verzichten und die Firmenseite von einem Profi erstellen lassen. Dieser verlangt in der Regel mindestens 1.000 Euro für eine gut funktionierende und ansprechende Webseite.

Laufende Kosten

Firmenwagen und Marketing verursachen monatliche Zahlungsabgänge, selbst wenn der Betrieb noch keine Aufträge hat. Obwohl die Arbeit meist sofort vor Ort bezahlt wird, müssen Gründer damit rechnen, etwa sechs Monate keine ausreichenden Einkünfte zu erzielen. Sie sollten monatlich 2.000 Euro für diese Durststrecke in die Gründungskalkulation einbeziehen.

Mitgliedschaften

Fensterreiniger sind verpflichtet Mitglied der zuständigen Handwerkskammer zu werden und müssen den Betrieb der Berufsgenossenschaft BAU melden.

Handwerkskammer
Die örtlich zuständigen Kammern kalkulieren die Beiträge nicht einheitlich, daher sind Abweichungen möglich. Die Höhe der Mitgliedsbeiträge orientiert sich in der Regel am Gewinn des drittvorangegangenen Jahres. Bis zu einer Gewinngrenze von 20.000 Euro ist lediglich ein Grundbeitrag von jährlich 120 bis 350 Euro zu entrichten. Bei höheren Gewinnen fallen 0,8 bis 1,2 Prozent des Gewinns als Beitrag an.

Hinweis: Existenzgründer, die ein Einzelunternehmen führen, bekommen günstigere Konditionen.

Berufsgenossenschaft
Die BG-BAU (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft) ist die gesetzliche Unfallversicherung der Gebäudereiniger. Sie deckt zusätzlich das Risiko von Berufskrankheiten ab und gibt wichtige Tipps zur Sicherheit.

Betriebe, die keine Mitarbeiter beschäftigen, zahlen keine Beiträge da deren Höhe sich an der Bruttolohnsumme orientiert.

Innungen
Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) untergliedert sich in 33 Innungen in denen etwa 2.500 Mitgliedsbetriebe organisiert sind. Die Innungen bieten fachbezogene Beratung, sind Tarifpartner und vertreten die Interessen der Branche. Der Jahresbeitrag beträgt zwischen 300 und 600 Euro.

Fahrzeug

Leasingraten, Steuer und Versicherung sind fixe Kosten. Hinzukommen variable Kosten, die von der Fahrleistung abhängen.

Leasing
Je nach Höhe der geleisteten Sonderzahlung, dem Wert des Fahrzeugs und der Bonität, ist monatlich eine Leasingrate von 200 bis 500 Euro an den Leasinggeber zu entrichten.
Die Höhe der Zahlung lässt sich während der Vertragslaufzeit nicht ändern.

Kfz-Steuer
Das Finanzamt erhebt grundsätzlich die Steuer für ein ganzes Jahr beginnend mit dem Tag der Zulassung. Die Höhe hängt unter anderem vom Tag der Erstzulassung, der Antriebsart und dem CO2-Ausstoß ab. Eine Jahressteuer von 200 bis 350 Euro ist üblich.

Versicherung
Da die Leasinggesellschaft auf dem Abschluss einer Vollkaskoversicherung besteht, müssen Gründer mit einem jährlichen Beitrag von 700 bis 1.000 Euro für die Kfz-Versicherung rechnen. Die Versicherungen richten sich bei der Kalkulation der Beiträge nach Typklasse, der Schadensfreiheitsklasse des Versicherungsnehmers, der Fahrleistung und der Region, in welcher die Firma ansässig ist. Große Preis-und Leistungsunterschiede sind üblich, daher lohnt sich ein Vergleich der Angebote.

Verschleiß / Wartung
Die Kosten für die vorgeschriebenen Haupt- und Abgasuntersuchungen sind ebenfalls Fixkosten. Hinzukommen Aufwendungen für Inspektionen, Wartungen und den Austausch von Verschleißteilen, die von der Fahrleistung abhängen. Da Reparaturkosten nicht zu erwarten sind, reichen 100 bis 200 Euro jährlich für diese Position. Schäden, die eine Reparatur erfordern, übernimmt in der Regel entweder die Herstellergarantie oder die Kaskoversicherung.

Kraftstoff
Die Kosten für das Tanken sind von der Fahrleistung und vom Verbrauch pro 100 Kilometer des Fahrzeugs abhängig. Gründer sollten mindestens 100 bis 300 Euro einplanen.

Versicherungen

Obwohl die Reinigung von Fenstern nur mit einem geringen Risiko behaftet ist, sollten Fensterputzer eine Betriebshaftpflichtversicherung abschließen. Eine Inhalts- und Ertragsausfallversicherung ist überflüssig, da das Inventar nur einen geringen Wert hat. Etwa 30 bis 50 Euro pro Monat reichen für die betriebliche Absicherung.

