Wohnungsmangel, energetische Sanierungen und die Notwendigkeit, veraltete Bausubstanz zu erneuern, sorgen für einen anhaltenden Bauboom. Der Bauberater hilft dabei, die Lage für den Bau richtig einzuschätzen, indem er sich die Gegebenheiten des Grundstückes ansieht und über die regionalen und örtlichen Baubestimmungen Bescheid weiß. Er hilft auch bei der Kalkulation der anfallenden Baukosten. Jeder Schritt muss beim Bau sorgfältig geplant werden und es gibt viele Einzelheiten beim Hausbau zu bedenken. Der Bauberater bringt seinen Kunden die verschiedenen Möglichkeiten des Bauens näher.

Momentan erfreut sich die Branche wie oben erwähnt einer großen Nachfrage nach Bauberatung. Eine gute Zeit sich als Bauberater selbstständig zu machen.

Die Konkurrenz- und Marktlage richtig einschätzen

Das größte Problem ist derzeit einen Überblick über das Angebot an Bauberatungen zu bekommen. Baufirmen, Makler, Architekten und Bauhandwerker bieten häufig ihre Dienste als Bauberater an, zum Teil ohne ausreichende Fachkenntnisse.

Wer auf dem Markt Fuß fassen will, sollte daher weniger auf die Konkurrenz achten, als auf die eigene fachliche Qualifikation. Das wichtigste ist, die Dienste in einer Region anzubieten, in der einen rege Bautätigkeit zu verzeichnen ist. Die Zahl der Bauanfragen, die Anzahl von sanierungsbedürftigen Altbauten und die Infrastruktur sind von Bedeutung. Gute Aussichten eine erfolgreiche Bauberatung zu gründen besteht in allen Gebieten mit einer hohen Zuwanderung. Gerade der Standort spielt in der Branche der Bauberatung eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn das Büro sollte leicht erreichbar sein, am besten auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, damit es auch für Kunden ohne eigenes Auto gut erreichbar ist.

Fachliche Voraussetzungen für eine Existenzgründung als Bauberater

Jeder hat das Recht sich als Bauberater selbstständig zu machen, denn die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Eine Ausbildung oder ein Studium zum Bauberater gibt es nicht. Dafür bieten Institute eine Vielzahl von Aus- und Weiterbildungen, die auf einer Erstausbildung beispielsweise zum Maurer, Maler oder Stuckateur basieren. Einen guten Start in die Selbstständigkeit als Bauberater bietet ein Abschluss als Bauberater kdR (kontrollierte deklarierte Rohstoffe).

Ein Bauberater muss versiert sein, wenn er Erfolg haben möchte
Jeder Bauinteressent stellt andere Anforderungen an den Bau seines Hauses und es gibt vielzählige Möglichkeiten darüber, welche Baustoffe und welche Haustechnik eingesetzt werden können und sollen. Der Bauberater muss sich auf diesem Gebiet bestens auskennen, um seine Kunden ausführlich und umfassend zu diesem Thema beraten zu können.

Vielen Bauwilligen fällt es schwer, die verschiedenen Hausangebote vernünftig miteinander zu vergleichen, denn die Baubeschreibungen sind oft wenig ausführlich und helfen dem Laien nicht weiter, wenn er objektiv Leistungen und Preise vergleichen möchte. Der Bau eines Hauses ist von der Architektur und der Raumaufteilung bis hin zur Wahl der Bauweise und den verwendeten Baumaterialien ein sehr komplexes Thema. Ohne fundiertes Wissen schafft es der Bauberater hier nicht, den Überblick zu haben.

Auch während der Bauphase muss der Bauberater seinen Kunden mit kompetentem Wissen beiseite stehen und er muss die Arbeiten der verschiedenen Gewerke kontrollieren und absegnen. Ein geschultes Auge ist wichtig, um eventuelle Mängel zu erkennen und rechtzeitig zu reklamieren.

Gründungskosten

Bauberater benötigen nur ein geringes Gründungskapital, da sie nahezu kein Handwerkszeug benötigen. Sie sollten trotzdem nicht auf einen Businessplan verzichten. Hilfe bekommen Sie bei der IHK oder bei einem Fachverband für Bauberater.

Kosten für die Grundausstattung

Ein ordentliches Büro und ein Fahrzeug reichen aus, um sich als Bauberater selbständig zu machen. Mit einem Startkapital von 20.000 Euro lässt sich die Betriebsausstattung finanzieren und die Zeit ohne Einnahmen überstehen.

