Wer sich als Dachdecker selbständig machen möchte, entscheidet sich für ein stabiles Handwerk, das mit etwas kaufmännischen Geschick erfolgreich betrieben werden kann. Dennoch muss bei der Gründung auch bedacht werden, dass es sich um einen relativ gesättigten Markt handelt. Andererseits wird immer neu gebaut, deshalb gibt es auch immer Aufträge, der Erfolg hängt also davon ab, wie gut man seine Kompetenzen zu verkaufen weiß und wie zuverlässig und termingerecht man arbeitet.

Fachliche Voraussetzungen

Wer sich als Dachdecker selbständig machen möchte, benötigt einen Meisterbrief, da es sich um ein zulassungspflichtiges Handwerk handelt (Anlage A – HWO). Mit dem Meisterbrief bekommt der Dachdecker auch einen Gewerbeschein, kann Mitglied in der Handwerkskammer werden, dies sind alles Voraussetzungen für die Gründung einer eigenen Dachdeckerei.

Dachdeckerei ohne Meistertitel gründen

In Ausnahmefällen ist es auch ohne Meisterbrief möglich, einen Dachdeckerbetrieb zu gründen. Entweder wird ein Betriebsleiter mit Meisterbrief angestellt oder es greift die Altgesellenregelung (Links zu den jeweiligen Themen).
Auch mit der Anmeldung eines sogenannten Reisegewerbes ist kein Meistertitel für die Existenzgründung als Dachdecker nötig.

Was muss ein guter Dachdecker leisten können?

Neben handwerklichem Geschick und einem grundlegenden technischen Verständnis, ist Schwindel- und Angstfreiheit für einen Dachdecker besonders wichtig, weil er sich bei seinen Tätigkeiten hauptsächlich auf dem Dach aufhalten wird.
Als selbständiger Dachdecker sollte man über Qualifikationen in verschiedenen Bereichen verfügen, wie beispielsweise über Abdichtungstechniken von Boden-, Wand- und Dachflächen sowie Kenntnisse zur Wärmedämmung. Auch über das Erstellen von Blitzableitern, das Montieren von Fassadenbekleidungen und Anbringen von Dachrinnen sowie die Installation von Solarzellen sollte Fachwissen vorhanden sein.
Ebenfalls ist ein breites Leistungsspektrum wichtig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Es ist sinnvoll, sich im Dachdeckerhandwerk einen Bereich zu suchen, der gute Wachstumschancen bietet, um langfristig auf dem Markt bestehen zu können. Themen wie Klimaschutz und Energieeffizienz werden in der Zukunft des Dachdeckerhandwerks eine immer größere Rolle spielen.
Die Marktlage und Konkurrenzsituation als Dachdecker richtig einschätzen

Rund 15.000 Dachdeckereien gibt es bereits in Deutschland, die in der Regel als kleines oder mittelständisches Unternehmen tätig sind. Deshalb gilt es vor der Gründung auch die Konkurrenz in der Umgebung unter die Lupe zu nehmen. Was bieten die Betriebe in der Nähe an und wo gibt es Nischen, die in der Region noch nicht abgedeckt sind?

Es schadet nicht, auch Leistungen anzubieten, die standortspezifisch sind. Es macht einen Unterschied, ob der Dachdecker im Norden oder beispielsweise im Mittelgebirge als Handwerker arbeitet. Während im Mittelgebirge Schiefer als spezifisches Material zur Verfügung steht, sind es im Norden die Reetdächer, auf die sich Dachdecker spezialisieren können. Vor der Gründung sollte sich der Handwerker deshalb gründlich Gedanken über den Standort und die Ausrichtung seiner Dachdeckerei machen.

Daneben sind auch, wie oben schon erwähnt, Spezialisierungen in ganz anderen Bereichen sind möglich: Im Anbringen von Solarzellen schlummert beispielsweise ein sehr großes Zukunftspotenzial oder auch im Thema klimafreundliche Gebäudesanierung. Es ist also empfehlenswert, entsprechende Zusatzqualifikationen zu erwerben. Vor allem auch Neubauprojekte sind in diesem Hinblick interessant.

