Obwohl die Masse an Abfällen und Wertstoffen steigt, nimmt die Zahl der Entsorger ab. 2014 wiesen die Daten, die Statista erhebt, 4.565 Betriebe in der Abfallwirtschaft aus. Jedes Jahr nimmt die Zahl der Betriebe um etwa 100 ab, die Hälfte wird insolvent, den Rest übernehmen große Firmen. Um sich erfolgreich eine Existenz als Entsorger aufzubauen, ist also ein guter Geschäftsplan, Fachkompetenz und eine gute Einschätzung der Marktlage in der Region gefordert. Wer sich auf Nischen spezialisiert und immer auf dem Laufenden bleibt, wird mit der Gründung eines Entsorgungsbetriebes sicherlich Erfolg haben.

Die Konkurrenz- und Marktlage für Entsorgungsunternehmen

Wer sich als Entsorger selbstständig machen möchte, muss sich den Markt und die Mitbewerber in der Region genau ansehen. Folgende Fragen sind vor der Gründung zu klären:

  • Wie viele Betriebe gibt es bereits in der Region?
  • Wie ist die Abfallentsorgung auf kommunaler Ebene geregelt?
  • Sind große Entsorgungsbetriebe in der Region tätig?
  • Welche Marktsegmente sind noch nicht völlig abgedeckt?

Generell beherrschen meist einige große Betriebe den Entsorgungsmarkt. Diese unterbieten Kleinbetriebe in vielen Bereichen mit Leichtigkeit. Hinzu kommt, dass immer mehr Kommunen die regelmäßige Müllabfuhr oder das Entsorgen von Sperrmüll wieder in eigener Regie übernehmen.

Auf dem Markt hat nur eine Chance, wer eine Leistung bietet, die für die Großen wenig interessant ist. Auch Zusatzdienstleistungen, wie das Bereitstellen von Mülltonnen am Straßenrand, lohnen sich.

Fachliche Voraussetzungen für die Existenzgründung als Entsorger

Entsorgung umfasst ein weites Feld, von Abfall bis zu Wertstoff. Daher gibt es keine einheitliche Regelung, welche Bedingungen Entsorger zu erfüllen haben. Natürlich ist ein Führerschein, der zum Führen eines Lkws berechtigt, eine der wichtigsten Voraussetzungen. Ansonsten kommt es auf die Art der Abfälle an, die zu entsorgen sind.

Das Sammeln von Papier oder Schrott ist in der Regel ohne besondere Qualifizierung möglich. Wer Gefahrstoffe entsorgt, muss Zertifikate nachweisen, die den Umgang mit dem jeweiligen Stoff erlauben. Entsorgungsfachbetriebe unterliegen dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG). Diese benötigen eine Zertifizierung nach Paragraf § 56 KrWG. Das Zertifikat ist für eine begrenzte Zeit gültig und nur ein bestehender Betrieb kann sich zertifizieren lassen.

Ein Führungszeugnis sowie ein Fach- und Sachkundenachweis sind notwendig
Der erste Schritt, um Entsorger zu werden, ist eine Meldung bei der entsprechenden Landesbehörde nach Paragraf § 53 KrWG. Diese stellt fest, dass ein Betrieb Abfälle sammeln und Befördern will beziehungsweise mit diesen handelt oder makelt. Da der Inhaber zuverlässig sein muss, ist es üblich ein Führungszeugnis zu verlangen sowie einen Fach- und Sachkundenachweis.

Wie dieser zu erbringen ist, legt die Behörde fest. Sinnvoll ist eine abgeschlossene Ausbildung zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft oder ein Hochschulabschluss im Bereich Umweltschutz und Entsorgung.

Kosten einer Betriebsgründung als Entsorger

Viele Betriebe scheitern, weil sie die Kosten nicht richtig kalkulieren. Diese hängen von der Art der Entsorgung ab, die das Unternehmen anbietet. Wer beispielsweise den Hausmüll abführen will, muss in der Regel jedem Haushalt eine Mülltonne stellen. Dies bedeutet eine Investition, die an die Millionenhöhe grenzen kann. Zu Beginn ist es daher besser sich auf spezielle Aufgaben zu konzentrieren, beispielsweise gebündeltes Papier abzuholen oder Bauschutt bei kleineren Bauvorhaben zu entsorgen.

Die Industrie- und Handelskammern helfen bei der Erstellung eines Businessplans. Die Kammern und die Hausbank beraten auch im Hinblick auf Fördermittel. Die folgenden Aufstellungen beziehen sich auf einen Start als Entsorger, der sich auf eine Abfallart spezialisiert hat und eine individuelle Entsorgung bieten möchte, also keine Müllabfuhr.

