Der Betonbohrer ist für Betonbohrungen aller Art verantwortlich, damit die nachfolgenden Bauarbeiter die Leitungen für den Bau fachgerecht verlegen können.

Die Zahl der Betriebe, die Betonbohr- und -sägearbeiten anbieten, ist kaum zu erfassen. Viele Abriss- und Bauunternehmen bieten diese Arbeiten ebenso an, wie Betriebe, die ausschließlich als Betonbohrer auftreten. Da es immer mehr Betonbauten gibt und bei jedem Umbau in der Regel Durchbrüche gebraucht werden, ist von einer sich ständig verbessernden Auftragslage auszugehen.

Die Konkurrenz- und Marktlage richtig einschätzen

Generell ist einen gute Qualifizierung für den Betonbohrer wichtig, denn nur durch diese ist es möglich sich von Betrieben, die diese Arbeiten „nebenbei“ anbieten, abzugrenzen.

Folgende Fragen sollte sich der Betonbohrer bei der Auswahl seines Standortes und dem Start in die Selbständigkeit beantworten können:

  • Wie viele qualifizierte Betonbohrer arbeiten in der Region? Welche Leistungen bieten diese an?
  • Wie sieht das eigene Leistungsspektrum aus?
  • Wie hoch ist die Anzahl der älteren Betongebäude, bei denen ein Umbau zu erwarten ist?
  • Welche Bau- und Industrieunternehmen befinden sich im eigenen Aktionsradius?
  • Welcher Standort ist geeignet und warum?

Strategisch gesehen ist es sinnvoll, sich als Betonbohrer zu spezialisieren, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Kooperationen mit Ingenieurbüros sind außerdem von Vorteil. Einfache Betonbohrungen bis hin zu sehr anspruchsvollen Spezialbohrungen sind dabei gleichermaßen möglich und hängen vom fachlichen Können des Existenzgründers ab.

Fachliche Voraussetzungen für eine Existenzgründung als Betonbohrer

Die Handwerkskammer definiert den Aufgabenbereich eines Betonbohrers folgendermaßen: „Bearbeitet werden in diesem Gewerbe Betonteile durch Bohren und Schneiden. Dabei unterbleiben Eingriffe in die Baustatik. Es handelt sich also um eine Tätigkeit, von der keine Gefährdung ausgeht.

Die Selbständigkeit als Betonbohrer erfordert keinen Meisterbrief

Die Tätigkeit des Betonbohrers fällt unter die Kategorie handwerksähnliches Gewerbe, das in der Anlage B, Absatz 2, der Handwerksordnung (HwO) vermerkt ist. Jeder kann also ohne Prüfung seiner Kenntnisse sich als Betonbohrer selbstständig machen. Eine Berufsausbildung zum Betonbohrer gibt es nicht, die entsprechenden Fachkenntnisse werden im Rahmen einer Ausbildung zum Bauwerksmechaniker vermittelt. Ein Meisterbrief in diesem Beruf ist grundsätzlich von Vorteil.

Gründungskosten für einen Betonbohrer-Betrieb

Mit einem detaillierten Businessplan, bei dessen Erstellung die Handwerkskammer oder Finanzberater helfen, kann der Existenzgründer den Kapitalbedarf ermitteln. Dies ist auch Voraussetzung, um Kredite und Fördermittel zu erhalten.

Kosten für die Grundausstattung

Ein Startkapital von mindestens 40.000 Euro kann ausreichen, um auch die ersten Monate zu überstehen, bis die ersten Zahlungseingänge eintreffen. Wie teuer die Gründung wird, hängt vom genauen Leistungsspektrum ab, das der Betonbohrer anbieten will.

Fahrzeug

Betonbohrer müssen mit schwerem Werkzeug zu den Kunden fahren. Aus diesem Grund ist ein Firmenwagen notwendig. Ideal ist ein Pkw-Kombi, beispielsweise ein VW Golf „Variant, ein Opel „CarAVan“ oder ein Ford „Turnier“ beziehungsweise ein Kleinkastenwagen, wie der VW Caddy, der Peugeot Partner, ein Citroen Berlingo oder ein Opel Combo und ähnliche Modelle.

Leasing Sonderanzahlung
Generell gilt bei einer Gründung: Leasen ist vorteilhafter als Kaufen. Das Leasing schont als Finanzierungsinstrument die Liquidität und die Leasing Sonderzahlung ist als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar. Mehr dazu in unserem Artikel zur Grundausstattung eines Handwerksbetriebs. [Link zu /grundausstattung#Fahrzeuge]

Eine hohe Sonderzahlung ist für Betriebe interessant, welche den Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, denn diese können den Betrag im Anschaffungsjahr in voller Höhe als Betriebsausgabe ansetzen. Dies senkt die Steuerlast.