Fahrzeug

Ein kleiner Firmenwagen ist für Bauberater perfekt. Sie benötigen ihn, um rasch oft zu entlegenen Baustellen zu gelangen. Da sie nur Pläne und eventuell einfache Messgeräte transportieren müssen, genügen Fahrzeuge in der Größenordnung eines VW Polo, Renault Clio oder Seat Ibiza.

Leasing Sonderanzahlung
Gründer sollten ein Fahrzeug leasen. Dies belastet die Liquidität kaum und verbessert das Rating. Leasinggeber verlangen zum Vertragsbeginn meist eine Sonderzahlung. Sie richtet sich nach dem Wert des Fahrzeugs und der Bonität des Leasingnehmers. Mehr dazu in unserem Artikel zur Grundausstattung eines Handwerksbetriebs.

Betriebe, die den Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, können die Sonderzahlung sofort von den Einnahmen abziehen, um den Gewinn und somit die Steuerlast zu senken.

Für einen Kleinwagen fallen meist Beträge zwischen 500 und 3.000 Euro als Einmalzahlung an.

Folierung
Eine Beschriftung des Firmenwagens ist die beste Werbung, die sich ein Bauberater wünschen kann. Der Besuch auf den Baustellen bleibt nicht unbemerkt. Besonders in Neubaugebieten, ist diese Aufmerksamkeit wichtig, denn hier gibt es viele Bauherren, die einer Beratung bedürfen. Eine Folierung ist ab 150 Euro aufwärts von Spezialfirmen zu bekommen.

Werkzeug

Ein gutes Feuchtigkeitsmessegerät ist das wichtigste Handwerkszeug des Bauberaters. Denn Bauberater müssen häufig die Restfeuchte in Baustoffen bestimmen. Für dieses sind zirka 300 Euro zu veranschlagen. Auf ein solches Messgerät darf kein Bauberater verzichten, denn nur wenn er die Feuchte von Baustoffen kennt, kann er entscheiden, welche weiteren Baumaßnahmen stattfinden dürfen und sollen.

Kleidung

Eine Arbeitskleidung ist für Bauberater nicht üblich. Da er sich auf Baustellen bewegt, sollte er aber einen Helm und Sicherheitsschuhe besitzen. Hierfür sind etwa 150 Euro zu veranschlagen.

Büro und Computer

Ein Bauberater benötigt ein kleines Büro, in welchem er Kunden zu einem Beratungsgespräch empfangen kann. Zusammen mit Telefon, Computer und Software sind Kosten von 1.500 bis 3.000 Euro für die Büroausstattung einzuplanen.

Geschäftsausstattung: Briefpapier, Logo und Visitenkarten

Um sich aus der Masse der unqualifizierten Bauberater hervorzuheben, sind gut gestaltetes Briefpapier und Visitenkaten wichtig. Ein ansprechendes Logo rundet das Bild ab. Natürlich müssen alle wichtigen Zertifikate und Titel des Beraters auf den Schriftstücken erwähnt werden.

Webdesigner oder Grafiker gestalten alles aus einem Guss. Eine solche Ausstattung kostet mindestens 500 bis 1.000 Euro.

Internetauftritt

Auch die Webseite sollte nicht aus einem Homepage-Baukasten stammen, sondern individuell und repräsentativ sowie suchmaschinenoptimiert von einer Agentur oder einem Webdesigner erstellt werden. Eine professionell erstellte Webseite kostet mindestens 3.000 Euro.

Laufende Kosten

Nach der Gründung dauert es meist ein halbes Jahr, bis nennenswerte Zahlungseingänge zu verzeichnen sind. Etwa 1.500 Euro monatlich sollten angehende Bauberater in der Gründungskalkulation berücksichtigen, um diese Zeit zu überstehen.

Mitgliedschaften

Bauberater gelten nicht als Handwerker, daher sind sie lediglich verpflichtet der IHK beizutreten. Ferner müssen Sie die Aufnahme des Betriebes der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) melden.

IHK
Die Kammern agieren auf regionaler Ebene. Aus diesem Grund sind die Beiträge nicht einheitlich. Betriebe in der Rechtsform des Einzelunternehmers zahlen etwa 25 bis 50 Euro im Jahr, sofern der Gewinn 25.000 Euro nicht übersteigt.

