Steht der Betrieb nach der Gründung auf soliden Beinen, ist es sinnvoll über eine Qualifikation als Ausbildungsbetrieb nachzudenken.

Junge Menschen auszubilden hat für Betriebe zwei Vorteile: Etwa ab dem zweiten Lehrjahr leisten diese einen produktiven Beitrag und können das Personal entlasten. Wichtiger ist, dass ausbildende Betriebe dem drohenden Fachkräftemangel vorbeugen und sich Fachkräfte heranziehen, welche, die Abläufe im eigenen Betrieb kennen und bei einer Übernahme nicht neu angelernt werden müssen sondern als volle Arbeitskraft sofort einsatzfähig sind.

Voraussetzungen für einen Ausbildungsbetrieb

Natürlich kann nicht jeder Handwerksbetrieb beschließen, ab sofort ein Ausbildungsbetrieb zu sein. Hierfür sind eine Reihe von Vorschriften aber auch Qualifikationen zu beachten. Generell darf nur derjenige ausbilden, der persönlich und fachlich dazu geeignet ist.

Der Ausbildungsbetrieb muss dem Auszubildenden Kenntnisse und Fertigkeiten des gewählten Handwerks vermitteln können. Dabei sind die inhaltlichen Abläufe der Ausbildung durch die jeweilige Ausbildungsordnung geregelt.

Rechtliche Vorschriften für Ausbildungsbetriebe

Möchte der Handwerksbetrieb zum Ausbildungsbetrieb werden, ist mindestens eine Person mit Ausbildungsbefähigung notwendig. Die Befähigung zur Ausbildung von Mitarbeitern ist über eine bestandene Ausbilder-Eignungsprüfung bei der IHK nachzuweisen. Meister im Handwerk haben in der Regel den sogenannten AdA-Schein schon im Vorhinein.

Um in einem Handwerkszweig ausbilden zu dürfen, muss der Betrieb zusätzlich eine Ausbildungsberechtigung haben, das heißt, über ausreichende Fachkenntnisse verfügen und von der zuständigen Handwerks- oder Industrie- und Handelskammer als Ausbildungsbetrieb zugelassen sein.

Ausbilderbefähigung

Die Ausbildungseignungsverordnung (AEVO) verlangt keine Voraussetzungen für die Zulassung zur Ausbilder-Eignungsprüfung. Die Prüfung kann bei jeder Handwerkskammer oder IHK abgelegt werden.

Der erlangte Nachweis ist im gesamten Bundesgebiet für jedes Gewerbe gültig. Im Rahmen der Prüfung weist der Ausbilder seine Fähigkeit nach, selbstständig eine Ausbildung zu planen, durchzuführen und zu kontrollieren. Er muss nicht über das fachliche Können verfügen, das für den Ausbildungsberuf erforderlich ist.

Ausbildungsberechtigung

Die Berechtigung auszubilden bekommen nur Betriebe, wenn sie über entsprechendes Personal mit Fachkenntnis verfügen und die Ausstattung des Betriebes eine Ausbildung ermöglicht. Der Betrieb muss in der Lage sein, eine grundlegende und umfassende Ausbildung zu gewährleisten. Über die Ausbildungsberechtigung des Betriebes entscheiden und wachen die zuständigen Stellen.
Um ein anerkannter Ausbildungsbetrieb zu werden, ist ein Antrag auf Anerkennung als Ausbildungsstätte zu stellen.

Eine umfängliche Ausbildung gewährleisten

Um dem Auszubildenden eine umfängliche Ausbildung gewährleisten zu können, muss der Betrieb einige Voraussetzungen erfüllen, die von den Handwerkskammern überprüft werden.

Betriebliche Eignung

In erster Linie müssen im Betrieb Arbeitsplätze vorhanden sein, an denen ein Auszubildender üben und auch produktiv arbeiten kann.