Für Fahrzeuge in der genannten Größenordnung sind Sonderzahlungen von 1.000 bis 5.000 Euro üblich.

Fahrzeugeinrichtung / Innenausbau
Wer sich keine Fahrzeugeinrichtung anschafft, hat mich Chaos zu kämpfen. Denn Bohr- und Sägemaschinen sowie dazugehörige Bohrkronen, Sägeblätter, Kabel, Schläuche und andere Kleinteile müssen untergebracht werden. Wer diese lose in seinen Transporter stapelt, muss bei einer Kontrolle mit Bußgeldern rechnen, denn die Vorschriften zur Ladungssicherung sind zu beachten.

Eine passende Fahrzeugeinrichtung bietet außerdem den Vorteil, dass Organisation und Handhabung des Werkzeugs auf der Baustelle optimal sind. Das sorgt für kurze Reaktionszeiten und erleichterte Arbeitsabläufe, wenn alles griffbereit ist. Passende Fahrzeugeinrichtungen für jedes Gewerk gibt es von verschiedenen Anbietern. Auch ist an eine gute Laderaumverkleidung zu denken. Diese verhindert Schäden am Fahrzeug, die bei der Rückgabe zu hohen Kosten führen.

Für die Ladungssicherung und die Verkleidung sind mindestens 1.500 Euro einzuplanen.

Folierung
Eine Beschriftung des Betriebsfahrzeugs ist sinnvoll, da es die Möglichkeit für kostenlose Werbung bietet. Da der Gründer mit diesem unterwegs ist, erfahren potentielle Auftraggeber automatisch von der Existenz des Unternehmens.

Eine Folierung hat gegenüber einer Lackierung den Vorteil, dass sich die Folien spurlos wieder entfernen lassen. Spezialbetriebe bringen diese schon ab etwa 150 Euro an.

Werkzeug

Betonbohrer benötigen einen professionelle Kernbohranlage, bestehend aus Antriebseinheit, Spindeleinheit, Bohrkronen-Adapter, Vorschubeinheit und Schienen sowie verschiedene Kleinstmaterialien sowie Kabel und Schläuche.

Für das Werkzeug sind Kosten von mindestens 15.000 Euro zu veranschlagen.

Kleidung

Die Arbeit des Betonbohrer kann in geheizten Räumen oder im Freien stattfinden. Er braucht daher Overall beziehungsweise Hose und Jacke, Shirt sowie wetterfeste Kleidung, die vor Kälte und Nässe schützt. Für die Arbeitskleidung sollten pro Satz etwa 500 Euro einkalkuliert werden.  

Auf Sicherheit achten
Für die Tätigkeit auf Baustellen brauchen Betonbohrer Sicherheitsschuhe nach DGUV-Regel 112-191l, der Klasse S1P (öl- und benzinresistente Sohle mit Durchtrittsicherheit) sowie einen Schutzhelm. Hinzukommt grundsätzlich ein Gehörschutz.

Büro/Computer

Kein Betonbohrer benötigt ein aufwendiges Büro. Telefon, Computer und Software reichen aus, um mit Kunden zu kommunizieren und die Korrespondenz zu erledigen. Für 300 bis 500 Euro bekommen Gründer einen ausreichende Büroausstattung, die für die ersten Monate ausreichend ist.

Geschäftsausstattung: Briefpapier, Logo und Visitenkarten

Um einen seriösen und kompetenten Eindruck zu vermitteln, benötigt der Gründer professionell gestaltetes Briefpapier mit passenden Visitenkarten. Ein aussagekräftiges Logo ist Pflicht.

Grafikagenturen und Webdesigner erstellen diese Ausstattung und beraten ausführlich. Oft gibt es Starterpakete, welche die Agenturen für Gründer anbieten. Mindestens 500 Euro sind für die Geschäftsausstattung zu veranschlagen.

Lager und Werkstatt

Der Betonbohrer benötigt lediglich einen Raum, um das Werkzeug sicher unterzustellen. Für diesen ist zu Beginn keine Ausstattung erforderlich.

Laufende Kosten

Bis die ersten regelmäßigen Zahlungen eingehen, dauert es einige Monate. Der Gründer muss daher die laufenden Kosten von etwa sechs Monaten in die Gründungskalkulation einbeziehen.

Mitgliedschaften

Betonbohrer sind verpflichtet der örtlichen Handwerkskammer beizutreten. Sofern Sie kein Mitglied im Deutschen Abbruchverband e.V. oder im Abbruchverband Nord e.V. sind, tritt auch die SOKA-BAU an den Betrieb heran. Außerdem muss der Gründer den Betrieb der BG BAU – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft melden.