Gründungskosten einer Dachdeckerei

Bei der Finanzkalkulation der Existenzgründung im Bereich des Dachdeckerhandwerks, gibt es einige Besonderheiten zu berücksichtigen. Für den Anfang müssen keine großen Investitionen getätigt werden, die meisten benötigten Materialien werden von den Bauherren gestellt, selten muss der Handwerker hierfür in Vorleistung gehen.
Da eine Dachdeckerei nicht alleine betrieben werden kann und mindestens ein bis zwei Mitarbeiter benötigt werden, müssen die Mitarbeiterkosten gleich bei der Existenzgründung mit einbezogen werden. Je nach Mitarbeiteranzahl und Ausstattung des Betriebes, sollte ein Startkapital von mindestens 15.000 bis 30.000 Euro zur Verfügung stehen.

Kosten für Werkzeug

Geräte, die groß und kostenintensiv sind, lassen sich für den Anfang auf jeden Fall mieten bei einem spezialisierten Verleih. Nur das Werkzeug, welches ständig im Einsatz ist und natürlich die Arbeitskleidung, sollte bei der Gründung angeschafft werden. Die wichtigsten Werkzeuge für den Anfang sind:

  • Dachdeckerhammer, mit dem Nägel eingeschlagen und Ziegel bearbeitet werden können.
  • Mechanischer Ziegelschneider, damit die Ziegel sich direkt auf dem Dach staubfrei und kabellos zuschneiden lassen.
  • Haubrücke mit Dachschieferhammer, um Dachziegel aus Schiefer oder Faserzement schnell bearbeiten zu können.
  • Hefthammer, um Materialien wie Pappe, Folie oder Papier schnell befestigen zu können.
  • Falzzange, um die Kanten von Blechen abzufalzen. So lassen sich diese einfach und schnell verbinden und der Form des Daches anpassen.

Für die Grundausstattung an Werkzeug für einen Dachdeckerbetrieb mit Mitarbeitern, ist mit etwa 1.000 Euro zu rechnen, ohne Sonderwerkzeug. In diesen Kosten sind zweifache Ausführungen verschiedener wichtiger Werkzeuge mitberücksichtigt.

Kosten für Lager, Büro- / Werkstattraum und Fahrzeug

Auch ein Firmenfahrzeug, um zum Kunden zu kommen, muss bei den Gründungskosten mitberücksichtigt werden, ebenso wie ein Raum zum Lagern von Werkzeug und Material und in welchem Dinge vorbereitet und Rechnungen geschrieben werden können. Die Kosten hierfür belaufen sich auf mindestens 10.000 bis 18.000 Euro. Günstiger wird es für den Anfang, wenn das Fahrzeug geleast wird.

Laufende Kosten

Die laufenden Kosten eines Dachdeckerbetriebes sind bei der Gründungskalkulation ebenfalls zu beachten, denn oft können diese in den Anfangsmonaten noch nicht durch die Umsätze gedeckt werden. Auf der sicheren ist, wer mit mindestens etwa 3.000 Euro pro Monat plus der Lebenshaltungskosten für den Anfang rechnet. Es kommt hier aber immer auf sehr verschiedene Faktoren an, weshalb sich die laufenden Kosten nur an der individuellen Gründungssituation festmachen lassen.
Neben der Miete des Werkstattraumes fallen Kosten für das Firmenfahrzeug und Versicherungen an. Der Dachdecker gehört zu den Berufen des Baugewerbes mit hohem Gefahrenpotenzial, eine Betriebshaftpflichtversicherung sollte deshalb vorhanden sein ebenso wie eine Inhaltsversicherung.

Laufende Kosten im Detail

Laufende Kosten eines Dachdeckers sind die Miete des Büros beziehungsweise des Werkstattraumes, Kosten für Versicherungen wie Gewerbe, Betriebshaftpflicht und Sozialversicherungen, steuerliche Abgaben, Benzinkosten, Lohnkostender Angestellten und der Beitrag für die Handwerkskammer, deren Grundbeitrag pro Jahr zwischen 100 und 300 Euro liegt. Für die wichtigsten Versicherungen ohne eigene soziale Absicherung, fallen etwa 30 Euro pro Monat an. Sozialversicherung sowie Renten- und Krankenkassenbeiträge fallen mit etwa 300 Euro ins Gewicht.