Berufsgenossenschaft
Die Beiträge für die Berufsgenossenschaft sind an die Bruttolohnsumme gekoppelt. Kleinunternehmer müssen mit einem Mindestbeitrag von etwa 50 Euro im Jahr rechnen.

Fachverband
Für Bauberater ist die Mitgliedschaft in einem Fachverband von Bedeutung, da diese gleichzeitig die Qualifikation belegt. Architekten sind in der Regel ohnehin Mitglied in der Architektenkammer. Einen guten Ruf hat der Bundesverband Bauberater kdR. Je nach Fachrichtung kommt auch eine Mitgliedschaft im Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung e.V. oder im Verband Privater Bauherren e.V. infrage.

Für eine Mitgliedschaft sind 300 und 500 Euro pro Jahr einzukalkulieren.

Fahrzeug

Recht hohe laufende Kosten verursachen das Firmenfahrzeug und die Raumkosten. Leasingraten, Energiekosten und Mieten sind besonders belastend.

Leasing
Ein relativ günstiger Kleinwagen kostet bei einer guten Bonität des Gründers zwischen 50 und 150 Euro im Monat. Die Leasingraten sind deutlich höher, wenn keine Sonderzahlung erfolgt oder die Bonität nur im Mittelfeld liegt.

Kraftstoff
Da ein Kleinwagen meist einen niedrigen Verbrauch hat und auch keine großen Fahrstrecken zu erwarten sind, fallen etwa 50 bis 200 Euro für das Tanken an.

Bauberater, die ein großes Einzugsgebiet bearbeiten, müssen aber mit höheren Kosten rechnen.

Kfz-Steuer
Das Finanzamt erhebt die Kraftfahrzeugsteuer für ein ganzes Jahr, ab den Tag der Anmeldung. Die Höhe hängt vom Tag der Erstzulassung, von der Antriebsart und vom CO2-Ausstoß ab.

Meist beträgt die Jahressteuer für einen Kleinwagen 150 bis 250 Euro pro Jahr.

Versicherung
Für ein Fahrzeug, das in der Finanzierung ist, muss der Gründer eine Vollkaskoversicherung abschließen. Dies ist in der Regel im Leasingvertrag festgeschrieben. Die Versicherungen kalkulieren die Prämien nach vielen Faktoren wie Regional-, Typ- und Schadenfreiheitsklasse.

Auch die Fahrleistung und die Unterbringung fließen in die Kalkulation ein. Generell sind große Preis- und Leistungsunterschiede bei den Tarifen der Gesellschaften üblich. Preisvergleiche lohnen sich. Die Versicherungskosten pro Jahr bewegen sich bei Kleinwagen zwischen 500 und 1.000 Euro jährlich.

Verschleiß / Wartung
Neuwagen verursachen selten Reparaturkosten, weil diese meist von der Vollkasko oder der Herstellergarantie übernommen werden. Natürlich entstehen trotzdem Werkstattkosten, denn Inspektionen und Wartung, der Austausch von Verschleißteilen und die vorgeschriebenen Haupt- und Abgasuntersuchungen muss der Halter tragen. Hierfür sind 100 bis 500 Euro im Jahr einzuplanen.

Versicherungen

Eine Betriebshaftpflichtversicherung übernimmt die finanziellen Folgen von Schäden, die im Zusammenhang mit der Tätigkeit entstehen. Typische Schadensfälle, welche diese Versicherung abdeckt, sind, dass ein Kunde im Büro des Beraters über ein Kabel stolpert oder der Berater versehentlich Einrichtungsgegenstände des Kunden zerstört.

Diese Versicherung schützt aber nicht vor den Folgen einer falschen Beratung. Daher benötigen Bauberater zusätzlich eine Beraterhaftpflicht (Vermögensschadenhaftpflicht), welche die Kosten übernimmt, die dem Kunden des Beraters durch eine falsche Beratung entstehen. Insgesamt sind etwa 30 bis 50 Euro im Monat für den Versicherungsschutz zu veranschlagen.

Miete / Nebenkosten / Strom / Wasser / Telefon

Ein kleines Büro in gut zu erreichender Lage kostet zwischen 300 und 1.000 Euro. Zusammen mit den Wasser-, Energie- und Telefonkosten sind etwa 500 bis 1.500 Euro einzuplanen.

Marketing

Um regelmäßig Aufträge zu bekommen, müssen Bauberater Ihre Dienste seriös präsentieren. Bauberater müssen immer unabhängig sein. Sie dürfen nicht mit Baufirmen oder Architekten zusammenarbeiten, die ihnen Aufträge vermitteln. Deshalb ist ein gutes Marketing für den Bauberater besonders wichtig.