Handwerkskammer
Da die örtlichen Kammern die Beiträge in eigener Regie festlegen, sind diese nicht einheitlich. Meist ist der Gewinn des drittvorangegangenen Jahres ausschlaggebend. Liegt dieser unter 20.000 Euro, ist nur ein Grundbeitrag von jährlich 120 bis 350 Euro zu entrichten. Wer mehr Gewinn erzielt muss für diesen etwa 0,8 Prozent zusätzlich zahlen.

Hinweis: Für Existenzgründer, die ein Einzelunternehmer führen, gelten in der Regel in den ersten drei Jahren Sonderregelungen.

Sozialkasse der Bauwirtschaft
Die Kasse zahlt Aus- und Fortbildung, Urlaubsgeld, Lohnausgleich bei schlechtem Wetter und vieles mehr. Im Gegenzug erhebt sie von den Betrieben abhängig vom Bundesland zwischen 19 und 22 Prozent der Bruttolohnsumme aller gewerblichen Arbeitnehmer. Für Angestellte sind abhängig von der Tätigkeit und Region zwischen 20 und 80 Euro pro Monat zu zahlen.

Berufsgenossenschaft
Für Betonbohrer ist die BG BAU – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft zuständig. Sie leistet Zahlungen nach Berufsunfällen, bei Berufskrankheiten und hilft, die Sicherheit des Betriebes zu verbessern. Die Genossenschaft legt die tatsächlich angefallenen Beträge auf alle Betriebe um. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach der Art der Leistungen und dem Risiko des Gewerks. Da der Schlüssel auf die Bruttolohnsumme angewendet wird, entstehen keine finanziellen Verpflichtungen, für Betriebe, die keine Mitarbeiter haben.

Innungen
Im Fachverband Betonbohren und -sägen Deutschland e.V. sind etwa 700 Betriebe Mitglied. Eine Mitgliedschaft im Verband schützt nicht immer vor Forderungen der SOKA-BAU. Wenn der Betrieb überwiegend Bauarbeiten ausführt, muss er auch an die Sozialkasse zahlen.

Die Mitgliedschaft bietet viele Vorteile, wie vergünstigte Schulungen bei der DEKRA. Außerdem können Mitgliedern ein sehr geschätztes Qualitätszeichen erlangen und kostengünstig an Fachseminaren teilnehmen.

Die Beiträge orientieren sich am Gewinn. Sie betragen meist zwischen 300 und 500 Euro pro Jahr.

Fahrzeug

Das Firmenfahrzeug verursacht die höchsten regelmäßige Kosten. Davon entfällt der größte Anteil auf die Leasingraten.

Leasing
Je nach Wert des Fahrzeugs, der Bonität der Leasingnehmersund der Höhe der Sonderzahlung, ist mit Kosten von 200 bis 500 Euro zu rechnen. Die Raten verringern als Betriebsausgaben den Gewinn und damit auch die Steuerlast.

Kraftstoff
Der Verbrauch an Kraftstoff hängt vom Fahrzeug und der Fahrleistung ab. Realistisch ist monatliche Kosten von von 100 bis 300 Euro für das Tanken anzusetzen.

Kfz-Steuer
Die Steuer für das Firmenfahrzeug ist grundsätzlich für ein ganze Jahr zahlen. Maßgeblich ist der Tag der Anmeldung. Die Höhe orientiert sich am Tag der Erstzulassung, an der Antriebsart und am CO2-Ausstoß. Für Autos mit Benzinmotor sind beispielsweise zwei Euro pro angefangene 100 Kubikmeter Hubraum und zwei Euro pro Gramm CO2 pro Kilometer zu zahlen. Insgesamt sind es meist 200 und 350 Euro pro Jahr.

Versicherung
Da die Leasinggeber eine Vollkaskoversicherung verlangen, ist für diesen Posten ein etwas höherer Betrag anzusetzen. Abhängig von der Typklasse, der Schadensfreiheitsklasse des Versicherungsnehmers, der Region, in welcher die Firma ansässig ist und der jährlichen Fahrleistung, ist mit einem Beitrag von jährlich 700 bis 1.000 Euro zu rechnen.

Tipp: Die Versicherungsunternehmen kalkulieren die Tarife nicht einheitlich. Preisvergleiche lohnen sich daher.

Verschleiß / Wartung
Bedingt durch Herstellergarantie und Vollkasko ist in den ersten Jahren für einen Neuwagen nicht mit Reparaturosten zu rechnen. Aber die vorgeschriebenen Inspektionen, Haupt- und Abgasuntersuchungen sowie den Austausch von Verschleißteilen sollten Gründer mit 100 bis 200 Euro jährlich berücksichtigen.