Miete / Nebenkosten / Strom / Wasser / Telefon

Etwa 200 bis 300 Euro sind für diese Position angemessen. Fensterputzer haben meist keine betrieblichen Räume, daher verursacht lediglich der Bürobetrieb Kosten.

Marketing

Die Vielzahl der Betriebe, welche die Dienstleistung anbieten, macht es schwierig, in den Markt einzudringen. Gründer müssen Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten und diese in Ihrer Werbung deutlich machen.

Webseite
Die beste Webseite nutzt nichts, wenn sie niemand findet. Fensterputzer müssen einen erheblichen Aufwand betreiben, um das Ranking zu verbessern. Hier können Profis helfen, die die Suchmaschinenoptimierung und Pflege der Webseite für monatliche Kosten von 30 bis 100 Euro erledigen, je nachdem wie hoch der Aufwand ist.
Auf der Webseite sollte das Leistungsspektrum sowie Referenzen (falls vorhanden) und ein Kontaktformular vorhanden sein, damit es Kunden möglichst leicht fällt, mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten.

Werbung online
Gerade in der Startphase ist es sehr wichtig, dass das Unternehmen im Netz von potentiellen Kunden gut gefunden werden kann. Handwerkerportale wie MyHammer bieten eine gute Reichweite und Auffindbarkeit im Netz. Hier kann der Fensterputzer seinen Betrieb präsentieren und sein Leistungsspektrum vorstellen. Außerdem kann er sich auf Aufträge bewerben und direkt auf dem Portal von Kunden für einen Auftrag angeschrieben werden. Eine monatliche Gebühr sowie eine Provision pro Auftrag sind für das Portal fällig. Die Anmeldung lohnt sich, wenn der Gründer schnell neue Aufträge bekommen möchte.

Werbung offline
Gründer müssen die Bekanntheit des Betriebs regional steigern. Dies erreichen sie über lokale Anzeigenblätter und das Verteilen von Flyern und Visitenkarten. Sie sollten 300 bis 400 Euro monatlich für die regionale Werbung veranschlagen.

Checkliste: Als Fensterputzer selbständig machen

  1. Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten und ein konkretes Leistungsspektrum aufstellen
  2. Businessplan erstellen, um nötiges Gründungskapital zu ermitteln sowie Gründungszuschuss und Darlehen zu bekommen
  3. Bei der Handwerkskammer melden und Gewerbeanmeldung erledigen
  4. Bei Berufsgenossenschaft anmelden
  5. Wenn gewünscht, Mitgliedschaft beim passenden Fachverband des Bundeslandes beantragen
  6. Computer und Software kaufen
  7. Werkzeug und Arbeitskleidung beschaffen
  8. Werbung für den Betrieb machen
  9. Aufträge annehmen und Termine bei den Kunden planen

Beschaffung

Generell sollten Gründer versuchen hochwertige Maschinen und Fahrzeuge günstig gebraucht zu erstehen. Ein Neuwagen beispielsweise verliert im ersten Jahr 25 Prozent seines Werts. Wer ein nur wenige Monate altes Fahrzeug oder einen Vorführwagen least, kann viel sparen.

Spezialisierungen im Bereich Fensterreinigung

Um sich von der Masse der Betriebe abzuheben, sind Spezialisierungen sinnvoll. Das Reinigen von Glasfassaden oder Wintergärten übernehmen beispielsweise nur wenige Betriebe. Dies setzt natürlich ein teureres Equipment voraus und Erfahrungen auf dem Gebiet.

Außerdem gibt es vielerlei Weiterbildungsmaßnahmen, die sich auf spezielle Gebäudetypen oder Reinigungsverfahren fokussieren. Das schafft die Möglichkeit für den Betrieb Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten und sich von der Konkurrenz abzuheben.

Zertifizierungen
Das klassische Zertifikat ISO 9001 bescheinigt dem Fensterputzer ein systematisches Qualitätsmanagement. Dies ist natürlich nur für größere Betriebe sinnvoll.

Eine Zertifizierung des Qualitätsverbundes Gebäudedienste belegt eine Meisterqualifikation im Gebäudereiniger-Handwerk, das der Betrieb nachhaltig ausgerichtet ist und sich kontinuierlich weiterbildet. Dieses Zertifikat ist wichtig, da es keine Meisterpflicht für Fensterreiniger gibt.

Das RAL Gütezeichen bestätigt die Einhaltung von Qualitätskriterien bei der Gebäudereinigung.


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