Beachtenswertes

Es ist erforderlich, dass ein Gewerbe angemeldet wird. Das Gewerbeamt informiert dann automatisch das zuständige Finanzamt, die Berufsgenossenschaft und das statistische Landesamt über die Betriebsgründung.
Die Mitgliedschaft in einer Innung ist keine Pflicht, aber ratsam für den Dachdeckerbetrieb, sie ist die erste Anlaufstelle, wenn es Fragen oder Probleme gibt.
Über die Rechtsform des Unternehmens (Link zu Unternehmen gründen) sollte man sich vor der Gründung rechtzeitig Gedanken machen.
Wird Personal im Betrieb beschäftigt, ist eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, um die Sicherheit zu gewährleisten und mögliche Gefahren vorab zu erkennen und aus dem Weg zu räumen.

Innungen und Fachverbände des Dachdeckerhandwerks

Beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e.V. handelt es sich die Dachorganisation, der 7.000 Mitgliedsbetriebe von 15.000 gezählten Dachdeckereien in Deutschland angehören. Unmittelbare Mitglieder des ZVDH sind alle Landesinnungsverbände und Landesinnungen des Dachdeckerhandwerks in Deutschland. Der Verband vertritt die spezifischen Interessen des Dachdeckerhandwerks und betreut seine Mitglieder in fachlicher Hinsicht, informiert über Produkte und Dienstleistungen und führt die Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften.
Wer einen Betrieb führt, sollte Mitglied im Landesinnungsverbandes beziehungsweise im Fachverband seiner Region sein. Im Einzelnen handelt es sich um die folgenden 16 Landesinnungsverbände:

  • Landesinnungsverband Baden-Württemberg
  • Landesinnungsverband Bayern
  • Landesinnung des Dachdeckerhandwerks Berlin
  • Landesinnungsverband Brandenburg
  • Dachdecker-Innung Hamburg
  • Landesinnungsverband Hessen
  • Landesinnungsverband Mecklenburg-Vorpommern
  • Landesinnungsverband Niedersachsen-Bremen
  • Dachdecker-Verband Nordrhein
  • Landesinnungsverband Rheinland-Pfalz
  • Dachdecker-Innung Saarland
  • Landesinnungsverband Sachsen
  • Landesinnungsverband Sachsen-Anhalt
  • Landesinnungsverband Schleswig-Holstein
  • Landesinnungsverband Thüringen
  • Innungsverband Westfalen

Finanzierung der Existenzgründung als Dachdecker

Die Gründungskosten lassen sich generell durch Förderungen oder einen Gründungszuschuss bezuschussen. Gründungsberater, die Bundesagentur für Arbeit und die Handwerkskammern helfen bei der Beantragung von Krediten oder dem Erstellen eines Businessplans zur Bewilligung von Krediten.
Businessplan erstellen
Für jede Gründung wird ein gut geschriebener Businessplan benötigt, wenn man auf Zuschüsse hofft. Beinhalten sollte dieser die Gründungsidee, den Markt für diese Idee und eine finanzielle Kalkulation. Themen sind beispielsweise:

  • Materialeinsatz
  • Lohn- und Nebenkosten
  • Kosten für Versicherungen
  • Genau Definition der Geschäftsidee und Spezialisierungsideen im Bereich des Dachdeckerhandwerks
  • Wie hebt sich das Angebot von anderen Dachdeckereien in der Region ab?
  • Erstellung von Finanzplan mit Kapitalbedarf, vorhandenem Eigenkapital und Finanzierung

Kredit bei der Bank beantragen

Ist der Businessplan erstellt, prüft die Bank den Businessplan. Ist alles in Ordnung, gibt es den Gründerkredit oder eine andere Förderung mit dem sich Werkzeuge, Geräte und Firmenwagen finanzieren lassen.
Bei der Handwerkskammer melden und Gewerbe anmelden
Die geplante Gründung einer Dachdeckerei muss bei der Handwerkskammer angemeldet werden. Der neue Betrieb wird in die Handwerksrolle eingetragen. Je nach Ausrichtung des Betriebes sind weitere Zulassungen oder Anmeldungen notwendig. Mit der Aushändigung der Handwerkskarte ist die Gewerbeanmeldung möglich.

Werbung für den Betrieb machen

Besonders zu Beginn der selbständigen Tätigkeit, ist das Internet zur Generierung von Erstaufträgen sinnvoll. Auf einer großen Handwerkerplattform wie MyHammer lässt sich eine elektronische Visitenkarte anlegen. Hier kann auf Tätigkeitsschwerpunkte hingewiesen werden und man kann sich auf Ausschreibungen von potentiellen Auftraggebern bewerben.


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