Die Kammern achten außerdem bei der Zulassung als Ausbildungsbetrieb in der Regel streng auf das Verhältnis der Anzahl von Auszubildenden zu den beschäftigten Fachkräften. Eine Fachkraft muss nicht Meister oder Geselle sein, aber es muss eine nachzuweisende Qualifizierung im Ausbildungsberuf vorhanden sein. Im Schnitt erwarten die Kammern, dass jede Fachkraft nicht mehr als zwei Auszubildende betreut. Dies wird während der gesamten Ausbildungszeit kontrolliert. Abweichungen davon, sind nur in Einzelfällen zulässig.

Wenn ein Betrieb nicht alle Voraussetzungen erfüllt, kann er, statt eine Vollausbildung anzubieten, eine dieser Optionen wählen:

OptionBedeutungGeeignet für
Vollausbildung kombiniert mit überbetrieblicher AusbildungsstätteÜberbetriebliche Kurse ergänzen die Ausbildung, um Inhalte, die der Betrieb nicht vermitteln kann.Betriebe, die nur wenige Inhalte nicht vermitteln können
VerbundausbildungMehrere Betriebe schließen sich zusammen, um den Auszubildenden alle erforderlichen Ausbildungsinhalte zu vermitteln.Betrieb, die nur wenige Inhalte vermitteln können.

Fachliche Eignung des Ausbilders

In einem Betrieb, der als Ausbildungsbetrieb zugelassen ist, muss mindestens ein verantwortlicher für die Ausbildung vorhanden sein. Dieser ist der zuständigen Kammer mit Namen zu benennen.

Der Verantwortliche muss entweder die Ausbildungsprüfung bestanden haben oder über eine ausreichende fachliche Qualifikation im Ausbildungsberuf verfügen. Außer einem Meisterbrief gilt beispielsweise auch ein erfolgreiches Studium in der entsprechenden Fachrichtung und eine angemessene Zeit einer praktischen Tätigkeit als ausreichende fachliche Qualifikation. Auch wer mindestens das Anderthalbfache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, in dem Beruf gearbeitet hat, darf ausbilden.

Persönliche Eignung des Ausbilders

Im Hinblick auf die persönliche Eignung des Ausbilders gibt es wenige Einschränkungen Lediglich wem wegen einschlägiger Vorstrafen der Umgang mit Kindern untersagt ist oder wer wiederholt oder schwer gegen das Berufsbildungsgesetz verstoßen hat, gilt als ungeeignet.

Berufsausbildungsvertrag – Mindestinhalte

Der Berufsausbildungsvertrag ist in Paragraf §10 Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt. Dieser schreibt Mindestinhalte vor. Die Ausbildungsvergütung legen in der Regel die jeweiligen Tarifverträge fest.

Inhalte des Berufsausbildungsvertrages

Der Mindestinhalt des Vertrages umfasst Angaben über Namen und Anschriften der Vertragspartner, sowie Ziel der Ausbildung, inklusive sachlicher und zeitlicher Gliederung.

Auch der Beginn und die Dauer sowie der Ort der Ausbildung sind darin festgelegt. Außerdem werden im Vertrag außerbetriebliche Maßnahmen, die Höhe der Ausbildungsvergütung, die Arbeitszeiten, die Urlaubszeiten und die Voraussetzung für eine Kündigung festgelegt.

Hinweis: Während der Probezeit von mindestens einem Monat und maximal vier Monaten, dürfen beide Seiten fristlos ohne Angaben von Gründen kündigen. Danach darf jeder Vertragspartner nur aufgrund schwerer Verstöße des anderen Partners fristlos mit Begründung kündigen.

Eine ordentliche Kündigung ist nach Ablauf der Probezeit nur noch dem Auszubildenden möglich.

Ausbildungsvergütung und Lohnnebenkosten

Die Tarifverträge der Branche Regeln die Höhe der Ausbildungsvergütung. Da es sich um Verträge zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden handelt, sind Betriebe, die nicht in einem Verband sind, an diese Vereinbarungen nicht gebunden. Sie müssen aber mindestens 80 Prozent der ausgehandelten Vergütung zahlen. Mindestlohnvereinbarungen gelten für Ausbildungsverhältnisse nicht.