Kosten für die Grundausstattung

Um die ersten Monate ohne Aufträge zu überbrücken und für die Betriebsausstattung, sind mindestens 60.000 Euro erforderlich. 20 Prozent Eigenkapital setzen die meisten Banken voraus, um den Rest zu finanzieren.

Fahrzeug

Ein Entsorger benötigt zumindest einen Lkw. Hierfür sind Kosten von mindestens 20.000 Euro für ein altes Fahrzeug mit einem Kilometerstand von über 500.000 km einzukalkulieren. Neufahrzeuge sind ab etwa 50.000 Euro erhältlich. Die genannten Kosten beziehen sich auf Fahrzeuge, die sich für den Einsatz in Entsorgungsbetrieben eignen, beispielsweise Absetzkipper.

Ferner sollte auch ein Pkw vorhanden sein, um Kundentermine und Besorgungen für das Unternehmen zu erledigen. Zu Beginn reicht meist ein bereits vorhandener Wagen aus.

Leasing Sonderanzahlung
Generell gilt bei einer Gründung: Leasen ist vorteilhafter als Kaufen. Das Leasing schont als Finanzierungsinstrument die Liquidität und die Leasing Sonderzahlung ist als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar. Mehr dazu in unserem Artikel zur Grundausstattung eines Handwerksbetriebs. [Link zu /grundausstattung#Fahrzeuge]

Hinweis: Die Leasingsonderzahlung ist eine einmalige Zahlung zu Beginn des Leasingvertrags. Sie reduziert die monatlichen Raten. Bei einem Neuwagen ist damit zu rechnen, dass die Sonderzahlung zwischen 1.000 und 20.000 Euro liegt.

Fahrzeugausstattung für das Entsorgungsfahrzeug
Je nach Art des Entsorgungsbetriebs, bedarf es keiner weiteren Ausrüstung des Fahrzeugs. Wer einen Containerdienst anbieten möchte, benötigt noch etwa zehn passende Behältnisse, die er dem Kunden zu Verfügung stellt. Absetzmulden bietet der Handel zu Preisen zwischen 500 und 3.000 Euro an.

Folierung
Nicht zuletzt ist die Außenseite des Firmenfahrzeugs mit in die Kostenkalkulation für die Betriebsgründung mit einzubeziehen. Da der Existenzgründer oftmals an verschiedenen Orten unterwegs ist, ist eine Folierung des Autos mit Betriebslogo, Telefonnummer und Anschrift des Betriebes für die Firmenpräsentation besonders wichtig.

Fahrzeugbeschriftungen sind preiswerte Alternativen zu anderen Werbeformen wie beispielsweise ein Plakat oder Baustellenplanen. Bei guter Pflege hält die Folierung über viele Jahre auf dem Fahrzeug.

Die Konzeption und Gestaltung sollte gleich in die Gründungskalkulation mit aufgenommen werden. Eine Fahrzeugfolierung mit den wichtigsten Daten gibt es bei einigen Anbietern schon ab 150 Euro.

Kleidung

Je nach Art der Entsorgung ist eine bestimmte Schutzkleidung vorgesehen. In der Regel reicht normale Arbeitskleidung bestehend aus Latzhose und Jacke oder Overall. Zum Schutz der Hände braucht ein Entsorger Schutzhandschuhe. Diese müssen Schutz gegen mechanische Risiken bieten, also Schnitt- und Durchstichfest nach EN 388 / ISO 13997 sein. Unter Umständen sind auch Handschuhe die gegen Chemikalien und Mikroorganismen (EN ISO 374 / EN16523-1) schützen nötig.

Zum Schutz der Füße braucht der Entsorger Sicherheitsschuhe gemäß DGUV-Regel 112-191l, diese sollten mindestens die Klasse S1P (öl- und benzinresistente Sohle, Durchtrittsicherheit) erfüllen.

Hinweis: Kleidung, die sich nicht für den privaten Gebrauch eignet, lässt sich als Betriebsausgaben absetzen. Das Finanzamt erkennt Quittungen aus dem Fachhandel eher an, als solche von einem Kaufhaus. Ein Werbeaufdruck erleichtert das Absetzen als Berufskleidung ebenfalls.

Die Kleidung kostet pro Person etwa 1.000 Euro.

Büro / Computer

Entsorger empfangen meist keinen Kundenbesuch, daher ist ein Büro entbehrlich. Telefon, PC und Software reichen aus, um Kontakt zu den Kunden zu halten und die anfallenden Büroarbeiten zu erledigen. Daher schlägt dieser Posten mit höchsten 500 bis 1.000 Euro zu Buche.