Versicherungen

Bohr- und Sägebetriebe tragen ein großes Risiko. Der Versicherungsschutz muss auf das Tätigkeitsfeld abgestimmt sein. Auch sollten Gründer eine Inhalts- und Ertragsausfallversicherung abschließen, denn der Verlust der teuren Ausrüstung könnte ansonsten den Betrieb ruinieren. Die beruflichen Versicherungen sind mit 50 bis 100 Euro im Monat zu kalkulieren.

Miete / Nebenkosten / Strom / Wasser / Telefon

Da Betonbohrer lediglich einen Raum benötigen, um die Ausrüstung unterzustellen, reichen in der Regel 300 bis 600 Euro für Mieten, Energie-, Wasser- und Telefonkosten.

Marketing

Angehende Betonbohrer sollten ein aktives Marketing betreiben. Eine gute Strategie und die Auswahl der Zielgruppe ist von großer Bedeutung, um neue Kunden zu gewinnen.

Webseite
Neukunden suchen eher selten im Internet einen Betonbohrer. Die Notwendigkeit ein größeres Loch in Beton zu bohren, steht im Zusammenhang mit anderen Arbeiten, beispielsweise dem Einbau einer Lüftungsanlage. Hausbesitzer wenden sich an die Firmen, welche die technischen Anlagen einrichten, statt selbst einen Spezialisten für das Bohren zu suchen.

Trotzdem sollte der Betrieb eine aussagekräftige Webseite besitzen, die regelmäßig gepflegt wird. Viele Agenturen bieten ermäßigte Preise für die Erstellung einer Webseite für Gründer an, es lohnt sich, die Angebote zu vergleichen. Ab 1.000 Euro ist eine Webseite zu bekommen, auf der das Leistungsspektrum des Betriebes übersichtlich dargestellt sowie ein Kontaktformular vorhanden sein sollte. Zusätzlich ist darauf zu achten, dass die Seite suchmaschinenoptimiert ist und regelmäßig gepflegt wird, damit sie auffindbar bleibt und die wichtigen Informationen liefert. Gerne übernehmen die Agenturen meist die regelmäßige Pflege, was mit 30 bis 100 Euro pro Monat zu kalkulieren ist, je nachdem wie groß der Pflegeaufwand ist.

Werbung online

Auch in Handwerkerportalen wie MyHammer sollten Gründer präsent sein, denn gerade für den Start bieten die Portale eine gute Position in den Suchmaschinen, wenn der Betrieb gerade noch am Anfang steht, ist dies eine gute Starthilfe, wenn Kunden nach einem Handwerker in ihrer Nähe suchen.

Werbung offline
Gründer müssen Kontakte zu Firmen, die Betonbau anbieten, Gebäude sanieren oder Heizungen/Lüftungen einbauen, knüpfen. Auch Architekten und Statiker sind Ansprechpartner, um die eigene Leistung anzubieten. Visitenkarten und hochwertige Prospekte unterstützen diese Maßnahme. Hierfür sind 150 bis 200 Euro pro Monat einzukalkulieren.

Checkliste: Als Betonbohrer selbständig machen

  1. Sind die fachlichen Voraussetzungen erfüll, um qualifiziert Bohrungen in Beton anzubieten.
  2. Ist ein ausreichendes Gründungskapital für den Start vorhanden? Businessplan erstellen, um Gründungszuschuss und Darlehen zu bekommen.
  3. Bei der Handwerkskammer, der Berufsgenossenschaft und eventuell sich bei einem Fachverband anmelden
  4. Gewerbeanmeldung erledigen
  5. Computer und Software anschaffen
  6. Werkzeug und Arbeitskleidung kaufen
  7. Werbung für den Betrieb machen
  8. Aufträge annehmen und Termine bei den Kunden planen

Beschaffung

Die Ausrüstung für das Bohren und Schneiden von Beton ist teuer. Der Fachverband und die Handwerkskammer helfen, gebrauchte Maschinen zu erstehen. Auch die Suche im Internet ist vielversprechend.

Spezialisierungen

Da es keine Zulassungsvoraussetzungen gibt, um sich als Betonbohrer selbstständig zu machen, ist es wichtig, dass Auftraggeber die Qualifikation des Betriebs erkennen. Seit dem ersten März 2019 ist die Rechtsvorschrift für die Fortbildungsprüfung zum „Geprüften Meister für Abbruch und Betontrenntechnik“ in Kraft getreten. Ab September 2019 ist eine entsprechende Ausbildung möglich.

Zertifizierungen
Der Fachverband Betonbohren und -sägen Deutschland e.V. vergibt das „Q-Zeichen“. Dieses bekommen nur Betriebe, die über ausgebildetes Fachpersonal verfügen, sie müssen unter der Leitung eines Meisters oder Bauingenieurs stehen.


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