Sofern die Vergütung unter der Geringverdiener-Grenze von 325 Euro monatlich (Stand 2019) liegt, muss der Betrieb die gesamten Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung übernehmen. Ansonsten gehen diese Beiträge etwa zur Hälfte zulasten der Ausbildungsvergütung. Brutto- und Nettovergütung unterscheiden sich.

Pflichten des Ausbildungsbetriebs

Wer sich entscheidet, ein Ausbildungsbetrieb zu werden, geht eine langfristige Verpflichtung ein. Der Betrieb muss für die gesamte Ausbildungszeit gewährleisten, dass Personal und Ausstattung zur Verfügung stehen, um dem Auszubildenden die Fähigkeiten zu vermitteln, die zum Erreichen des Ausbildungszieles notwendig sind.

Arbeitsgeräte für die Ausbildung bereitstellen

Der Auszubildenden hat Anspruch auf kostenlose Mittel für seine Ausbildung. Der Betrieb muss ihm also Werkzeuge, Maschinen und Material zur Verfügung stellen. Dies bedeutet nicht, dass er einen eigenen Werkzeugsatz haben muss, er kann auch den eines Gesellen mitbenutzen, sofern dies im alltäglichen Workflow problemlos möglich ist.

Größere und teurerer Maschinen, die für den Beruf notwendig sind, müssen vorhanden sein und der Auszubildende muss regelmäßig Gelegenheit haben, daran zu arbeiten.

Wichtig: Wenn der Auszubildende Ausschuss produziert, darf der Betrieb ihm die Materialkosten nicht anlasten. Für Schäden am Inventar haftet der Auszubildende nur, wenn er grob fahrlässig handelt, beispielsweise wenn er gegen klare Anweisungen verstößt.

Kleidung des Auszubildenden laut Arbeitsrecht

Die Arbeitskleidung für den Auszubildenden ist durch das allgemeine Arbeitsrecht festgelegt. In diesem wird zwischen Arbeitskleidung, Berufskleidung, Dienstbekleidung und Schutzbekleidung unterschieden.

  • Arbeitskleidung (im engeren Sinn): Kleidung die Arbeitnehmer tragen, um die private Kleidung zu schonen. Diese ist auf eigene Kosten anzuschaffen, zu pflegen und zu reinigen. Der Auszubildende kann selbst entscheiden, ob er diese trägt.
  • Berufskleidung und Dienstkleidung: Bei dieser Art von Kleidung handelt es sich um Textilien, die für bestimmte Berufe üblich sind, beispielsweise schwarze Jacke und Hose bei Schornsteinfegern. Dienstkleidung dient dagegen dem einheitlichen Erscheinungsbild des Betriebes. Sofern der Arbeitgeber das Tragen anordnet, muss er die Kosten der Anschaffung und Reinigung, gemäß dem Paragrafen §675 und §679 BGB, tragen. Auch muss der Betrieb für die Lüftung, Trocknung und Aufbewahrung der Kleidung sorgen.

Hinweis: Wenn die Kleidung auch in der Freizeit sinnvoll getragen werden kann, darf der Betrieb den Auszubildenden an den Kosten beteiligen. Die Kostenbelastung muss aber im Verhältnis zur Vergütung angemessen sein.

  • Schutzkleidung: Aufgrund der arbeitsvertraglichen Fürsorgepflicht (Paragraf §618 Abs. 1 BGB) müssen Betriebe Kleidung, die aus arbeitsschutz- oder hygienerechtlichen Vorschriften vorgeschrieben ist, kostenlos zur Verfügung stellen. Dies gilt beispielsweise für Sicherheitsschuhe, Schutzbrillen, Helme und Ähnliches.

Wichtig: Wenn ein Betrieb einer gesetzlichen oder tariflichen Verpflichtung, Schutzkleidung zu stellen, nicht nachkommt, kann der Auszubildende seine Arbeitsleistung verweigern. Er hat weiter Anspruch auf die Ausbildungsvergütung (Paragraf §273 BGB).