Webseite
Für jeden Bauberater ist es Pflicht, eine gut gepflegte und suchmaschinenoptimierte Webseite zu besitzen, die das Leistungsspektrum übersichtlich darstellt und Seriosität und Kompetenz vermittelt. Ein Kontaktformular für die einfache Kontaktaufnahme sollte auf der Webseite unbedingt vorhanden sein.

Die Erstellung der Homepage kostet bei professionellen Agenturen oder einem selbständigen Webdesigner ab 1.000 Euro aufwärts. Oft übernehmen diese auch die kontinuierliche Pflege der Homepage für etwa 30 bis 100 Euro im Monat, je nachdem wie aufwendig die Pflege ist.

Werbung online
Neben der eigenen Homepage bietet es sich an, sich auf Handwerkerportalen wie MyHammer ein Profil zu erstellen. Hier kann man von der guten Reichweite, die die Portale bieten, profitieren, um von Kunden in der Nähe einfach und schnell gefunden zu werden. Auf dereigenen Profilseite lässt sich das Leistungsspektrum und die Referenzen darstellen. Die Kontaktaufnahme von potentiellen Kunden ist möglich und der Bauberater kann sich auch auf ausgeschriebene Ausschreibungen bewerben. Eine monatliche Grundgebühr sowie eine kleine Provision auf angenommene Aufträge wird für diesen Posten fällig.

Ist der Bauberater versiert und hat gute Referenzen vorzuweisen, kann er sich auch auf Social Media einen Namen machen. Es hilft, Beratungstexte für Interessierte zu veröffentlichen und aktuelle News zur Baubranche hin und wieder auf seinem Social-Media-Profil zu teilen. Die Kunden merken, wenn der Bauberater mit seinem Wissen auf dem neuesten Stand ist. Das steigert wiederum das Vertrauen und führt gelegentlich zu einem Auftrag.

Werbung offline
Annoncen in Fachzeitschriften und lokalen Medien machen den Service des Bauberaters bekannt. Er kann sich auch an Immobilien- oder Finanzmakler sowie Banken wenden, damit diese Bauherren raten, einen Bau oder Umbau durch einen Bauberater begleiten zu lassen. Dies bietet sich besonders an, wenn der Bauberater eine Zulassung als Energieberater im Rahmen der KfW oder BaFa-Förderung hat.

Gründer benötigen außerdem Visitenkarten und Prospekte, um bei diesen Ansprechpartnern in Erinnerung zu bleiben und Material zur Weitergabe an Bauherren zu hinterlassen. Das Budget für diesen Posten sollte mindestens 500 Euro monatlich betragen.

Checkliste: Als Bauberater selbständig machen

  1. Welche fachlichen Voraussetzungen qualifizieren mich als Bauberater?
  2. Sind weitere Qualifizierungen sinnvoll?
  3. Businessplan erstellen und Finanzierung des Vorhabens sichern
  4. Gewerbeanmeldung erledigen
  5. Bei der IHK und der Berufsgenossenschaft melden
  6. Mitgliedschaft in einem Fachverband beantragen
  7. Auto, Büro und Geschäftsausstattung beschaffen
  8. Werbung für den Betrieb machen
  9. Aufträge annehmen und Termine bei den Kunden planen

Beschaffung

Leasinggesellschaften und der Autohandel bieten oft günstige Fahrzeuge an, die nahezu neuwertig sind. Es lohnt nach Leasingrücknahmen, Vorführwagen und Jahreswagen zu fragen.

Spezialisierungen

Spezialisierungen sind für Bauberater extrem wichtig, denn das weite Feld der Baubegleitung ist sehr vielseitig. Es bietet sich eine Spezialisierung auf energetische Sanierungen, Entfeuchten von Gebäuden oder Schimmelbeseitigung an. Auch das Überwachen von Neubauten ist ein lukratives Spezialgebiet.

Zertifizierungen
Die IQUH GmbH – Institut für Qualitätsmanagement und Umfeldhygiene bietet Seminare an, die mit einem Zertifikat als Bauberater kdR, Geruchsprüfer kdR oder Bausachverständiger kdR abschließen.

TÜV und DEKRA bieten Schulungen an, die zum Baucontrolling beziehungsweise baubegleitendem Qualitätscontrolling qualifizieren.


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