Geschäftsausstattung: Briefpapier, Logo und Visitenkarten

Entsorger müssen auf ein seriöses Erscheinungsbild achten, damit die Kunden ihm vertrauen, dass er tatsächlich fachgerecht entsorgt. Außerdem erleichtert ein einheitliches Erscheinungsbild das Wiedererkennen des Unternehmens.

Viele Grafiker und Webdesigner bieten spezielle Pakete für Gründer an. Diese beinhalten ein Logo, um Visitenkarten, Geschäftspapier und Webseite einheitlich zu gestalten. Dieses gehört auch auf das Fahrzeug und die Kleidung.

Für den Posten sind etwa 500 Euro zu veranschlagen.

Betriebshof und Halle

Für das Fahrzeug benötigt der Entsorger einen Stellplatz. Außerdem muss es die Absetzmulden und ähnliches unterbringen. Ein Lager ist in der Regel überflüssig, da die Betriebe das Entsorgungsgut meist vom Kunden sofort zu einer Deponie fahren. Aus diesem Grund reicht in der Regel ein Hof aus, der durch einen Zaun mit Tor gesichert ist.

Laufende Kosten

Selbst wenn keine Aufträge zu erfüllen sind, fallen viele Kosten an. Für Fahrzeuge, Versicherungen, Beiträge und Mieten sind grundsätzlich fixe Kosten einzuplanen. Um die finanziellen Belastungen gering zu halten, sollten Existenzgründer zunächst ohne Personal auskommen.

Mitgliedschaften

Industrie- und Handelskammer
Entsorger werden in der Regel Zwangsmitglied bei der regionalen Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Höhe der Beiträge liegt bei 0,2 Prozent des Gewinns. Ein Freibetrag ist bei den meisten Kammern üblich.

Fachverbände
Eine Mitgliedschaft ist nicht zwingend, aber ratsam. Im bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. sind etwa 880 Betriebe Mitglied. Er untergliedert sich in acht Fachverbände und 16 Landesverbände. Der Verband bietet Schulungen an und unterhält einige Netzwerke des Mittelstandes. Für die Beiträge sind etwa 1.000 bis 2.000 Euro im Jahr zu veranschlagen.

Fahrzeug

Jedes Fahrzeug verursacht teils erhebliche Kosten, selbst wenn es nur auf dem Betriebshof steht.

Leasing
Leasing heißt, dass der Betrieb ein Fahrzeug auf Dauer mietet. Dafür sind Leasingraten zu zahlen. Für einen neuwertigen Lkw verlangen die Leasinggeber zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Ältere gebrauchte Wagen oder Pkws kosten zwischen 200 und 500 Euro. Die Raten sind Betriebskosten und daher von den Einnahmen abzuziehen. Dies reduziert den Gewinn und damit die Steuerlast.

Treibstoff
Die zurückzulegenden Strecken hängen von der Größe des Einzugsgebiets ab. Ein LKW kann bis zu 20 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrauchen. Bei einer monatlichen Fahrstrecke von 5.000 km kommen schnell Beträge von über 1.000 Euro zusammen.

Kfz-Steuer
Die Kfz-Steuer ist üblicherweise jährlich im Voraus zu entrichten und ab dem Tag der Zulassung in voller Höhe fällig. Sie beträgt zwischen 200 und 1000 Euro, je nach Fahrzeug. Die Höhe errechnet sich nach der Schadstoffklasse und dem Gesamtgewicht.

Versicherung
Generell ist eine Vollkaskoversicherung zu empfehlen. Leasinggeber schreiben diese vor, gleiches gilt für Banken, wenn Sie ein Fahrzeug finanzieren. Die Versicherungen errechnen den Beitrag individuell, neben der Typklasse, den jährlich gefahrenen Kilometern und dem Abstellort, berücksichtigen Sie auch die Art der Fracht. Hier sind Kosten zwischen 1.500 und 10.000 Euro im Jahr zu erwarten.

Verschleiß / Wartung
Lkws müssen jährlich zu einer Hauptuntersuchung und je nach Gesamtgewicht alle sechs Monate zu einer Sicherheitsprüfung. Insgesamt ist mit 200 bis 500 Euro im Jahr zu rechnen.

Neben dem regelmäßigen Ölwechsel steht der Austausch von Verschleißteilen wie Reifen, Bremsen und Auspuff häufig an. Auch die Hydraulik ist ständig zu überwachen und zu warten.

Für die Wartung und Reparaturen sollte der Betrieb mindestens 4.000 Euro veranschlagen. Bei älteren Fahrzeugen ist ein Betrag von 6.000 Euro im Jahr realistischer.