Berufsschulpflicht und überbetriebliche Unterweisungen

Der Betrieb muss Auszubildende für die Teilnahme am Berufsschulunterricht, außerbetrieblichen Maßnahmen und an Prüfungen freistellen. Er muss auch darauf achten, dass der Auszubildende daran teilnimmt und ihn bei Bedarf zur Teilnahme anhalten.

Pflicht zur Ausbildung

Auszubildende sind keine günstigen und willigen Hilfskräfte. Daher darf der Betrieb von ihnen nur solche Arbeiten verlangen, die dem Ausbildungszweck dienen.

Das heißt nicht, dass dem Auszubildenden keinen allgemeinen Tätigkeiten wie Aufräumen des Arbeitsplatzes oder Reinigen der Werkstatt auferlegt werden darf. Zulässig ist beispielsweise die Pflicht, den eigenen Arbeitsplatz aufzuräumen und zu reinigen. Alternativ kann es Regelungen geben, dass jeder Beschäftigte im Wechsel den gesamten Arbeitsbereich säubern muss.

Vorbereitung zur Prüfung

Wenn Prüfungen anstehen, muss der Betrieb in besonderem Maße auf die Bedürfnisse des Auszubildenden eingehen. Der Auszubildende muss ausreichend Zeit haben, Lerninhalte aufzunehmen. Auch sollte der Ausbilder den Kenntnisstand überprüfen und gegebenenfalls mit dem Auszubildenden üben.

Azubis finden

Sobald ein Betrieb die Zulassung als Ausbildungsbetrieb hat, ist damit zu rechnen, dass sich Interessenten melden, die einen Ausbildungsplatz suchen. In weniger attraktiven Lehrberufen geschieht dies allerdings eher selten.

Wer aus einer Vielzahl von Bewerbern auswählen möchte, sollte freie Ausbildungsplätze beim Arbeitsamt und der zuständigen Kammer melden. Auch Anzeigen in Zeitungen oder auf Internetportalen sind eine ausgezeichnete Option, mehr Bewerber zu erreichen.

In vielen Bundesländern ist an allgemeinbildenden Schulen im letzten Schuljahr von Sekundarstufe I oder II ein Berufspraktikum vorgesehen. Wer einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellt, sollte sich an verschiedene Schulen wenden und bekannt geben, dass er Praktikanten betreuen möchte. Dies hat den Vorteil, dass sich beide Seiten bereits vor Abschluss eines Ausbildungsvertrags kennenlernen können.

Ausbildungsförderung

Die örtliche IHK oder Handwerkskammer ist in der Regel daran interessiert, die Zahl der Ausbildungsbetriebe zu erhöhen. Sie helfen beispielsweise, wenn eine Ausbildung im Verbund stattfinden soll. Auch beteiligen sich die Kammern meist, wenn es darum geht, einige überbetriebliche Ausbildungsinhalte zu vermitteln.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bekommen Ausbildungsbetriebe unter Umständen einen Zuschuss. Meist hängt die Höhe und die Zahlung der Zuschüsse vom Gewerk ab, in dem der Betrieb ausbildet.

Die Arbeitsagenturen geben oft Zuschüsse, wenn es um Umschulungen geht oder wenn der Betrieb Personen ausbildet, die besondere Schwierigkeiten haben, einen Ausbilder zu finden.

Für das Jahr 2018/2019 gab es beispielsweise die Einstiegsqualifizierung (EQ), um Jugendliche, die nach dem Schulabschluss keinen Ausbildungsplatz finden, zu vermitteln. Die Agentur für Arbeit beteiligt sich an der vom Arbeitgeber an den Praktikanten zu zahlenden Ausbildungsvergütung mit einem monatlichen Zuschuss in Höhe von 231 Euro. Außerdem zahlt das Arbeitsamt 116 Euro als einen pauschalisierten Anteil am durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitrag.


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