Versicherungen

Beim Transport von Müll, kann einiges schiefgehen. Daher ist ein Betriebshaftpflicht meist vorgeschrieben. Je nach Art des Transportguts, kostet diese zwischen 500 und 10.000 Euro im Jahr.

Miete / Nebenkosten / Strom / Wasser / Telefon

Da zunächst kein Büro erforderlich ist, fallen nur Anteilige Kosten für Strom, Wasser und Raummiete an. Allerdings sind Zahlungen für Telefon und Internet sowie die Miete für einen Stellplatz zu berücksichtigen. Grob geschätzt bedeutet dies eine monatliche Belastung von 500 bis 1.000 Euro.

Marketing

Ohne Werbung bekommt kein Entsorger Aufträge. Anzeigen, eine Webseite und Handzettel sind die wichtigsten Medien.

Webseite
Wer einen Entsorger sucht, fragt meist zunächst im Bekanntenkreis nach einer Empfehlung. Wenn dies zu keinem Erfolg führt, folgt die Recherche im Internet. Eine zeitgemäße Webseite und ein gutes Ranking bei den Suchmaschinen ist wichtig. Für eine regelmäßige

Optimierung sind 30 bis 80 Euro im Monat anzusetzen, das Erstellen kostet etwa 200 bis 1.000 Euro.

Werbung online / offline
Es dauert Jahre, bis sich ein Betrieb etabliert hat. Um sich auf dem Markt zu behaupten, muss der Betrieb in dieser Zeit über Annoncen, Flyer und Zeitungswerbung auf sich aufmerksam machen. Außerdem sind Anschreiben an potenzielle Kunden und eine aktive Akquise wichtig. Ein persönliches Gespräch beispielsweise mit Bauträgern kann dazu führen, dass er Betrieb exklusiv die anfallenden Baustellenabfälle entsorgen darf.

In den ersten Jahren sind 100 bis 500 Euro für solche Marketingmaßnahmen einzukalkulieren.

Checkliste: Als Entsorger selbständig machen

  • Sind die fachlichen Voraussetzungen erfüllt? -> Berufsausbildung
  • Ist das Gründungskapital für den Start vorhanden? -> Businessplan erstellen, um Gründungszuschuss zu bekommen.
  • Gewerbeanmeldung erledigen
  • Bei der Industrie- und Handelskammer melden
  • Mitgliedschaft beim Fachverband des Bundeslandes oder des Fachbereichs beantragen
  • Geschäftsausstattung (Fahrzeug) erwerben
  • Arbeitskleidung beschaffen
  • Werbung für den Betrieb machen
  • Aufträge annehmen und Termine bei den Kunden planen
  • Beschaffung des Arbeitsmaterials

    Ein Entsorger braucht in erster Linie ein geeignetes Fahrzeug. Es muss kein Neuwagen sein. Viele Hersteller bieten Leasingrücknahmen zu günstigen Konditionen an. Außerdem haben sich viele Firmen auf den Handel mit gebrauchten Lkws spezialisiert. Ortsansässige Speditionen kennen diese Händler in der Regel und helfen einem angehenden Entsorger.

    Spezialisierungen

    Wie bereits erwähnt, ist der Markt weitgehend durch Großbetriebe abgedeckt. Diese haben wenig Interesse am Einzelgeschäft. Es lohnt, sich auf Lücken zu konzentrieren, die für diese Konzerne uninteressant sind.

    Eine private Sperrmüllabfuhr ist in Großstädten einen Geschäftsidee, denn dort bieten die Gemeinden meist nur einen Abfuhrtermin im Jahr an. Das oberste deutsche Verwaltungsgericht hat am 23.02.2018 in seinem Urteil 7 C 9.16 und 7 C 10.16 klargestellt, dass Sperrmüll nicht als „gemischter Abfall“ nach Paragraf § 17 Abs. 2 Satz 2 Kreislaufwirtschaftsgesetz („KrWG“) gilt. Er darf im Rahmen gewerblicher Sammlungen eingesammelt und verwertet werden.

    Das private Einsammeln und verwerten von Schrott und Papier unterliegt dem Gesetz. Aber in kleinen Gemeinden besteht meist die Option, im Auftrag der Gemeinde diese Sammlungen durchzuführen.

    Im Rahmen vom Baustoffrecycling eröffnen sich ebenfalls Optionen. Ein Gewinn ist beispielsweise möglich, wenn der Entsorger Baustellenabfälle sortiert und so günstiger auf der Deponie entsorgen kann.

    Zertifizierungen
    Die wichtigste Zertifizierung ist die zum Entsorgungsfachbetrieb nach § 56 KrWG. Viele Kommunen vergeben Aufträge nur an Betriebe, die dieses Zertifikat haben.


    Titelbild Copyright: Cornelia Pithart – Fotolia